Sichere, ethische und papageienfreundliche Putzmittel: Essig und Natron

„Alle“ Amerikaner scheinen ständig mit Essig und Natron zu putzen. (Haha – na wie ist das für Verallgemeinerungen? :-)) Als Halter gleich mehrerer Papageien und Hunde kämpfe ich ständig gegen den Dreck an. Also dachte ich, „Klasse Idee – muss ich mal ausprobieren“. Besonders gefiel mir, dass es unwahrscheinlich ist, dass Natron oder Essig in grausamen Tierversuchen getestet wurden. Dafür sind diese Mittel einfach schon viel zu lange in Gebrauch. Darüber hinaus sind Essig und Natron umweltfreundlich und in niederen Konzentrationen auch völlig unschädlich für unsere Papageien und andere Haustiere.

[singlepic id=1 w=320 h=240 float=right]Als Frau der Tat habe ich dann auch sofort einen Riesenkanister (10 kg) 60% Essigsäure (dem wirksamen Bestandteil in Essig) und einen ähnlich großen Eimer Natron (5 kg) gekauft. Beide kamen vergangene Woche an, sodass ich diesen Samstag als Testtag auserkor. Nachdem ich einen Extremkampf mit der Kindersicherung schussendlich mit Hilfe einer Rohrzange gewann, goss ich vorsichtig ein wenig der Essigsäure in einen Messbecher und von dort in eine leere Flasche. (Vorsicht: Unbedingt Plastikhandschuhe tragen und Fenster zur Belüftung öffnen. Genau genommen sollte man auch noch eine Sicherheitsbrille tragen … dafür war ich dann aber doch zu faul.) Direkt vom Kanister in die doch recht wacklige Flasche hielt ich für keine gute Idee. Das wäre garantiert daneben gegangen und man kann nicht vorsichtig genug sein. Außerdem hatte ich keine Lust, einen solchen Unfall zu beseitigen und mein Haus tagelang wie eine Salatschüssel stinken zu haben. 🙂

[singlepic id=2 w=320 h=240 float=right]Nachdem ich also ein wenig Essigsäure in die Plastikflasche umgefüllt hatte verdünnte ich es zur Gebrauchslösung. Ich dachte mir, dass 60% Konzentration doch ein bisschen arg stark sei, hatte aber keine Ahnung, was denn die Konzentration in Essig ist. (Ich weiss – Google ist nur so weit weg, wie mein Schreibtisch, aber ich was auf einer Mission und hatte keine Zeit für Unterbrechungen :-)). Rein gefühlsmäßig habe ich das Ganze fünffach verdünnt, was einer Konzentration von ca. 12% entsprach. Für das Natron habe ich ein leeres Spaghetti-Saucen-Glas verwendet. In dessen Deckel bohrte ich einige Löcher und verwandelte es so in eine Streudose.

Dann fing ich mit der eigentlichen Testarbeit an. Immer noch schicke 🙂 Plastikhandschuhe tragend, tauchte ich einen Putzschwamm in die Essiglösung und streute ein bisschen Natron obendrauf. Das Zeug schäumte erst einmal wie verrückt. Cool! Wieso sind solche chemischen Reaktionen eigentlich immer so aufregend? Als Ingenieur der Verfahrenstechnik, sollte ich eigentlich über dieser Klein-Mädchen-Freude, betreffend schäumendem Natrons, stehen. Aber, hey, das ist wohl ein Teil von mir, der niemals erwachsen wird.

Also habe ich es erst einmal an meiner Küchenspüle getestet. Meine Güte, das Zeug funktioniert! Dies ist bei weitem der beste Reiniger, den ich je benutzt habe! Jemals! Unglaublich. Und es ist bei weitem weniger giftig und preiswerter als die ganzen kommerziellen Produkte, die ich über die Jahre ausprobiert habe. Ich bin beeindruckt. Ich werde niemals den guten Hausfrauenpreis gewinnen, aber ich bin voller aufgeregter Vorfreude, dieses Zeug auf meinen Böden auszuprobieren. Das hat’s noch nie gegeben. 🙂

Der nächste Schritt wird sein, den Reiniger dahingehend zu optimieren, dass ich die niedrigste Konzentration, bei der er noch wirksam ist, herausfinde. Endlich habe ich dann gegoogelt und herausgefunden,d ass die meisten Haushaltsessige bei um die 5% liegen. Interessanterweise ist dies auch die Konzentration, die bei einer Untersuchung von „Good Housekeeping“ als 90% wirksam gegen Schimmel und 99.9% wirksam gegen Bakterien befunden wurde. Gegen Viren scheint Essig nicht so gut zu wirken. Also ist 5% wohl die Konzentration, die ich als nächstes testen sollte.

[singlepic id=3 w=320 h=240 float=right]Also habe ich eine 2 Liter Pumpsprayflasche mit 5% Essigsäurelösung befüllt und meine Wohnzimmerböden bearbeitet. Diese werden furchtbar schnell dreckig da die Hunde hier ständig vom Garten rein und rauslaufen. Zuerst habe ich den Boden mit der Essiglösung eingesprüht und diese ungefähr eine Minute einwirken lassen. Dann bin ich mit dem Wischmop drüber gegangen. Unglaublich. Der Dreck ging sofort ab. Schrubben war völlig unnötig. Noch besser – bei dieser Konzentration führt die Verwendung nicht dazu, dass meine Wohnung wie eine Salatschüssel stinkt. 🙂 Es riecht einfach nach gar nichts. Ich habe ein paar Online-Anleitungen gefunden, in denen Essig in Behältern mit Zitronenschalen angesetzt wurde, um einen nach Zitronen riechenden Reiniger zu erhalten. Auch keine schlechte Idee, wenn man diesen „gerade geputzt“ Duft haben möchte. Aber ich bin ganz ohne Duft auch glücklich.

Was mich nicht ganz so glücklich machte sind meine Hände. Für das Bodenwischexperiment hatte ich vergessen, die Gummihandschuhe anzuziehen. Nut das Ausspülen des Mobs hat gereicht,d ass sich meine Hände trocken und rau anfühlen. Also, für die Zukunft: Unbedingt Handschuhe tragen, wenn mit Essig geputzt wird. Andererseits, wenn das der einzige negative Aspekt ist – damit kann ich leben, insbesondere weil Handschuhe auch bei den ganzen anderen Haushaltsreinigern notwendig sind.

In Bezug auf Kosten: Günstiger geht’s kaum noch. Inklusive Versand habe ich €33,85 für 10kg (=approx. 10 l) 60%er Essigsäure bezahlt. Wenn ich diese auf 5% verdünne, dann sind das €0,28 pro Liter des effektivsten Reinigers, den ich je benutzt habe. Unschlagbar! Es ist wohl unnötig zu sagen, dass ich dabei bleiben werde.

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