Ernährung

Papageienernährung in der Freiheit

Über die Ernährung von Papageien - dazu gehören alle Sitticharten - gibt es leider nur sehr wenige belastbare Studien. Vieles, was wir glauben zu wissen, beruht auf Ammenmärchen oder dem Wissen über die Ernährung von Nutztieren. Dies ist jedoch unpassend, da Nutzgeflügel zum Einen aus ganz anderen Lebenräumen stammt als unsere Papageien und zum Anderen eine wesentlich kürzere Lebenserwartung hat. So wird zum Beispiel ein Hähnchen nach fünf bis sechs Wochen geschlachtet, während unsere Papageien – je nach Art – im Idealfall zwanzig bis sechzig Jahre alt werden könnten.

Natur als Vorbild

Um die Ernährung unserer Papageien zu optimieren, sollten wir uns an der Natur orientieren. Was fressen unsere Tiere in der freien Wildbahn? Jeder Papageienhalter weiß, dass seine Tiere nur ein Bruchteil der Nahrungsmittel zu sich nehmen, mit denen sie spielen. Aber nur was wirklich im Kropf landet kann als tatsächlicher Bestandteil der Ernährung angesehen werden.

Nur was im Kropf ist zählt

Um zu untersuchen, womit sich Papageien in der freien Wildbahn ernähren, müsste also der Kropfinhalt analysiert werden. Das ist bei Wildtieren, insbesondere solchen, die vom Aussterben bedroht und artgeschützt sind, sehr schwierig. Erwachsene Tiere können nur schwer gefangen werden. Vom Aussterben bedrohte Tiere zu töten, nur um an den Kropfinhalt heranzukommen, ist nicht akzeptabel (Ich persönlich finde es auch bei nicht bedrohten Tieren inakzeptabel, aber die meisten Wissenschaftler sehen dies wohl anders). Anders ist es mit Küken, die noch im Nest hocken. An sie kommt man relativ einfach heran mit minimalem Schaden für die betroffenen Tiere.

Überraschendes im Kropfinhalt wilder Araküken

Einige Wissenschaftler haben im südostlichen Peru genau solch eine Untersuchung vorgenommen. Um genauere Informationen über die Ernährung wilder Aras zu erhalten, untersuchten sie den Kropfinhalt von zehn wilden hellroten Ara-Küken. Dies führte zu überraschenden Ergebnissen.

Bei den Untersuchungen wurde nämlich festgestellt, dass die gefundenen Bestandteile des Kropfinhaltes zum Teil stark von den gängigen Empfehlungen für Handaufzuchtfutter abwichen. Zunächst einmal war die Textur viel gröber als die für die Handaufzucht empfohlene. Erde im aufgenommenen Futter diente als Natrium-Lieferant. Dennoch war die Natrium-Menge wesentlich niedriger als in allen Futter-Empfehlungen. Die Konzentrationen an Proteinen, Zink, Kalium, Kupfer und Phosphor hingegen entsprach in etwa den Empfehlungen.  Interessant war, dass Fett-, Kalzium- und Magnesiummengen im Kropfinhalt nicht nur höher als in den Empfehlungen war sondern auch höher als in den Futterpflanzen. Das Verhältnis von Natrium zu Kalium war nur ein Zwanzigstel von dem, was normalerweise für Küken empfohlen wird.

Alles in allem gab es also erhebliche Abweichungen von den Empfehlungen für die Ernährung von Papageienküken.

Wie sollte es weitergehen?

Bei dieser Studie wurde nur eine geringe Anzahl von Küken, in einem kleinen Gebiet und nur einer Art untersucht. Es wäre für die Erkenntnis über artgerechte Ernährungsweisen wichtig, diese Art von Studie an einer größeren Anzahl von Papageienküken verschiedenster Arten und Lebensräume durchzuführen.

Ebenfalls von Interesse wäre es, zu untersuchen, welche Auswirkungen unterschiedliche Dosierungen der verschiedenen Nährstoffe auf die Entwicklung und die Gesundheit der Küken hat.

Konsequenzen der Studie für Halter und Züchter

Ich denke, man sollte diese Studie zum Anlass nehmen, die Aufzucht von Papageienküken zu überdenken. Bei Naturbruten sollte man den Eltern ein möglichst reichhaltiges Nahrungsangebot zur Verfügung stellen. So wären sie in der Lage, ihren Jungen das zu füttern, was ihre Küken wirklich brauchen und nicht das was wir Menschen, aufgrund mangelhaften Wissens meinen, was sie brauchen sollten.

Ferner ist dies auch ein weiteres Argument gegen Handaufzucht. Wir sind noch nicht einmal annähernd in der Lage, zu beurteilen, welche Nährstoffe  Papageienküken wirklich benötigen. Vielleicht ist falsche Ernährung ein Faktor, warum handaufgezogenen Papageien krankheitsanfälliger sind als Elternaufzuchten.

Auch für die Ernährung von erwachsenen Papageien sollten wir aus dieser Studie Konsequenzen ziehen. Offensichtlich wissen wir nicht, was Papageien wirklich benötigen. Eine Pellet-Fütterung ist abzulehnen, da der Mensch hierbei dem Tier vorgibt, was es an Nährstoffen aufnimmt, ohne zu wissen, was das Tier wirklich benötigt. Viel besser ist es, Papageien reichhaltig und abwechslungsreich zu ernähren, sodass die Tiere sich die Nährstoffe nach individuellem Bedarf selbst aussuchen können.

Quelle:
DJ Brightsmith, D McDonald, D Matsafuji, and CA Bailey. Nutritional content of the diets of free-living scarlet macaw chicks in southeastern Peru. J Avian Med Surg, March 1, 2010; 24(1): 9-23.