Inhalierkäfig für Sittich oder Papageienkäfig basteln

Unzählige Papageien und Sittiche leiden an Aspergillose. Ein häufiges Problem für die Halter ist es, eine Inhalationstherapie erfolgreich durchzuführen. Der tägliche Gang in die Transportbox geschieht oft alles andere als freiwillig. Die Tiere jedes Mal Einzufangen kann das Vertrauen von Papagei & Sittich in ihren Halter beeinträchtigen, abgesehen vom völlig unnötigen Stress für alle Beteiligten. Für ein entsprechendes Papageientraining bzw. Clickertraining fehlt oft die Zeit, da mit der Behandlung sofort begonnen werden soll. In ihrem Artikel gibt Alexandra uns eine detaillierte Bastelanleitung für den Bau eines Inhalierkäfigs der innerhalb des Sittich oder Papageienkäfigs eingebaut werden kann.


Von Alexandra Reutner

Voliere für Graupapageien

Voliere für Graupapageien
Foto: Alexandra Reuter

Drei geschlossene Seitenwände - direkter Blick, wenn man in der Voliere steht<br>Foto: Alexandra Reuter

Drei geschlossene Seitenwände - direkter Blick, wenn man in der Voliere steht
Foto: Alexandra Reuter

Aspergillose ist ein weitverbreitetes Thema unter Papageienbesitzern. Leider muss auch ich mich seit Anfang des Jahres mit diesem Thema beschäftigen.

Im Januar stellte mein Tierarzt eine leichte Aspergillose bei meinen Graupapageien Fridolin und Luna fest. Mein größtes Problem bestand darin, die Beiden stressfrei in eine Transportbox zu bekommen. Leider ist mein Clickertraining noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie freiwillig hinein gehen. Fridolin ist gerade zwei Jahre alt (Naturbrut) und erst seit letzten Oktober bei mir. Er lässt sich Dank des Trainings mittlerweile an den Schnabel fassen, aber noch nicht mehr. Luna geht bei mir zwar auf den Arm, aber sobald ich mich der Transportbox nähere, bekommt sie Angst und fliegt weg. Es kann auch passieren, dass ich aus Angst einen Biss kassiere. Trotzdem sollten meine Grauen mindestens einmal am Tag inhalieren.

Darum musste ich die Beiden immer einfangen, was nicht nur den Vögeln, sondern auch mir enormen Stress bereitete … Bis mir die Idee kam für den „Inhalierkäfig“, der in die Voliere integriert ist. Damit für andere Vögel und auch ihre Besitzer, die eventuell das gleiche Problem haben, das Inhalieren nicht zum Alptraum wird, möchte ich hier eine Bauanleitung anbieten.

Der Lieblingsplatz meiner Grauen ist in der hinteren Ecke auf einer Leiter. Diese Ecke sollte der Standort des Inhalierkäfigs werden, der die gesamte Tiefe des Voliereninnern und circa 50 cm Breite einnehmen sollte. Eine Breite von 50 cm reicht für zwei Graupapageien völlig aus. Du kannst die Breite aber auch nach Belieben ändern. Entsprechende Holzplatten bekommst Du meistens fertig im Baucenter, kannst sie aber dort auch zuschneiden lassen. Mein Vorteil war, dass durch den Eigenbau meiner Voliere, die Rück-, Seiten- und ein Teil der Vorderwand bereits mit Holzplatten geschlossen und mit Fototapete beklebt waren. Ich hatte also schon drei geschlossene Seiten zur Verfügung. Falls Deine Voliere rundum mit Draht versehen ist, solltest Du den Bereich des Inhalierkäfigs mit PET-Folie (1 mm Dicke), die Du ebenfalls im Baumarkt bekommst, verschließen.

Benötigt werden

Werkzeug

Akkuschrauber, Gürtellochzange, Teppichmesser, Maßband, Flachzange, Seitenschneider, Schrauben, große Unterlegscheiben, Muttern, Karabiner, Kabelbinder

Akkuschrauber, Gürtellochzange, Teppichmesser, Maßband, Flachzange, Seitenschneider, Schrauben, große Unterlegscheiben, Muttern, Karabiner, Kabelbinder
Foto: Alexandra Reuter

PET-Folie

PET-Folie
Foto: Alexandra Reuter

  • Akkuschrauber
  • Gürtellochzange
  • Teppichmesser / Schere
  • Maßband
  • Flach- oder Beißzange oder Seitenschneider
  • Wasserwaage

Material

  • Holzplatte
  • Edelstahldraht*
  • mehrere kleine Aluwinkel* (2 cm x 4 cm Schenkellänge) mit vorgebohrten Löchern Breite und Länge variierbar, die Holzplatte sollte gut darauf liegen
  • PET-Folie (1 mm Dicke)
  • Schrauben*
  • Unterlegscheiben* (der Durchmesser hängt von den Gitterzwischenräumen des Volierendrahtes ab)
  • Muttern*
  • Karabiner*
  • Kabelbinder

* Anmerkung von Ann: Bitte achtet darauf, dass alle verwendeten Metallteile zinkfrei sind! Es wäre furchtbar, wenn Ihr die Aspergillose in den Griff bekommt, aber die Tiere anschließend eine Zinkvergiftung haben)

Anleitung

Schritt Eins – Ausmessen und Zuschneiden

Zugeschnittene Holzplatte

Zugeschnittene Holzplatte
Foto: Alexandra Reuter

Aluwinkel mit vorgebohrten Löchern<br>Foto: Alexandra Reuter

Aluwinkel mit vorgebohrten Löchern
Foto: Alexandra Reuter

Angebrachte Winkel<br>Foto: Alexandra Reuter

Angebrachte Winkel
Foto: Alexandra Reuter

Angebrachte Winkel<br>Foto: Alexandra Reuter

Angebrachte Winkel
Foto: Alexandra Reuter

Holzplatte auf den Winkeln

Holzplatte auf den Winkeln
Foto: Alexandra Reuter

Volierendecke

Volierendecke
Foto: Alexandra Reuter

gesamte Vorderseite

Gesamte Vorderseite
Foto: Alexandra Reuter

Befestigte Folie mit Kabelbinder

Befestigte Folie mit Kabelbinder und eingehaktem Karabiner
Foto: Alexandra Reuter

Herausgeschnittene Gitterzwischenstäbe und Folieneinschnitte

Herausgeschnittene Gitterzwischenstäbe und Folieneinschnitte
Foto: Alexandra Reuter

Gitterfläche an der Volierendecke befestigt

Gitterfläche an der Volierendecke befestigt
Foto: Alexandra Reuter

Du misst mit dem Maßband die Tiefe des Voliereninnern und ziehst ca. einen Zentimeter ab, sodass noch ein kleiner Spielraum bleibt
Danach schneidest Du mit den ausgemessenen Maßen (B: 50 cm, T: Voliereninnen-maß) eine Holzplatte zu, oder lässt sie im Baucenter zuschneiden

Schritt Zwei – Aufliegewinkel anbringen

a) Ist Deine Voliere ähnlich wie meine (drei geschlossene Seitenwände), dann misst Du von der Decke aus ca. 60 cm nach unten, markierst die Stelle (Edding) und ziehst mit Hilfe der Wasserwaage kleine Striche. Somit wird gewährleistet, dass die Winkel gerade angebracht werden. Dies machst Du mit allen drei Seitenwänden. Dann kannst Du die kleinen Aluwinkel auf die gezogenen Linien setzen und rundum an der Wand mit Schrauben befestigen.

b) Ist Deine Voliere rundum mit Draht versehen, so musst Du die Seiten erst abdichten. Ich empfehle Dir dafür die PET-Folie (Baucenter). Die Flächen, die abzudichten sind, müssen von oben (Volierendecke) bis zur vorgesehenen Holzplatte abgemessen werden, Höhe: ca. 60 cm. Danach schneidest Du mit dem Teppichmesser oder mit einer Schere die Folie mit den ausgemessenen Maßen zu. Mit einer Gürtellochzange kannst Du dann rundum (ca. 1 cm vom Rand entfernt) beliebig Löcher in die Folie stanzen. Ein scharfer Holzbohrer geht auch – aber Vorsicht, dass die Folie nicht reißt.

Die Folie kannst Du nun mit Kabelbindern von innen oder außen an den Gitterstäben der jeweiligen Volierenseiten befestigen. Den überschüssigen Kabelbinder zwickst Du mit dem Seitenschneider ab. Nun kannst du mit Schritt 2 a weiter machen und die Winkel befestigen.

Um besseren Halt für die Winkel zu bekommen, solltest Du hierbei Schrauben mit Unterlegscheiben benutzen und diese mit Muttern kontern. Damit die Schrauben für die Winkel durch die PET-Folie passen, musst Du vorher die entsprechenden Löcher in die Folie bohren oder stanzen. Danach werden die Winkel mit den Schrauben am Volierengitter befestigt, und mit Unterlegscheiben und Muttern an den Außenseiten gekontert.

Schritt Drei – Bodenplatte

Die zugeschnittene Holzplatte von Schritt Eins kannst Du nun auf die Winkel legen. Die Platte kann nach Belieben in der Voliere bleiben. Sie wird zum Beispiel von meinen Grauen als Spielecke benutzt.

Schritt Vier – Decke

Die Decke des Inhalierkäfigs kannst Du ebenfalls mit einer nach Maß zugeschnittenen PET-Folie oder auch mit einer Holzplatte abdecken. Entscheidest Du Dich für die Folie, kannst Du sie wieder mit Kabelbindern befestigen oder Du legst einfach ein Brett oder ähnliches oben drauf. So wird die Folie an ihrem Platz gehalten. Sollte unter der Folie eine Lampe angebracht sein, muss sie wegen der Wärmeentwicklung an dieser Stelle ausgeschnitten werden (oder die Lampe an einen anderen Platz hängen).

Schritt Fünf – Hochklappbare Vorderseite

Jetzt nimmst Du nochmals das Maß der Tiefe des Voliereninnern von Schritt Eins und das Maß von der Decke bis zur aufgelegten Holzplatte von Schritt Zwei. Mit diesen Maßen schneidest du nochmals eine PET-Folie und das Edelstahlgitter zu. Mit der Gürtellochzange machst Du in die Folie wieder rundum beliebig Löcher, wie in Schritt Zwei erklärt. Danach legst Du die Folie auf das Drahtgitter und befestigst sie rundum mit Kabelbindern an den äußeren Kanten

Schritt Sechs – Öffnungen für Vernebler

Nun nimmst Du die Beißzange oder den Seitenschneider und zwickst an mehreren Stellen Teile der Gitterstäbe heraus, damit du das Mundstück des Inhalators dort anbringen kannst, wo die Vögel gerade sitzen. An diesen Öffnungen musst Du die Folie mit dem Teppichmesser in passender Größe für das Inhalatormundstück herausschneiden.

Schritt Sieben – Hochklappbare Vorderseite befestigen

Jetzt werden an der langen Ober- und Unterkante des Gitters jeweils zwei bis drei Karabiner gleichmäßig verteilt. Dies vermeidet das extreme Durchbiegen des Gitters, wenn es später an der Decke hängt. Nun kannst Du im Voliereninneren eine Seite der Gitterfläche oberhalb der Vorderkante der Holzplatte einhängen. Ich habe die Folienseite als Innenwand des Inhalierkäfigs gewählt, damit an der herunterhängenden Inhalierkäfigtür nicht auf und ab geklettert werden kann. Fertig ist der Inhalierkäfig

Anwendung

Wenn der Inhalierkäfig nicht benötigt wird, klappst Du die herunterhängende Tür des Inhalierkäfigs einfach in Richtung der Vorderseite der Voliere nach oben und befestigst sie mit Karabinern an der Volierendecke. Somit entsteht eine kleine Zwischendecke, die beim Herunterklappen den Inhalierkäfig verschließt.

Das Inhalatormundstück mit dem Kabel schleuse ich über den Trinknapf hinein und befestige es zusätzlich noch mit einer Hirseklammer an den Gitterstäben. Der Pariboy hängt mit einem Seil außerhalb an der Voliere. Aber das kann jeder so machen, wie er möchte.

Trotz des großen Misstrauens meiner zwei Lieblinge vor allem Neuen, wurde der kleine Käfig in der Voliere überraschend schnell und mit Begeisterung angenommen. Sie freuen sich mittlerweile regelrecht auf das Inhalieren. Luna und Fridolin marschieren schon automatisch nach hinten in ihre Ecke, wenn sie den Pariboy sehen und genießen in vollen Zügen ihre zwanzig Minuten. Und danach gibt es ein Oberleckerli.

Inhalierkäfig<br>Foto: Alexandra Reuter

Inhalierkäfig
Foto: Alexandra Reuter

Hochgeklappte Inhalationstür

Hochgeklappte Inhalationstür
Foto: Alexandra Reuter

Pariboy mit Seil und Karabiner am Gitter befestigt

Pariboy mit Seil und Karabiner am Gitter befestigt
Foto: Alexandra Reuter

Inhalatormundstück eingehakt am Gitter der heruntergeklappten Inhalationstür

Inhalatormundstück eingehakt am Gitter der heruntergeklappten Inhalationstür
Foto: Alexandra Reuter

Ressourcen

Weitere Informationen findest Du bei uns im Vogelschule-Mitgliederforum und in meinem Buch Die Vogelschule. Erste Hilfe für Papageien & Sittiche. Du kannst auch eine Privatberatung mit der Autorin buchen. Bitte lies auch meine anderen Artikel zum Thema Gesundheit und Basteln für Papageien und Sittiche.

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