Ein Käfig zum Kotzen

Zinkvergiftung durch gekauften Käfig

Von Sabrina Gärtner

Ein wunderschöner Sonntagnachmittag. Kurz vor 14:00 Uhr flattern Lumpi und Azzurra, meine beiden Mönchsittiche, in ihre Voliere, um sich mit Papageienmenü den Magen vollzuschlagen. Ich sitze entspannt auf der Couch, ganz in ein Buch versunken, als ich plötzlich ein komisches Geräusch aus Richtung der Pieper höre. Alarmiert springe ich auf, eile zum Käfig und sehe, wie Lumpi sein Futter erbricht. Mehrmals würgt der kleine Kerl, speit zuletzt nur noch hellen Schleim.

Beim Tierarzt

Zum Glück erreiche ich meinen vogelkundigen Tierarzt und darf trotz des Wochenendes mit Lumpi vorstellig werden. Mit im Gepäck habe ich Proben vom Erbrochenen und dem gefressenen Futter. Nachdem der Tierarzt Lumpi in Augenschein genommen und abgetastet hat, geht es augenblicklich zum Röntgen. Auch das Erbrochene und das Futter werden untersucht, ohne Ergebnis. Mit Verdacht auf eine Metallvergiftung wird mein kleiner Schatz mit Medikamenten und einer Infusion behandelt.
Zu dem Zeitpunkt funktioniere ich nur noch. Unser Tierarzt erklärt mir, dass es sich nur um eine symptomatische Behandlung handelt und dass ich, sollte Lumpi die Nacht überleben, am nächsten Tag unbedingt wieder in die Klinik kommen muss. Die Worte „Es sieht nicht gut aus.“ klingen noch immer in meinem Kopf.

Auf dem Weg in die Apotheke

Wieder zu Hause angekommen richte ich den Krankenkäfig für die Nacht. Tränen rinnen mir über die Wangen. Ich bin verzweifelt, dem Zusammenbruch nahe. Was soll ich nur tun? Panische Angst überrollt mich, ich suche Halt und Hilfe im Forum von ann’s world. Auf Empfehlung mache ich mich kurz vor 22:00 Uhr auf den Weg in die Nachtapotheke, um homöopatische Wirkstoffe in Globuliform zu besorgen.
Die nächste Apotheke befindet sich eine halbe Stunde von meinem Wohnort entfernt. Ich habe niemanden, der in der Zwischenzeit auf Lumpi achten kann, die Apotheke will nachts nicht liefern und so mache ich mich selbst auf den Weg. Während der Hin- und Rückfahrt spielen sich in meinem Kopf die schlimmsten Horrorszenarien ab, ich habe Angst, schreckliche Angst.

Die schlimmste Nacht meines Lebens

Nachdem ich den verdatterten Apotheker über die dringende Notwendigkeit der Globuli aufgeklärt habe und mit einem Kopfschütteln bedacht wurde, eile ich nach Hause. Mit mir fährt die Angst, dass Lumpi seinen Kampf womöglich schon aufgegeben hat.
Doch mein kleiner Wicht ist stark, auch wenn man davon in dieser Nacht nichts sieht. Aufgeplustert und teilnahmslos sitzt er in seinem Krankenkäfig, reagiert auf keinen Reiz, wirkt apathisch. Die Nacht verbringe ich in unmittelbarer Nähe zum Käfig, weiche keine Sekunde von Lumpis Seite. Ich kann meine Ängste und Empfindungen nur schwer in Worte fassen. Diese Nacht war mit Abstand die schlimmste meines Lebens!

Der nächste Morgen

Wir haben die Nacht gepackt! Lumpi sieht nach wie vor nicht gut aus, nimmt aber immerhin ein Schlückchen Globuli-Wasser zu sich. Beim Öffnen der Rollläden muss ich beobachten, wie der kleine Mönch sich erneut übergibt. Eine Welle geht durch seinen Oberkörper, er würgt schwer, klarer Schleim tropft von seinem Schnäbelchen. Danach schläft er bei hellstem Sonnenschein und gibt keinen Ton von sich. Die Stille geht mir durch Mark und Bein …
Um 10:00 Uhr treffen wir wieder beim Tierarzt ein. Der kleine Mönch erhält erneut eine Medikamentenspritze und eine Infusion. Den Rest des Tages verbringt er nahezu bewegungslos und hauptsächlich schlafend in seinem Krankenkäfig. Zum Glück habe ich Anns Erste-Hilfe-Buch zur Hand und kann mit den Anweisungen im Buch einen Nährstoffbrei zubereiten. Diesen biete ich Lumpi im Viertelstundentakt an. Erst gegen Abend nimmt der kleine Wicht den Brei an, das Zittern legt sich langsam und er wirkt nicht mehr so extrem aufgeplustert.

Hoffnungsschimmer

Wieder überstehen wir eine schlaflose Nacht. Zum Glück genehmigt mir mein Chef einen weiteren Urlaubstag und so treten wir erneut den Weg zum Tierarzt an. Wir bekommen für fünf Tage Medikamente und motivierende, Mut machende Worte mit.
Langsam scheint es bergauf zu gehen! Lumpi erhält nun lauwarmen Nussbrei, den er zum Glück sehr gut annimmt. Zweimal täglich wird der kleine Kerl gewogen, um eine etwaige Gewichtsabnahme sofort zu erkennen. Plötzlich kehrt der Hunger zurück und mein Schatz sucht wieder selbstständig den Futternapf auf. Endlich verlässt er auch wieder seinen Krankenkäfig und lässt sich von seiner Azzurra, seiner Partnerin, ausgiebig kraulen und beschmusen.

Auf der Suche

Bereits am ersten Tag habe ich mit der Suche nach einem möglichen Auslöser begonnen. Durch meinen Tierarzt aufmerksam gemacht, wurde ich dann rasch fündig. Man muss nur wissen, was man zu suchen hat. Am Käfig fand ich zwei beschädigte Stellen, mit dem Auge kaum zu sehen. Erst beim Tasten konnte ich die Schäden ausmachen und zwar genau an jenen Stellen, an denen der kleine Mönch gerne rumknabbert.

Papageienkäfige, die krank machen

Photo: Sabrina Gärtner
Kaum zu sehen, die beschädigten Stellen.

Sittichkäfige, die krank machen

Photo: Sabrina Gärtner
Kaum zu sehen, die beschädigten Stellen.

Im Verlauf einer Woche habe ich jede noch so winzige Ecke in unserem Haus unter die Lupe genommen und bin mir wirklich absolut sicher, dass nur der Käfig der Auslöser für Lumpis Erkrankung gewesen sein kann.

Unbedingt lesen!

Am 6. Januar 2011 habe ich mich in Lumpi verliebt. Als kompletter Papageienneuling habe ich wohl alles falsch gemacht, was man als Anfänger eben falsch machen kann. Im Verlauf des vergangenen Jahres habe ich sehr viel gelernt und versucht, meinem Liebling ein kleines Papageienparadies zu bieten. Ob Partnersuche, ausgewogene Ernährung oder artgerechtes Beschäftigungsprogramm: Ich wollte und will alles nur Menschenmögliche tun, damit es meinen Federwuscheln an nichts mangelt. Nie hätte ich gedacht, dass ich das Leben meines kleinen Mönchsittichs durch eine falsche Käfigwahl in derart große Gefahr bringen würde.
Deshalb meine dringende Bitte an alle: Augen auf beim Käfigkauf! Lasst euch bloß nicht von wohlklingenden und vermeintlich „papageiengerechten“ Angeboten täuschen. Lernt aus meinem Fehler und bringt das Leben eurer gefiederten Freunde nicht so leichtfertig wie ich in Gefahr. Die Wahrheit ist: Nichts geht über Edelstahl!

Zum Schluss

Heute geht es Lumpi wieder ausgezeichnet. Er fliegt zusammen mit Azzurra lärmend und quietschend durchs Haus und mein Herz lacht laut auf, wenn ich die beiden betrachten darf. Ich bin unendlich dankbar, dass wir so glimpflich davon gekommen sind. Und: Eine Edelstahlvoliere ist bereits im Entstehen.

Zinkvergiftung durch gekauften Käfig

Foto: Sabrina Gärtner
Heute ist Lumpi wieder gesund und glücklich mit seiner Partnerin Azzurra ...

Zinkvergiftung durch gekauften Käfig

Foto: Sabrina Gärtner
... die er sehr gerne krault und beschmust.

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