Ann Castro – Die Vogelschule für Papageien & Sittiche
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Gicht bei Papageienvögeln

Vor einigen Jahren starb mein kleines Agapornidenmädchen Alladine, die ich in ziemlich schlechtem Zustand aus einem Zooladen gerettet hatte. Aus Fürsorge für meine anderen Tiere ließ ich sie selbstverständlich obduzieren. Ich musste ja die Todesursache feststellen, um sicherzugehen, dass keiner meiner anderen Vögel in Gefahr war. Als letzten Liebesdienst war ich bei ihrer Obduktion dabei – ich brachte es nicht über mich, sie so einfach dazulassen. Die Obduktion war schlimm, aber was wir fanden war noch schlimmer: Auf ihren Organen waren überall kleine weiße Kristalle zu sehen. Ganz besonders übel war es auf ihren Nieren. Was war geschehen?

Alladinchen war eine alte Bruthenne, die der Züchter nachdem sie nicht mehr produktiv war (:-() zum Zooladen brachte, von dem ich sie geschenkt bekam (nachdem ich richtig Stunk, ob ihres erbärmlichen Zustandes machte). Und wie es viele Züchter und einige Halter machen, ist sie ihr ganzes Leben lang üppig mit Eifutter versorgt worden. Eifutter enthält – welch’ Überraschung – viel Ei, also tierische Proteine. Diese führen bei Papageien zu erhöhter Harnsäure, die nicht nur die Ausscheidungsorgane belastet sondern auch zu Gicht führen kann.

Wie entsteht Gicht?

Bei der Verstoffwechselung von Eiweißen entsteht Harnsäure. Wenn deren Konzentration im Blut zu hoch wird, entstehen Ablagerungen in Form von Harnsäurekristallen. Das nennt man Gicht, wobei man je nach Ablagerungsort zwischen zwei Arten von Gicht bei Vögeln unterscheidet. Bei der Gelenkgicht lagern sich die Harnsäurekristalle um die Gelenke des Tieres ab, bei der viszeralen Gicht hingegen in den inneren Organen. Der Unterschied zu Gicht in Menschen ist, dass bei Menschen Gicht meist durch Fettleibigkeit, gepaart mit zu viel Alkohol und Nahrungsmitteln mit hohen Purinwerten, ausgelöst wird. Deshalb war Gicht früher auch als reiche-Leute-Krankheit bekannt.

Leckere Frühstückseier - leider nichts für unsere Papageien

Bei Vögeln ist falsche Ernährung der wichtigste Auslöser für Gicht. Insbesondere tierische Eiweiße, zu wenig Vitamin A und zu wenig Frischfutter machen unseren Vögeln zu schaffen.

Nierenschäden

Zusätzlich können Nierenschäden und somit jede Erkrankung, die die Niere schädigt, zu Gicht führen. Wenn die Niere nicht mehr richtig funktioniert, steigt der Harnsäurespiegel im Blut. Normalerweise würde die Harnsäure den Körper mit dem Kot verlassen. Die weiße Substanz, die Ihr darin seht, besteht hauptsächlich aus Harnsäurekristallen. Wenn die Ausscheidung der Harnsäure über Niere und Kot nicht mehr funktioniert, kommt es zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen im Körper des Tieres.

Übersicht über mögliche Ursachen für Nierenschädigung:

  • Laut einem vogelkundigen Tierarzt ist Vitamin-A-Mangel eine der häufigsten Ursachen für Nierenprobleme. Dabei ist Provitamin-A aus natürlichen Nahrungsmitteln auf jeden Fall synthetischem Vitamin A vorzuziehen. Bei letzterem kann es nämlich zu einer Überdosierung kommen, während das Provitamin-A nach Bedarf vom Körper selbst umgewandelt wird. Selbst bei korrekter Dosierung des synthetischen Vitamin A scheint es Vögel zu geben, die es nicht so gut vertragen und verwenden können. Wir empfehlen deshalb immer wieder, bei der Ernährung darauf zu achten, dass die Tiere ausreichend mit Provitamin-A-haltigen Nahrungsmitteln versorgt werden.
  • Synthetisches Vitamin D3, z.B. in Vitaminpulvern und Pellets, kann bei zu hoher Dosierung zu Nierenschäden führen. Deshalb solltet Ihr Eure Vögel lieber mit natürlichen Nahrungsmitteln füttern. Es ist viel sicherer für Eure Vögel, wenn sie die Vorstufen des Vitamin D über ihr natürliches Futter aufnehmen können. Der Körper wandelt es mit Hilfe von UV-Licht, z.B. durch Haltung in Außenvolieren oder speziellen Vogellampen, nach Bedarf in Vitamin D3 um. Deshalb ist bei einer natürlichen Fütterung die Überdosierung mit Vitamin D3 und die resultierende Nierenschädigung ausgeschlossen.
  • Auch durch verschiedene Erkrankungen kann die Niere geschädigt werden. Dazu gehören Viren- und Bakterieninfektionen.
  • Schwermetall wie Zink und Blei können ebenfalls zu Nierenschädigungen führen. Deshalb sollten Ziervögel ausschließlich in Edelstahlvolieren gehalten werden und auch nur Spielzeug bekommen, in dem alle Metallteile aus Edelstahl bestehen.
  • Manche Arten von Antibiotika können die Niere schädigen, insbesondere, wenn sie zu lange oder in zu hoher Dosierung verabreicht werden.

Andere Ursachen

Es ist schwer, Bewegungsmangel von anderen Ursachen sauber zu trennen. Aber es ist auffällig, wie häufig Vögel, die in zu kleinen Käfigen mit wenig Flugmöglichkeit gehalten werden, Gicht bekommen im Vergleich zu Vögeln, die in großen Flugvolieren leben.

Es wurde außerdem beobachtet, dass Vögel, die kein oder nur wenig Frischfutter erhielten, stark zu Gicht tendierten. Dies könnte u.a. auch an der verminderten Flüssigkeitsaufnahme liegen.

Wie erkenne ich, wenn mein Vogel Gicht hat?

Ein Anzeichen für Gicht ist die ein vermehrter Anteil an weißer Harnsäure im Kot. Zusätzlich ist es möglich, dass der Vogel mehr trinkt als sonst. Wenn es sich um Gelenkgicht handelt, gibt es noch zwei weitere Zeichen:

  • Da die Gelenke schmerzen, wird ein Vogel mit Gelenkgicht sich ungern bewegen.
  • Wenn Ihr die Gelenke genau anschaut, könnt Ihr manchmal sogar weißlich Ablagerungen unter der Haut um die Gelenke herum sehen.

Gewissheit gibt Euch der vogelkundige Tierarzt, der über einen Bluttest den Harnsäurespiegel feststellen kann. Er wird weitere Untersuchungen druchführen, um die Ursache zu ermitteln und Eurem Vogel entsprechende Medikamente verschreiben.

Wie kann ich meinem Vogel helfen?

Flüssigkeitsaufnahme

Versucht gichtkranke Vögel dazu zu bringen mehr zu trinken. Das fängt damit an, dass Ihr ihnen überall, wo sie sitzen, Wasserschalen hinhängt, damit sie es nie weit zur nächsten Tränke haben. Viele Papageien trinken gerne Warmes und trinken mehr davon. Ihr könnt Ihnen also warmes Wasser und warme Kräutertees anbieten, um sie dazu zu bewegen, ihre Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen. Auch der Ernährungswechsel zu einem größeren Frischfutteranteil erhöht die Flüssigkeitsaufnahme, da Frischfutter viel mehr Wasser als Körner oder Pellets enthält.

Gesunde Ernährung

Vermeidet es, Euren Vögeln tierische Eiweiße (Joghurt, Käse, Quark & Co.) zu füttern. Eine Futterumstellung bei einem kranken Tier sollte besonders vorsichtig durchgeführt werden, würde aber Eurem Patienten auf Dauer helfen. Auch wenn eine Nierenschädigung nicht rückgängig gemacht werden kann, so könnt ich doch zumindest weitere Schädigung verhindern und den Allgemeinzustand des Tieres durch eine gute Ernährung wesentlich verbessern. Achtet darauf, dass Eure Vögel insbesondere Nahrungsmittel mit viel Provitamin A und D bekommen. Bei eiweißreichen Nahrungsmitteln, wie z.B. Hülsenfrüchten, solltet Ihr bei einem gichtkranken Vogel eher zurückhaltend sein. Vitaminzugaben können und sollten niemals eine gesunde Ernährungs ersetzen!

Kräutertees

Es gibt einige Kräuter, die bei Gicht helfen und für Eure Vögel gut verträglich sind. Ihr könnt z.B. eine Mischung aus Süßholzwurzel, Hauhechelkraut, Brennessel, Goldrute und Melisse herstellen. Davon brüht Ihr jeweils frisch einen Teelöffel auf eine Tasse kochendes Wasser auf und lasst den Tee zugedeckt zehn Minuten ziehen. Diesen Tee gebt ihr auf Körpertemperatur abgekühlt Eurem gichtkranken Vogel zu trinken.

Haltung

Gichtkranke Vögel können durch entsprechende Haltungsänderung unterstützt werden. Bietet Ihnen eine Wärmelampe an, aber bitte so, dass sie der Hitze entfliehen können, wenn es ihnen zu viel wird. Oft hilft auch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Bedenkt, dass schmerzende Gelenke eine wirkliche Behinderung für Eure Vögel darstellen. Bietet ihnen deshalb Sitzstangen mit besonders großem Durchmesser oder am besten sogar Sitzbrettchen an, damit sie ihre Gelenke besser entlasten können. Dass insbesondere Wasser mit Leichtigkeit zugänglich sein sollte, habe ich oben bereits geschrieben.

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