Machen Papageien ihre Halter krank? Teil 2

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Erkrankungen der Atemwege

Psittakose

Die Psittakose wird durch den Erreger Chlamydia psittaci, verursacht. Dieser Erreger kann mehr als hundert verschiedene Vogelarten und auch Menschen befallen. Doch nur im Fall einer Erkrankung von Papageien, wird die Erkrankung Psittakose genannt. Sind andere Vögel z.B. Enten, Gänse, Tauben, Truthähne oder Menschen davon befallen, nennt man diese Krankheit Ornithose.
Die Ansteckung mit Chlamidien erfolgt vorwiegend durch Inhalation infektiösen Materials (Kot, Nasensekrete, Hautpartikel und Federn), insbesondere Kotstaub. Es wurde aber auch schon von Ansteckung durch Schnabel-zu-Mund-Kontakt und Bisse berichtet. Da Chlamydien Trocknung überstehen, wird der Erreger durch verunreinigte Kleidung und Zubehör weiterverbreitet. Die Ansteckung erfolgt Vogel zu Vogel, Kot zu Vogel und Vogel zu Mensch. Die Ansteckung zwischen Menschen ist selten und erfolgt durch Kontakt zum Speichel des Patienten.
Die Inkubationszeit beträgt um die zehn Tage. Viele Vögel sind völlig symptomlos. Bei anderen äußert sich die Erkrankung durch Durchfall, Husten, Ausfluss aus Augen und Nase, allgemeine Befindungsstörung, gelb-grüne Harnsäure und auch durch gehäufte Todesfälle im Bestand. Bei Menschen sind die Symptome die einer heftigen Grippe, womit diese Erkrankung zunächst verwechselt werden kann: Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gelenkschmerzen. Auch bei Menschen können Todesfälle vorkommen!
Psittakose bzw. Ornithose ist in Deutschland meldepflichtig

Vogelgrippe

Alle bekannten Subtypen des Influenza-A-Virus können auf Vögel übertragen werden (im Gegensatz zu den Influenza-B-Viren). Von diesen sind jedoch nur einige auf Menschen übertragbar. Diese werden gemeinhin Vogelgrippeviren genannt. Zu diesen gehören u.a. die Subtypen H5N1, H7N7 und H9N2. Wenn wir von Vogelgrippe hören, ist jedoch gemeinhin das H5N1-Virus gemeint, das hochansteckend ist und vor einigen Jahren die Welt in Angst versetzte aufgrund von vielen Todesfällen sowohl bei Geflügel als auch bei Menschen.
Die Symptome bei Vögeln sind eher unspezifisch. Manchmal treten keinerlei Symptome auf, dann wieder Atemwegserkrankungen, verminderte Legefähigkeit, Störungen des Allgemeinbefindens und Tod.
Die Ansteckung von Vogel zu Mensch verläuft hauptsächlich per Tröpfcheninfektion und – weitaus seltener – durch kontaminiertes Material. Mensch zu Mensch Ansteckung ist äußerst selten.
Auch beim Menschen sind die Symptome eher unspezifisch und ähneln einer Grippe (Fieber, Atemwegserkrankung, Husten, Magen-Darm-Erkrankung), sodass der Verdacht eher aus dem Kontext heraus entsteht, dass ein Mensch Kontakt zu erkrankten Tieren oder Menschen hatte oder in Gebieten unterwegs war, in denen ein Ausbruch herrschte. Die Erkrankung durch H5N1 erfolgt in der Regel sehr schnell und heftig bis hin zu Todesfällen. Andere Subtypen der Vogelgrippe zeigen sich mit weitaus milderen Symptomen.
Die Vogelgrippe ist in Deutschland meldepflichtig.´

Histoplasmose

Histoplasma capsulatum ist ein Pilz, der im Magen-Darm-Trakt von Papageien und anderen Vögeln wächst. Sie selbst werden nicht krank davon, Menschen hingegen schon. Die Ansteckung erfolgt über die Inhalation von kontaminierter Erde, in der der Pilz wächst. Die Erkrankung ist also keine Zoonose im eigentlichen Sinn, da das Keimreservoir nicht der Vogel ist. Dies kann aber dem Erkrankten letztlich egal sein, deshalb wird diese Erkrankung hier mit aufgeführt.
Vögel erkranken an diesem Erreger nicht. Bei Menschen gibt es drei Erscheinungsformen. Die Häufigste ist eine akute Atemwegserkrankung mit grippeähnlichen Symptomen wie wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, trockener Husten und Schmerzen im Brustbereich, die nach einer Inkubationszeit von sieben bis einundzwanzig Tagen auftreten. Die chronische Form tritt meist bei Personen, die älter als vierzig Jahre sind mit tuberkuloseähnlichen Symptomen auf. Zu diesen gehören Husten mit eiterähnlichem Auswurf, Gewichtsverlust und Atemnot. Die disseminierte Form tritt in sehr jungen oder sehr alten Menschen und solchen mit stark geschwächtem Immunsystem auf und befällt Lymphknoten, Leber und Milz, an denen geschwürige Gewebeschäden autreten.
All dies hört sich jedoch schlimmer an als es ist, denn in mehr als neunzig Prozent der Fälle bekommt der Mensch keine oder fast keine Symptome. Die Schwere der Erkrankung hängt hauptsächlich vom Immunsystem des Wirtes ab. Außerdem tritt diese Erkrankung in West-Europa nur sehr selten auf.

Kryptokokkose

Kryptokokken (Cryptococcus neoformans, Cryptococcus gatii) sind Pilze, die bevorzugt in Erde, die mit Vogelkot angereichert ist, wachsen. Erkrankungen in Vögeln sind selten, aber relativ häufig bei Menschen. C. neoformans Infektionen sind weit verbreitet und verlaufen meist symtomfrei, wenn nicht das Immunsystem geschwächt ist. C. gatii ist aggressiver und kann auch bei gesunden Menschen zu einem Krankheitsausbruch führen mit hohen Todesraten um die 25%.
Die Ansteckung erfolgt in beiden Fällen über die Inhalation der Pilzsporen aber auch durch die orale Aufnahme. Erste Symptome sind Lungenentzündung und Husten mit blutigem Auswurf, Fieber und generelle Störung des Allgemeinbefindens. Dann folgt Gehirn- oder Gehirnhautentzündung. Der Verlauf der Erkrankung ist meist chronisch mit Fieber, Husten, blutigem Auswurf, Brustkorbschmerzen, Kopfschmerzen, Nackensteife und Gesichtsfeldstörungen.

Newcastle-Krankheit

Der Erreger der Newcastle-Krankheit ist das Paramoxyvirus 1 (PMV-1), das Säugetiere, Reptilien, Vögel und auch Menschen befallen kann. Für Papageien ist diese Erkrankung hochansteckend. Insbesondere Wildfänge sind oft Virenträger. Bis zu zwölf Monate nach überstandener akuter Erkrankung, können die Tiere als Virenreservoir dienen und die Krankheitserreger weiterhin ausscheiden.
Die Übertragung erfolgt durch Kot und Absonderungen aus Nase, Mund und Augen und kann über Kleidung, Schuhe und Zubehör weiterverbreitet werden. Bei Papageien kann die Erkrankung völlig symptomlos verlaufen. Zu den Symptomen, wenn denn welche gezeigt werden, gehören Atembeschwerden, grüner Durchfall, Muskelzittern, Lähmungserscheinungen und Schwellungen um Augen und Nacken. Die Todesrate angesteckter angesteckter Vögel ist enorm hoch – bis zu hundert Prozent eines Bestandes.
Bei Menschen äußert sich die Erkrankung meist durch eine Bindehautentzündung. Schüttelfrost, Fieber und Lethargie können zwar auch vorkommen, sind aber extrem selten. Menschen erholen sich normalerweise sehr schnell von der Newcastle-Krankheit. Bei Bindehautentzündung infolge von Newcastle sollte der Kontakt mit Vögeln vermieden werden.
Die Newcastle-Krankheit ist in Deutschland meldepflichtig

Q Fieber

Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht. Die Übertragung zwischen Tieren und Menschen erfolgt durch Kontakt mit infizierten Tieren sowie Inhalation von Staubpartikeln mit infektiösem Material wie z.B. Kot, Milch oder Plazentagewebe. Zecken sind besonders an der Ansteckung von Tier zu Tier beteiligt. Vögel können Keimreservoir sein, sind aber glücklicherweise nicht sehr oft von dieser Erkrankung befallen.

Symptome der Erkrankung bei Menschen sind Fieber, Lungenentzündung, starke Kopfschmerzen, extreme Lichtempfindlichkeit der Augen. In heftigen Fällen können desweiteren Gehirnhautentzündungen, Leberentzündungen sowie Thrombosen hinzukommen.
Q-Fieber ist eine in Deutschland meldepflichtige Erkrankung

West-Nil-Virus

Der West-Nil-Virus kommt haupsächlich bei Vögeln vor. Die Übertragung der Krankheit erfolgt über Mücken, die zuerst einen infizierten Vogel und dann einen Menschen stechen. Eine Übertragung auf direktem Weg von Vogel zu mensch ist bisher nicht nachgewiesen worden.
Das Virus wurde vermutlich 1999 über ein Flugzeug eingeschleppt und verbreitet sich dort rasant. Die Auswirkungen sind erschreckend, es wird von Vögeln im Central Park in New York berichtet, die tot von den Bäumen fielen. Vogelliebhaber in Amerika sichern deshalb ihre Außenvolieren zusätzlich  mit Insektenschutzgittern. Der West-Nile-Virus ist wetlweit auf dem Vormarsch. In Deutschland wurde zwar bislang kein Ausbruch gemeldet, aber bereits in Österreich (2008), sodass auch hier eine Absichrerung der Außenvolieren mit Insektenschutzgitter vorsorglich anzuraten ist.
Bei Menschen beträgt die Inkubationszeit drei bis vierzehn Tage. Symptome treten nur ca. 20% der Fälle auf und werden in zwei Gruppen unterteilt: West-Nile-Fieber und West-Nile-Gehirn- bzw. Gehirnhautentzündung.
Beim West-Nile-Fieber sind die Symptome grippeähnlich mit Auftreten von plötzlichem Fieber, Störungen des Allgemeinbefindens, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschläge, Schwellung der Lymphknoten und hinter den Augen auftretende Schmerzen der Augenhöhle.
Bei einer Gehirn- oder Gehirnhautentzündung aufgrund von West-Nile-Virus verläuft die Erkrankung mit den für diese Erkrankungen üblichen Symptomen wie z.B. Koordinationsstörungen.

Alveolitis

Exogen-allergische Alveolitis, auch Hypersensitivitätspneumonitis genannt, ist eine Erkrankung, die auf einer allergischen Reaktion es Lungengewebes zu inhaliertem organischen Material beruht. Es ist also keine Zoonose. Eine Alveolitis kann akut, subakut oder chronisch auftreten. Eine akute Alveolitis tritt meist dann auf, wenn ein Individuum, das bereits eine Sensitivität gegenüber Vögeln hat, diesen auf einmal in konzentrierter Form ausgesetzt wird, z.B. beim Besuch oder Putzen von Räumlichkeiten mit vielen Vögeln. Die Symptome einer akuten Alveolitis unterscheiden sich nicht von Erkältungskrankheiten. Dazu gehören trockener Husten, Atemnot, Frösteln, Fieber, Muskelschmerzen und generelle Störung des Allgemeinbefindens. Die Symptome verbessern sich allmählich über einen Zeitraum von ein bis zwei Tagen, wenn der Patient dem Allergen nicht weiter ausgesetzt wird. Bei einer subakuten Alveolitis sind die Symptome ähnlich treten aber allmählich, sich verschlimmernd, über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten auf. Sie wird in der Diagnose häufig mit anderen gewebeverändernden Lungenerkrankungen verwechselt. Auch bei der chronischen Alveolitis ist die Diagnose ist schwierig und Fehldiagnosen häufig. Differentialdiagnosen sind z.B. Lungenfibrosen, Tuberkulose oder Pilzinfektionen der Lunge. Die Symptome einer chronischen Alveolitis sind trockener Husten, Atemnot und Gewichtsverlust. Am Anfang kann diese Erkrankung auch mit einer hartnäckigen Erkältung oder Grippe verwechselt werden. Chronische Alveolitis kann sich in einem Zeitraum von zwei Jahren entwickeln. Meist dauert sie jedoch viel länger, in der Regel zehn bis zwanzig Jahre. Wen dieser Erkrankung trifft, der kann nur vollständig auf jeglichen Kontakt zu Vögeln verzichten. Doch im Vorfeld kann man einiges tun, um diese Erkrankung zu verhindern bzw. abzuschwächen. Dazu gehören: das Tragen von Atemschutz bei der Käfigreinigung, peinlichste Hygiene des Käfigs oder Vogelzimmers, die täglich geputzt werden sollten, häufiges Baden der Tiere, um Gefiederstaub zu reduzieren und den Einbau eines Luftreinigungssystems.

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