ARTIKEL | Schreien

Papageienprobleme - Schreien & Kreischen: Warte nicht, bis es zu spät ist!

Eine verzweifelten Papageienbesitzerin, schrieb mich wegen eines "Riesenproblems" an. Ihr Nachbar würde sie in weniger als einer Woche vors Gericht schleppen weil er so genervt vom Geschrei ihrer Aras in der Außenvoliere sei.

Puh. Bis es soweit gekommen ist, hat es sicherlich einige Zeit gedauert. Zeit, in der sich das Problem entwickeln und immer schlimmer werden konnte und Zeit, in der der Nachbar sich sicherlich erfolglos beschwert hat, bis ihm kein anderer Ausweg mehr einfiel.

    1. Die Aras mussten die Gewohnheit non-stop zu kreischen erst einmal entwickeln. Mit Sicherheit wurde das Schreiverhalten von der Besitzerin - unabsichtlich natürlich - belohnt und somit verstärkt. Das geschieht häufig, wenn die Halter versuchen, ihre Tiere vom Schreien abzubringen, indem sie
      • selbst schreien, "Nein" brüllen zum Beispiel
      • das Verhalten unterbrechen, also Aufmerksamkeit schenken
      • oder gar Leckerli oder Spielzeug geben, um das Schreien zu unterbrechen
    2. Der Verfall der nachbarschaftlichen Beziehungen ist vermutlich auch nicht über Nacht passiert. Meist ist es so, dass der Nachbar sich zuerst zurückhaltend und dann immer deutlicher beschwert.
      Da der Halter aber nicht weiß, wie er das Schreien abstellen kann, werden diese Unterhaltungen immer gereizter. Der Halter versucht sich zu verteidigen und der Nachbar will endlich Ruhe haben.

    Mit Sicherheit lag einige Zeit zwischen der allerersten Beschwerde des Nachbarn und dem Gang vors Gericht. Superschade, dass die Halterin diese Zeit nicht genutzt hat, um kompetente Hilfe zu suchen, da sie offensichtlich nicht das Wissen und die Fähigkeiten hatte, das Problem im Alleingang zu lösen, sondern alles nur noch schlimmer gemacht hat.

Natürlich kann ich helfen, derartige Schreiproblemen zu lösen. Aber mit wenigen Tagen bis zum Gerichtstermin und einem sehr aufgebrachten, unkooperativen Nachbarn ist der Zug für diese Halterin leider abgefahren. Es ist einfach nicht genug Zeit vorhanden, um die Katastrophe abzuwenden.

In solchen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Gericht festlegt, dass die Aras im Haus gehalten oder - schlimmstenfalls - sogar abgegeben werden müssen.

Was für ein Albtraum!

Ich verstehe wirklich nicht, warum bis zur allerletzten Sekunde gewartet wird, um solche Probleme gezielt anzugehen. 😟

Wie anders wäre die Situation, wenn die Besitzerin sich gleich als es anfing um das Problem gekümmert hätte:

  1. Bei frühem Eingreifen, hätte das Schreien schnell wieder abgestellt werden können
  2. Das Schreiverhalten hätte sich niemals bis zu diesem Extrem entwickelt
  3. Das Schreien, dass die Vögel sich bereits angewöhnt hatten, hätte massiv verbessert werden können
  4. Der Nachbar hätte ihre Bemühungen, das Problem in den Griff zu bekommen bemerkt (eventuell mit eine Flasche Wein, einem netten Briefchen und Ohrstöpseln, um ihn bis zur Problemlösung zu besänftigen - Kommunikation is ALLES!) und der Streit wäre vielleicht nie soweit eskaliert
  5. Abgesehen vom Training hätten wir auch andere Maßnahmen implementieren können, um die Lärmbelästigung des Nachbarn zu minimieren

Die Halterin entschied sich, nichts zu unternehmen und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Ich hoffe sehr, dass du klüger handelst, wenn sich mögliche Probleme - nicht nur Schreien - bei deinen Tieren abzeichnen, und du frühzeitig etwas dagegen unternimmst, bevor es ein katastrophales Problem geworden ist.