Ann Castro – Die Vogelschule
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Meine Papageien & Sittiche hören nicht zu!

Viele Papageien- und Sittichhalter sind superfrustiert, weil ihr Vogel – oder ihre Vögel – einfach nicht auf sie hören wollen. Man sagt dem Vogel, dass er in den Käfig gehen soll. Aber er geht nicht in den Käfig. Oder der Vogel lässt die Elektrokabel nicht in Ruhe, obwohl sie deutlich “nein!” sagen. Oder es ist einfach so, dass der Vogel nicht versteht, dass man ihn nur streicheln möchte, weil man ihn gern hat. Und stattdessen faucht er oder hackt sogar. Weil er es eben nicht versteht und Angst hat.

Dem Vogel sagen, was er machen soll funktioniert also nicht. Und natürlich sage ich diesen Haltern, dass sie das Training mit ihren Vögeln beginnen müssen. Denn woher soll der Vogel wissen, was man von ihm will, wenn man es ihm nicht beigebracht hat.

Aber heute geht’s gar nicht um’s Training. Heute geht es darum, wie du besser mit deinen Vögeln kommunizieren kannst.

Wenn du wie andere Halter bist, dann bisst du relativ häufig frustriert darüber, dass dein Vogel dir einfach nicht zuhört. Dein Vogel spricht nicht fließend Deutsch. Deshalb wird er dich nicht verstehen, wenn du sagst, “geh in den Käfig” oder “weg davon” – vorausgesetzt natürlich, du hast diese Begriffe noch nicht mit ihm trainiert.

Genauso verstehen wir auch nicht unsere Vögel, wenn sie Papageiisch mit uns reden. Darüberhinaus verständigen sich unsere Papageien & Sittiche ohnehin eher über nicht-verbale Kommunikation.

Du kannst dir diesen Text auch als Podcast anhören:

Also, so oft wie wir darüber frustriert sind, dass unser Vogel uns nicht versteht, uns nicht zuhört – was meinst du, wie oft der Vogel frustriert ist, weil du ihm nicht zuhörst? Und gerade bei der nicht-verbalen Kommunikation ist es ja noch viel schwieriger.

Andersherum bedeutet das aber auch, dass wir unsere Beziehungen mit unseren Vögeln stärken können, indem wir auf diese nicht-verbale Kommunikation eingehen.

Überleg mal, wann hast du das letzte Mal in deiner Kommunikation mit deinem Papagei oder Sittich die Führung an deinen Vogel abgegeben? Sind deine Vögel in der Regel nicht eher Befehlsempfänger?
Also wann hast du das letzte Mal nicht dem Vogel gesagt, was passieren soll, sondern dir von deinem Vogel sagen lassen, was passieren soll?

Es gibt dazu ganz tolle Übungen. Die sind natürlich eigentlich für Menschen konzipiert und finden zum Beispiel in der Verhandlungstaktik Anwendung. Aber diese Übungen kannst du auch supergut für Papageien und Sittiche anwenden.

Eine von diesen Übungen ist das Spiegeln. Spiegeln benutzt man zum Beispiel, wenn man mit Menschen verhandelt, um zu signalisieren, “Wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Ich bin doch auf deiner Seite.” Wenn zum Beispiel dein Gegenüber mit verschränkten Armen vor dir sitzt, dann ist das eine sehr blockierende, abwehrende, nicht kompromissbereite Haltung. Das reflektiert eine Einstellung, die einer gütlichen Verhandlung eher im Weg steht.

Dieses Problem, diese Situation kann man auflösen, indem du zunächst auch deine Arme verschränkst, also quasi die Körperhaltung deines Gegenübers kopierst – also spiegelst. Nach einiger Zeit kannst du dann vorsichtig deine eigene Körperhaltung ein wenig ändern. Das hat dann in der Regel zur Folge, dass dein Gesprächspartner dann unbewusst seine Körperhaltung deiner anpasst. Und so kannst du nach und nach die ganze Situation öffnen und damit ein besseres Basis für ein gutes Verhandlungsklima schaffen.

Mit deinen Papageien und Sittichen wirst du nicht immer verhandeln, aber diese Methode kannst du auch benutzen, um die Situation zu ändern. Und das machst du so: Zum Beispiel, wenn dein Vogel mit dem Schnabel klappert, klapperst du mit deinen Zähnen. Oder manche Vögel klopfen auch mit ihrem Schnabel oder mit ihrem Fuß und dann klopfst du mit deinen Fingern zurück. Und dann wartest du, bis er wieder klopft. Und dann klopfst du wieder zurück. Und aus diesem Hin und Her ergibt sich eine Kommunikation,. Diese Kommunikation hilft, eure Beziehung weiter aufzubauen. Der Vogel lernt, dass er etwas machen kann und du darauf reagierst. Mit kannst du dann auch diese Art der Kommunikation initiieren. Das spielt sich dann so ein, dass du damit sogar deinen Vogel beruhigen kannst.

Das bedeutet, wenn dein Vogel irgendwie beunruhigt oder unentspannt ist, dann kannst du ihn mit diesem Klopf-vor-und-zurück-Spiel oder mit dem Schnabel-Klapper-vor-und-zurück-Spiel tatsächlich wieder abholen wo er mental ist und in eine entspannte Haltung zurückbringen.

Mit dem Füßchen zu klopfen oder mit dem Schnabel zu klappern ist übrigens auch ein supertolles Ersatzverhalten für das Schreien. In Situationen, in denen der oder die Vögel sonst quer durch dein Zuhause schreien würden, „Wo bist du“. Schrei. Schrei. Schrei. „Wo bist du?“ Und du schreist zurück, „Jetzt sei mal still“, und dein Vogel hört, „Ich finde dich nicht, schrei doch mal lauter, der Urwald ist so groß“. Und der Vogel dann schreit, „Wir sitzen hier alleine und es ist sehr gruselig“ Und du schreist, „Jetzt halt doch mal endlich die Klappe“ und er hört, „Schrei weiter, damit ich dich finden kann“. Sie verstehen natürlich deine Sprache nicht und du nicht die ihre.

Dieses Schreien vor und zurück ist natürlich eine völlig fehlgeleitete Kommunikation. Aber in solchen Situationen, kannst du das Ganze etwas umlenken, was auch weitaus angenehmer ist, wenn sie lernen, zu klopfen und du klopfst zurück. Das ist bei langem nicht so nervig wie dieses Herumgebrülle. Für deine Nachbarn ist es auch angenehmer. Und dein Vogel weiß, dass er nicht alleine ist, dass du da bist, weil er dich hören kann und du auf ihn reagierst. Probier das mal aus. Es ist wirklich ein toller Ersatz.

Eine andere Möglichkeit unserem Vogel zu signalisieren, dass wir auf ihn hören, dass wir auf ihn achten, mit ihm kommunizieren, ist zum Beispiel, wenn dein Vogel auf deiner Hand oder deinem Arm sitzt. Die meisten Vögel zeigen dir durch Gewichtsverlagerung, wo sie hin wollen. Das nennt man dann auch „Handtaxi“ – wenn man darauf achtet. Der Trick ist natürlich, dass du darauf achten musst. Damit du überhaupt merkst, dass diese Gewichtsverlagerung stattfindet. Gerade bei kleineren Vögeln ist das ja eher ein bisschen subtil.

Wenn ein Ara dich irgendwohin dirigiert – das merkst du. Da brauchst du nicht groß drauf zu achten. Aber wenn’s halt ein Welli ist – da musst du schon ein bisschen mehr acht geben. Und wenn du dann einfach mal nachgibst und das machst, was der Vogel möchte: Also der Vogel verlagert sein Gewicht zum Fenster hin. Dann gehst du mit ihm zum Fenster. Oder der Vogel verlagert sein Gewicht zum Spiegel hin – und du gehst mit ihm zum Spiegel. Oder zum Kühlschrank, was meine tatsächlich machen. Der Vogel merkt, „Ach guck mal ich mache was und sie reagiert. Sie gibt mir, was ich will. Sie geht mit mir dort hin.“ . Dadurch merkt der Vogel, dass er mit dir kommunizieren kann und du kannst damit ganz tolle Rituale entwickeln.
Diese Rituale fördern natürlich auch den Beziehungsaufbau.

Ein Beispiel dafür ist meine kleine Lailah. Das ist einer meiner dunkelroten Aras und sie ist behindert. Du hast vielleicht schon Bilder von ihr gesehen. Lailah ist die mit dem Wonky-Beinchen, was so komisch hochsteht. Wir wissen nicht genau, was da passiert ist. Aber da sie es so ziemlich von Anfang an hatte, gehen wir davon aus, dass ihre Eltern ihr nach dem Schlupf irgendwie blöd auf die Füße getreten sind. Lailah kann nicht fliegen und kann auch nur sehr beschränkt klettern. Wir haben mit dieser Gewichtsverlagerung, dem Achten-darauf-was-sie-will, mit dem Hin-und-Herklopfen und all diesen Sachen ein regelrechtes Abendritual entwickelt.

Lailah sitzt tagsüber unten im Wohnraum, aber sie schläft oben bei mir im Schlafzimmer – einfach, damit ich merke, wenn irgendwie was ist. Wenn es dämmert, dann will sie von ihrem Sitz runter. Dann nehme ich sie hoch. Wir gehen die Treppe hoch. Und dann fängt sie schon an zu flattern und durch Gewichtsverlagerung den Weg zur Treppe und hoch zu weisen. Sie will ja dann auch hoch. Sie will ja Schlafen gehen. Wir gehen dann – das ist total albern und glücklicherweise schaut uns keiner dabei zu – aber wir gehen dann zusammen singend und tanzend diese Treppe hoch. Wir haben da unser Lied, derzeit ist es ein Mary Poppins-Lied. Das singen wir dann und tanzen dazu und sie wippt im Rhythmus und flattert mit den Flügeln. Das macht total Spaß.

Dann bringe ich sie zu ihrem Schlafplatz. Den inspiziert sie, aber zu dem Zeitpunkt geht sie noch nicht von der Hand. Wenns ei ihren Schlafplatz inspiziert hat, dann dirigiert sie mich an das erste Fenster. Da schauen wir gemeinsam raus. Dann lassen wir mit großem oho und aha die Rollos herunter. Anschließend setzen wir uns zusammen an den Tisch. Da muss sie dann noch einmal durchgekrault werden. Da werden dann die Pin-Federn geöffnet, die Neuen. Das geht ein paar Minuten, bis sie keine Lust mehr hat.

Dann will sie wieder weiter. Wir müssen dann an das zweite Fenster gehen. Dort schaut sie dann auch raus und begutachtet alles. Und wenn sei das erledigt hat, dann – aber auch wirklich erst dann – will sie auf ihren Schlafplatz gebracht werden. Wenn sie dann dort sitzt, bekommt sie noch einen Schluck Wasser – aus der Hand natürlich – sie trinkt dann nicht aus dem Schälchen, sondern ich muss ihr das Schälchen reichen. Und sie bekommt ihr Gute-Nacht-Leckerli – auch aus der Hand. Dann kriegt sie noch einen Knutscher auf die Stirn und geht dann schlafen. Und das machen wir wirklich jeden Abend so.

Dieses Ritual hat Lailah mit mir zusammen entwickelt. Also sie hat es entwickelt, indem sie die Vorgaben gemacht hat. Und ich bin jeweils darauf eingegangen. Die einzelnen Komponenten habe ich ihr natürlich irgendwann mal angeboten. Aber sie durfte entscheiden, was sie davon gut findet – was sie übernehmen wollte und was nicht. Wir haben zum Beispiel morgens ein anderes Ritual.

Morgens müssen wir zusammen mit großem “Oh” und “Ah” die Rollos hochziehen. Aber dann müssen wir vor den Spiegel gehen und uns vor dem Spiegel ganz schnell drehen und dabei auf den Spiegel zu bewegen. Das findet sie total toll. Das ist unser Morgenritual. Wenn wir das ein paar Mal gemacht haben, dann gehen wir wieder nach unten. Dort kommt sie auf ihren Tagesplatz Und dort bekommt sie dann ihr Frühstück.

Aber das sind eben solche Sachen. Diese dummen Kleinigkeiten. Klar – das macht natürlich auch Spaß. Und man hofft, dass keiner zuguckt, weil er einen dann für völlig bekloppt halten würde. Aber es macht total Spaß mit ihr so etwas zu machen. Und es festigt die Beziehung, weil das Tier – also meine Lailah – weiß, dass sie mit mir kommunizieren kann und ich darauf acht gebe, was sie will und auch auf ihre Wünsche eingehe.

Und das fördert Vertrauen. Und wenn ich dann mal was von ihr will, dann kommt sie mir halt eben auch entsprechend entgegen. Unsere Beziehung ist eben keine Einbahnstraße. Ich schlage dir vor, dass du es einfach mal für dich Zuhause ausprobierst. Versuche wirklich mal, ein paar Tage lang – natürlich gerne auch öfter und länger – das Verhalten deiner Vögel zu spiegeln.

Also wenn deine Vögel die Flügel heben, hebst du deine “Flügel” – also deine Arme natürlich. Oder wenn sie mit den Köpfchen nicken, dann nickst du mit deinem Kopf. Oder wenn sie blinzeln, dann blinzelst du zurück. Beobachte einfach deine Vögel und kopiere was sie machen und spiegel das. Und dann schau mal, was passiert. Und lass dir wirklich von ihnen vorgeben, was als nächstes gemacht wird. Nimm sie auf die Hand. Schau ob sie irgendwohin wollen. Ob sie ihr Gewicht verlagern. Und dann gehst du halt dahin.

Mein Jack zum Beispiel – das ist ein anderer meiner Aras – den du vielleicht auch kennst. Das ist der mit dem kaputten Schnabel. Der dirigiert mich zum Kühlschrank und im Kühlschrank rauf und runter, bis er gefunden hat, was er will. Er fragt dann immer um Erlaubnis. Und ich sage ihm, „Take it“, also „Nimm es.“ Dann nimmt er die Tüte, drückt sie mir in die Hand und ich muss sie ihm aufmachen. Das haben wir auch zusammen erarbeitet, einfach weil ich mich darauf eingelassen habe, dem zu folgen, was er mir vorgibt. Und das ist wirklich total klasse, weil das eine tolle Art der Kommunikation ist.

Meiner Meinung nach sind solche Sachen nämlich viel besser dazu geeignet unsere Vögel besser zu verstehen als pauschale Fragen, die ich ziemlich häufig bekomme im Stil von: “Was bedeutet es, wenn mein Vogel die Federn spreizt.” Das kann natürlich viele verschiedene Dinge bedeuten.

Gespreizte Federn kann bedeuten, “Mir ist kalt.” Es kann auch bedeuten, “Mir ist viel zu heiß.” Es kann bedeuten, “Ich bin super entspannt.” Es kann auch bedeuten, ich bin jetzt super aggressiv. Oder es kann bedeuten, “Mir geht’s ganz schlecht.” Aber es kann auch bedeuten, “Ich bin in Brutstimmung” oder „Ich bin ganz entspannt.“ Diese Beschreibungen bringen nicht annähernd so viel, wie das Beobachten und Ausprobieren – das Einfühlen, das Spiegeln, und dem sich auch mal von seinem Vogel führen lassen. Du wirst damit garantiert eine ganz neue Ebene des Verständnisses mit deinem Vogel entwickeln, mehr Vertrauen aufbauen, und dadurch natürlich auch eure Beziehung festigen und weiter ausbauen.

Also, es würde mich freuen, wenn du das auch einmal mit deinen Vögeln ausprobierst. Schreib mir dann und berichte mir davon. Du kannst mich unter ann (at) dievogelschule.com erreichen. Es interessiert mich, was deine Erfahrungen damit sind und was du genau gemacht hast.

Und wenn du dann anschließend oder parallel dazu bestimmte Dinge üben möchtest, dann empfehle ich dir, in meinen Kurs zu kommen. Der neue Grundkurs startet am 29. Oktober. Dort lernst du das Training und das Verständnis deines Vogels, das lernen wir im Kurs nämlich auch, von der Picke aus noch einmal neu aufzubauen. Ich würde mich freuen, von dir zu hören.

Bis bald & LG,
Ann.

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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