Ara-Babies: Glück & Trauer

Die Aras meiner Freundin Astrid (Anm. d. Red. Name geändert) hatten hinreißend süße Babies bekommen. Nachdem die Eltern die Kleinen großgezogen hatten, suchte Astrid für die beiden sorgfältig ein wunderschönes Zuhause bei ganz liebevollen Leuten aus. Sie glaubte, dass ihre beiden gefiederten „Enkelkinder“ dort ein prächtiges, langes Leben haben würden. Doch dann kam die herzzerreißende Nachricht: Beide Papageien waren im Alter von weniger als vier Jahren verstorben. Wie konnte das nur passieren?

Jeder Haushalt birgt Gefahren

Durch meine Beratungen bekomme ich Einblicke in viele Papageienhaushalte. Meine Beratungskunden scheuen in der Regel weder Kosten noch Mühe, um ihren Tieren ein tolles Leben zu ermöglichen. Sie sind motiviert und interessiert, das Leben Ihrer Papageien zu verbessern; die Creme-de-la-Creme der Papageienhalter sozusagen. Dennoch finde ich selbst bei derart engagierten Haltern so gut wie immer Gefahrenquellen für ihre Tiere im Haushalt und in der Haltung. Dies sind nicht etwa Kleinigkeiten in der „es wäre nett, wenn man dies hier noch ein wenig verbessern könnte“- Kategorie, sondern wirklich Gesundheit und oft auch Leben bedrohende Dinge. Im Rahmen meiner Beratungen korrigieren meine Kunde diese Umstände natürlich. Doch was ist mit den vielen anderen Papageien, die in Gefangenschaft leben, bei denen keiner durchs Haus geht und Gefahrenquellen identifiziert und behebt?

Liebe ist nicht genug

Jedes Jahr sterben in Deutschland unzählige Papageien viel zu jung. Nach Schätzungen vogelkundiger Tierräzte erreichen zum Beispiel Graupapageien in Deutschland nur ein durchschnittliches Lebensalter von circa zehn bis fünfzehn Jahren statt des möglichen Alters von 40 bis 60 Jahren. Viele von diesen Tieren werden von ihren Haltern durchaus geliebt. Nur verstehen die Halter nicht, dass Liebe nicht genug ist. Liebe kann kein Fachwissen ersetzen. Und so sterben noch immer unendlich viele Papageien – oft qualvoll – viel zu früh; nicht aus Mangel an Liebe, sondern durch Unwissenheit der Halter. Das muss aufhören!

Zurück zu unserer Geschichte

Wie Ihr Euch sicherlich vorstellen könnt, war Astrid ganz schön mit genommen. Sie weinte auch als sie mir die Geschichte ihrer beiden Ara-Babies erzählte. Sie wollte wirklich das Beste für die Tiere und dachte, dass sie in ihrem neuen Zuhause ein gesundes und glückliches Leben führen würden. Wie konnte das nur passieren? Die neuen Halter hatten ihre Ara-Babies doch wirklich lieb.
Was also war geschehen?

Der Ara-Junge

Die Halter hatten den Ara-Jungen zum Krallenschneiden zu einem nicht vogelkundigen Tierarzt gebracht. Krallenschneiden ist eine einfache Sache, denken viele. Ist sie auch – wenn man es richtig macht und weiß, wie zu handeln ist, wenn doch einmal etwas schief geht. Ein vogelkundiger Tierarzt ist dazu in der Lage – ein unkundiger eben nicht. Die Tragödie begann damit, dass der Tierarzt die Kralle zu kurz abschnitt, sodass sie anfing zu bluten. Dies ist zwar schmerzhaft für einen Papagei, aber nicht lebensbedrohlich. Normalerweise verödet man die Kralle und der Vorfall ist schnell vergessen. Der unerfahrene Tierarzt hingegen, legte dem Ara eine Halskrause um. Dies ist bei einer derart kleinen Krallenverletzung nicht nur völlig unnötig sondern auch extrem stressig für das Tier und gefährlich.
Aber es kam noch schlimmer. Wieder zuhause wurde der Ara mitsamt Halskrause einfach in den Käfig zurückgesetzt und nicht überwacht. Einige Stunden später war er tot. Er war mit der Halskrause hängengeblieben und hat sich darin stranguliert. Was für ein grauenvoller Tod für das arme Kerlchen!

Das Ara-Mädel

Auch das Ara-Mädchen ist tot. Sie wurde zum Tierarzt gebracht, weil sie unverdaute Körner im Kot hatte. Der Tierarzt meinte, sie hätte sich vergiftet. Mehr wurde nicht gemacht. Man hat sie einfach sterben lassen. Das ist doch einfach unglaublich. Hätten die Halter sich ein bisschen informiert, hätte eine Vergiftung sich verhindern lassen – falls es überhaupt eine war. Ein vogelkundiger Tierarzt hätte eingehende Untersuchungen durchgeführt, eine Diagnose gestellt und das Tier richtig behandeln können. So hätte sie wenigstens eine Chance gehabt zu überleben, anstatt qualvoll im Alter von nur vier Jahren zu sterben.

Bist Du nicht Teil der Lösung bist Du Teil des Problems

Ich weiß nicht, wie Du Deine Tiere hältst und wie Dein Haushalt aussieht. Aber wenn Du nur den geringsten Zweifel daran hast, ob nicht bei Dir möglicherweise doch Gefahren lauern, dann unternimm bitte etwas. Warte nicht, bis es zu spät ist. Du kannst es nicht ungeschehen machen. Alle „hätte ich dochs“ dieser Welt bringen Deinen Papagei nicht zurück wenn er tot ist. Die Schuldgefühle und Trauer, wenn ein geliebtes Tier durch eigenes und vermeidbares Verschulden ums Leben kommt sind furchtbar. Das wünsche ich keinem.

Wie kannst Du Dich weiterbilden?

Dass nicht jeder eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen kann oder möchte, verstehe ich. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Lies veterinärmedizinische Bücher über Vögel. In der Regel stehen bei den verschiedenen Erkrankungen auch Hinweise über Ursachen. In meinem Erste-Hilfe-Buch gibt es eine ganze Sektion über potentielle Gefahren, Vorsorge und Notfallmaßnahmen.
Du kannst auch diverse Papageienforen und -gruppen durchforsten. Oft schreiben Halter über Tiere, die erkrankt oder verstorben sind. Versuche herauszufinden, was die Ursachen waren und wie man sie hätte vermeiden können. Kontrolliere Deinen Haushalt, ob solche Gefahrenquellen auch bei Dir vorliegen und korrigiere sie umgehend.
Zusätzlich werde ich im Januar ein Intensiv-Seminar zum Thema Gesundheit und Erste Hilfe für Papageien und Sittiche durchführen. In einer Kleinstgruppe, werden wir gemeinsam einen Aktionsplan für jeden Teilnehmer erarbeiten. Dieser Aktionsplan wird individuelle Gefahrenquellen im Haushalt des jeweiligen Teilnehmers sowie erforderliche Maßnahmen, diese zu beheben beinhalten. Wir werden außerdem die Früherkennung von gesundheitlichen Problemen erarbeiten. Außerdem gibt es eine praktische Schulung von Erste-Hilfe-Maßnahmen, sodass Du diese im Notfall sicher einsetzen kannst. Bis zum 15. Dezember gibt es einen Frühbucherrabatt. Weitere Informationen und buchen kannst Du hier: click

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