Haltung

WIE KANNST DU DEINEN PAPAGEI ODER SITTICH ERFOLGREICH VERPAAREN?

Du weißt, dass jeder Papagei und jeder Sittich einen artgleichen aber gegengeschlechtlichen Partnervogel benötigt. Dies ist schließlich in den Grundlagen der artgerechten und Tierschutzkonformen Haltung gemäß den Vorgaben des Bundesministeriums festgelegt. In der Theorie ist das auch kein Thema. Nur, wie setzt Du eine Verpaarung am besten in der Praxis um?

1. Untersuchung

Zuerst solltest Du Deinen zu verpaarenden Papagei oder Sittich durch einen erfahrenen, vogelkundigen Tierarzt untersuchen lassen. Die Untersuchung sollte mindestens eine Geschlechtsbestimmung, Tests auf Pacheco, PMV, ABV, PBFD, Polyoma, ein Röntgenbild, Abstriche und Kotprobe auf Chlamydien (Psittacose) beinhalten. Eine Verpaarung kann stressig sein und das Immunsystem beeinträchtigen. Deshalb sollten vorhandene Erkrankungen im Vorfeld erkannt und behandelt werden. Außerdem soll die Verbreitung von Erkrankungen und Krankheitsträgern zwischen Beständen unterbunden werden. Mehr Informationen zu Untersuchungen findest Du in meinem Erste Hilfe Buch.

2. Suche nach einem Partnertier

Bitte nimm wenn irgendmöglich ein Abgabetier auf. Es gibt so viele davon, die dringend ein gutes Zuhause benötigen. Um Vermittlungen von Halter z Halter zu unterstützen habe ich eine Facebook-Plattform errichtet. Informationen hierzu findest Du hier. Alle Tiere auf dieser Plattform werden kostenlos, gegen Erstattung der Tierarztkosten der Übernahmeuntersuchung, vermittelt.
Auch in Foren, in sozialen Netzwerken und in diversen Kleinanzeigen könnt Ihr Abgabetiere finden. Kleinere Papageienarten wie zum Beispiel Wellensittiche, Nymphensittiche und Agaporniden gibt es zudem oft im Tierheim.
Nur zusammen sind Papageien wirklich glücklich

3. Untersuchung des Neuzugangs

Der neue Partnerpapagei oder -sittich sollte, wenn möglich noch bei den Vorbesitzern dieselben Untersuchungen durchlaufen wie Dein Vogel. Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, solltest Du zumindest eine strikte Quarantäne einhalten, bis die Untersuchungsergebnisse da sind. Im Idealfall bringst Du den Neuzugang hierzu bei Familie oder Freunden unter, die keine Papageien oder Sittiche haben. Manche Krankheitserreger sind enorm ansteckend, sodass eine effektive Quarantäne bei Dir Zuhause ganz schwierig durchzuführen ist.

4. Unterbringung

Die Käfiggröße für Deine Tiere sollte mindestens den Anforderungen des Bundesministerium im oben genannten Gutachten entsprechen. Diese Mindestgrösse sollte auf keinen Fall unterschritten werden. Versuche, ein Vogelzimmer einzurichten, wenn Dir das irgendwie möglich ist. Dort können Deine Papageien oder Sittiche sich austoben. Dies reduziert problemverhalten und ist gut für Körper und Seele. Mehr Details zu Käfigen findest Du in meinem Artikel Papageien- und Sittichkäfige – TOP Punkte.

5. Zusammenführung

über die Zusammenführung von Papageien wird viel diskutiert. Ich bin der Ansicht, dass die Tiere am ehesten zueinander finden, wenn sie sich sicher fühlen. So haben die meisten meiner Tiere, die aus jahre- und zum Teil sogar jahrzehntelanger Einzelhaft stammten, sich zum ersten mal gegenseitig gefüttert oder gekrault, wahrend sie auf mir hockten.
Deswegen halte ich auch nichts davon, die Tiere zur Verpaarung abzugeben. Abgesehen von der enormen Gefahr, sich in Vermittlungsstationen Krankheiten einzufangen, ist das Ganze furchtbar stressig für die Tiere. Sie kommen in eine fremde Umgebung, mit fremden Menschen und fremden Artgenossen, sodass sie erst einmal ganz andere Sorgen haben als sich zu verlieben. Dementsprechend dauern Verpaarungsversuche in Vermittlungsstationen oft sehr lange.
Drei Faktoren sind bei einer Verpaarung kriegsentscheidend.

1. Neutrales Territorium

Die Tiere müssen auf einem neutralen Territorium zusammengeführt werden. Setzt man den Neuzugang einfach zum Alttier in den Käfig kann es bitterböse werden. Kämpfe und üble Verletzungen können die Folge sein. Ausserdem sind im Käfig die Fluchtmöglichkeiten sehr begrenzt, sodass die Tiere einander bei Unstimmigkeiten nicht gut ausweichen können.

2. Ausweichmöglichkeiten

Bis die Tiere sich aneinander gewöhnt haben benötigen sie viel Platz, um einander aus dem Weg gehen zu können. Falls kein Vogelzimmer vorhanden ist, sollten erste Verpaarungsversuche deshalb beim Freiflug im Wohnzimmer durchgeführt werden.

3. Stay cool, Baby

Oftmals sind die Besitzer so ängstlich, dass die Tiere sich verletzen könnten, dass sie den Verpaarungsprozess ernsthaft behindern. Zum einen überträgt sich ihre Nervosität auf die Tiere zum anderen können durch unangemessenes Eingreifen kleine Unstimmigkeiten der Tiere zu einem wahrhaftigen Aggressionsproblem verstärkt werden. Solange die Tiere nicht in Gefahr sind, sollten sie die Gelegenheit erhalten sich selbst auszusortieren. Also halte Dich bei der Verpaarung bitte zurück und greife nur ein, wenn tatsächliche Verletzungsgefahr besteht.

Aber jetzt wünsche ich Dir erstmal viel Erfolg bei der Verpaarung Deiner Papageien. Bitte melde Dich, falls Du Hilfe benötigst.

LG,
Ann.