Graupapagei CITES 1: Was ändert sich für Dich?

Graupapageien – Kongo und Timneh – sind von CITES Status II auf CITES I hochgestuft worden. Dies ist der höchste Schutzstatus, den es für bedrohte Tiere gibt. Es freut und erleichtert mich, dass der Handel mit Wildfängen jetzt illegal ist. Andererseits stimmt es mich auch tieftraurig, dass so etwas überhaupt notwendig ist. Denn bis es zu dieser Entscheidung kam mussten Millionen von Graupapageien unendliches Leid ertragen und sterben. Aber, schauen wir in die – hoffentlich bessere – Zukunft.

Es ist eine große Änderung und es ist auch eine wichtige Änderung. Aber was genau bedeutet das für uns Graupapageien-Halter? Grund genug, René Wüst, Leiter des Fonds für bedrohte Papageien, anzurufen und die möglichen Auswirkungen auf uns zu besprechen. René und ich sind nämlich nicht nur fachlich betroffen sondern auch persönlich, da wir beide – genauso wie Du – Graupapageien-Halter sind.
Da Du Dir vermutlich genau dieselben Fragen stellst wie wir, berichte ich Dir hier über unser Gespräch.

Inwiefern sind Graupapageien vom Aussterben bedroht?

Verschiedene Quellen gehen davon aus, dass zwischen 2,1 und 3,2 Millionen Graupapageien von 1975 bis 2013 aus der Wildnis gefangen wurden. Dadurch sind Populationen start reduziert worden, sodass Graupapageien in verschiedenen Regionen extrem selten geworden und zum Teil bereits ausgestorben sind. Die Hochstufung auf CITES 1 untersagt den Handel mit Wildfängen. Wir hoffen, dass sich dadurch die wilden Bestände wieder erholen können.

Wird die Art durch den CITES I-Status gerettet?

Wildgefangende Tiere auf dieser höchsten Schutzstufe dürfen nicht mehr international gehandelt werden. Die massive Schummelei mit den erlaubten Fangquoten wird somit unmöglich gemacht. Dies erleichtert den Einsatz der rechtlichen Organe gegen Wilderer und Schmuggler ganz erheblich.

Allerdings sind Graupapageien auch eine der am meisten illegal gehandelten Arten. Leider wird die Wilderei durch schärfere Gesetze kaum völlig beseitigt werden.

Eine weitere Bedrohung für wilde Graupapageien ist die Vernichtung von Lebensräumen. Diese wird durch den CITES I-Status nicht geändert.

Kann man jetzt keine Graupapageien mehr kaufen?

Das Handelsverbot aufgrund des CITES I-Status bezieht sich nur auf Graupapageien aus der freien Wildbahn. Gezüchtete Papageien dürfen weiterhin verkauft werden.

Was ändert sich für mich als Halter?

Graupapageien sind schon seit langem  – auch mit dem vorherigen CITES II-Status – meldepflichtig. Dazu musst Du einen Herkunftsnachweis, zum Beispiel eine Bescheinigung vom Züchter, vorlegen. Falls Du Deine Tiere noch nicht angemeldet hast, solltest Du das also dringend nachholen. Wenn Du erwischt wirst, könnten Deine Tiere schlimmstenfalls beschlagnahmt werden.
Graupapagei CItes ... was ändert sich für Halter?

Wenn Deine Tiere gemäß den Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien anständig gehalten werden, haben die Ämter wenig Interesse daran, ein Tier aus seinem Zuhause zu reißen. Aber die Gesetze gelten für alle. Du musst Dich also bemühen. Wenn Du Dich proaktiv um die Legalisierung und Anmeldung kümmerst, sind die Behörden in der Regel außerordentlich hilfsbereit. Sprich mit ihnen!

Es ist anzunehmen, dass wir künftig CITES-Bescheinigungen für unsere Graupapageien beantragen und auf Verlangen vorlegen können müssen. Die CITES-Bescheinigung ist vergleichbar mit einem Reisepass für unsere Tiere. Aber es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis dies tatsächlich von den Behörden umgesetzt werden kann. Schließlich gibt es viele Graupapageien in Deutschland. All diese Tiere mit Bescheinigungen zu versehen bedeutet einen gewaltigen administrativen Aufwand.

Was ist, wenn ich einen Graupapagei aufnehmen möchte?

Wenn Du einen Graupapagei aufnimmst, solltest Du unbedingt darauf achten, dass Dir alle benötigten Papiere mitgegeben werden. Wenn die Papiere fehlen oder nicht vollständig sind, was bei älteren Tieren häufig der Fall ist, solltest Du dies unbedingt vor der Übernahme des Tieres mit der für Dich zuständigen Behörde besprechen und in Ordnung bringen.

Was ist wenn ich meinen Graupapagei abgeben möchte?

Bei der Abgabe eines Graupapageis wirst Du voraussichtlich eine Ausnahmegenehmigung für den Handel beim Bundesamt beantragen müssen.

Was ist, wenn ich umziehe?

Bei einem Umzug innerhalb Deutschlands, musst Du Deine Graupapageien bei der alten Behörde ab- und bei der neuen Behörde anmelden. Beachte, dass Regelungen von Behörde zu Behörde selbst innerhalb Deutschlands unterschiedlich sein können. Es lohnt sich meiner Meinung nach immer möglichst frühzeitig mit den verschiedenen Behörden zu sprechen, damit Du Dich ohne in Zeitnot zu geraten, um alles Erforderliche kümmern kannst.

Beim Umzug ins Ausland wirst Du vermutlich eine Ausnahmegenehmigung benötigen. Auch hier solltest Du mit den zuständigen Behörden sprechen. Denke auch bitte daran, dass CITES nicht die einzige Hürde ist, wenn Du mit Deinen Papageien ins Ausland ziehen möchtest. Ungeachtet der CITES-Bestimmungen erlauben manche Länder überhaupt keine Einfuhr von Papageien gleich welcher Herkunft. Andere erforden langfristige Quarantänezeiten. Das musst Du klären und Dir überlegen, was für Dich und Deine Papageien zumutbar und sinnvoll ist.

Alles in allem wird – wie immer – ein Weg gefunden werden, all dies tier- und menschenverträglich in die Praxis umzusetzen. Wir denken nicht, dass Du Angst haben musst, Deine Graupapageien plötzlich nicht mehr halten zu dürfen. Aber Du solltest Dich darauf vorbereiten, Unterlagen besorgen und Deine Tiere, falls noch nicht geschehen, unbedingt anmelden und gegebenenfalls legalisieren lassen.

Wenn es hierzu weitere Entwicklungen und Neuigkeiten gibt, werde ich Dir davon hier berichten. Bitte trage Dich in meinen Newsletter ein, wenn Du eine E-Mail-Benachrichtigung erhalten möchtest.

Falls Du die Arbeit für den Schutz bedrohter Papageien & Sittiche unterstützen möchtest, freut sich der Fonds für bedrohte Papageien über Deine Spende.

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