R.I.P. Louise

Graupapagei-Louise

Tja und dann ist in der Woche meines Papageientraining-Seminars noch etwas sehr Trauriges geschehen. Ich habe niemandem davon erzählt, weil ich dachte, wenn ich im Seminar darauf angesprochen werde, heule ich los. Und das wollte ich natürlich nicht. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere von Euch noch an mein Graupapageienmädchen Louise. Wir hatten über sie in der Sendung „Wildes Wohnzimmer“ (VOX) berichtet.

Louise zog Dezember 2004 bei mir ins Papageienparadies ein. Sie hatte eine ganz schlimme Aspergillose. Die Besitzer hatten keinerlei Vorsorgeuntersuchungen mit ihr gemacht. Erst als Louise ganz offensichtlich krank war, bei jedem Atemzug blähte sich ihr gesamter Nackenbereich wie ein Blasebalg auf, haben sie Louise zur Tierärztin gebracht. Und dann wollten sie die Behandlung nicht durchführen und sie einfach einschläfern lassen. Aber da haben sie die falsche Rechnung mit der TA gemacht. Sie hat Louise den Leuten abgeschwatzt und mir zur Pflege überlassen.

Louise war so schlimm krank, dass ihr noch sechs Monate gegeben wurden. Aber das sollten tolle sechs Monate für sie werden. Das war unser Plan: nicht allein, schon gar nicht im kleinen Käfig und ganz doll geliebt. Aber wie so oft überraschte sie uns alle. Ihr kennt ja den Spruch „Totgesagte leben länger“. In ihrem Fall war das so was von wahr. Louise sprach ganz toll auf die Behandlung an, spannte nacheinander zwei anderen Hennen ihre Männer aus – erst Hektor dann Max – und entwickelte sich zur völligen Diva. Selbst mein großer Jack hatte vor ihr einen Heidenrespekt. Louise fand wieder richtig Spaß am Leben und genoss es, im Tropenhaus im Schwarm zu leben.

Leider haben die gesundheitlichen Schäden und die jahrelange schlechte Haltung dann doch ihren Tribut gezollt. Louise hatte mehrere Schlaganfälle und war zum Schluss fast ganz blind. Aber sie hat immer weitergekämpft. Selbst blind ist sie täglich auf eine kleine Leiter geklettert und von dort eine bekannte Strecke heruntergeflogen. Auch Max blieb ihr weiterhin treu. Erst jetzt elf Jahre später machte ihr Körper ganz plötzlich komplett schlapp.

Die gesundheitlichen Probleme sind einfach zu viel für ihren kleinen Körper geworden. Als ob er wusste, wie schlimm es um sie steht, hat Max Louise dann auch noch verlassen. Meine Tierärztin und ich mussten entscheiden, sie gehen zu lassen. Solche Entscheidungen sind immer furchtbar schwer und man fragt sich natürlich immer und immer wieder, ob es das Richtige war. Aber ich glaube schon. Denn Louise hätte aus dem Tropenhaus rausgemusst. Sie war zu krank, um sich dort weiterhin zu behaupten. Sie hätte also alleine in einer fremden Umgebung sitzen müssen. Max wollte ja nicht mehr bei ihr sein. Das ist für einen blinden Vogel nicht schön. Die Einsamkeit natürlich auch nicht.

Wir hätten sie auch nicht retten können. Die Behandlung hätte den Tod nur kurz (geschätzte zwei Wochen) herausgezögert. Und in dieser Zeit hätte sie eine furchtbar schlechte Lebensqualität gehabt. Schmerzen hatte sie auch. Wenn sie weitergekämpft hätte oder Max weiterhin an ihrer Seite geblieben wäre, hätten wir uns vielleicht an Strohhalme geklammert und es noch einmal versucht. Aber die Tierärztin und ich hatten beide das Gefühl, dass unser Louischen einfach nicht mehr wollte und konnte. So schwer es ist, manchmal ist der größte Akt der Liebe loszulassen, auch wenn es brutal weh tut. Flieg‘ frei, kleine Louise!

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Graupapagei-Louise

Lousie kurz nachdem sie im Papageienparadies einzog. Nach ihren Behandlungen hat sie sich immer gerne noch ein bisschen verwöhnen lassen.

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