VERHALTEN

Wie hilft die ABC-Analyse bei Problemen mit Papageien & Sittichen?

Wir alle möchten eine tolle Beziehung mit unseren Papageien & Sittichen haben. Doch Problemverhalten wie zum Beispiel Beißen oder Schreien macht uns oft einen fetten Strich durch die Rechnung. Glücklicherweise gibt es Einiges, das wir dagegen unternehmen können. Häufig kann durch die Optimierung der Haltung – unter anderem ein Partnertier, Platz, Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten – das Verhalten unserer gefiederten Mitbewohner deutlich verbessert werden. Das Erlernen einiger Grundübungen mithilfe des Clickertraining kann Problemverhalten sogar ganz abstellen. Das Tier wird durch das Training körperlich und geistig ausgelastet und herausgefordert. Die Kommunikation und Beziehung zwischen Vogel und Halter werden deutlich verbessert. Bei Problemen mit Deinem Papagei oder Sittich, empfehle ich Dir deshalb, mit den beiden oben genannten Maßnahmen zu beginnen.

Wenn das Problemverhalten sich nicht deutlich bessert, obwohl Du die Haltung optimiert hast und mit Deinem Vogel regelmäßig trainierst, dann belohnst Du höchstwahrscheinlich – wenn auch unabsichtlich – das unerwünschte Verhalten. Du kannst grundsätzlich davon ausgehen, dass ein Verhalten, das dauerhaft gezeigt wird, oder sogar stärker wird, in irgendeiner Wiese belohnt wird. Der Trick ist, herauszufinden, wodurch genau das Verhalten des Tieres belohnt wird. Dabei hilft Dir die ABC-Analyse.

Was ist eine ABC-Analyse für Papageien & Sittiche?

Der Begriff der ABC-Analyse kommt aus dem Englischen und steht für Antedecent, Behaviour und Consequence. Auf Deutsch bedeutet dies Auslöser, Verhalten und Konsequenz. Aufgrund eines Auslösers wird ein bestimmtes Verhalten gezeigt. Auf das Verhalten erfolgt eine Konsequenz. Ist die Konsequenz eine Belohnung – in der Fachsprache nennt man dies Verstärker -, wird das Verhalten immer häufiger gezeigt.

Die ABC-Analyse hilft uns dabei, die Auslöser und Verstärker genau zu identifizieren. Dies hilft uns, unerwünschte Verhaltensweisen abzustellen.

Wie entsteht Verhalten?

Das Verhalten eines Vogels wird von klein auf durch verschiedene Faktoren in den Bereichen Umfeld, Aufzucht, Haltung und Umgang geformt, die auf den Vogel einwirken. Ständig werden neue Verhaltensweisen als Anpassung an Änderungen im Umfeld erlernt. Jede Änderung löst eine neue Verhaltensweise aus. Wenn diese für den Vogel positiv war, lernt der Vogel dass diese Verhaltensweise sich für ihn lohnt. Man sagt auch: „Das Verhalten wurde verstärkt“.

Allzuoft stellen die Reaktionen der Halter auf neue Verhaltensweisen ihrer Vögel genau solch eine Verstärkung dar. Zum Beispiel erschreckt sich der Vogel vor etwas und kreischt. Der Halter „beruhigt“ den Vogel, indem er besänftigend mit ihm redet und ihm zum Trost einen Leckerbissen gibt. Der Vogel lernt schnell, dass Kreischen angenehme Aufmerksamkeit und Leckerlis mit sich bringt und zeigt dieses Verhalten häufiger. Trost und Leckerbissen, verstärken also in diesem Fall das Kreischen des Vogels.

Wie kann ich Verhaltensweisen ändern?

Um Verhalten zu ändern, gibt es im Wesentlichen zwei Maßnahmen:

1. Die Auslöser des Verhaltens werden vermieden.
2. Die Verstärker des Verhaltens werden vermieden.

Je nach Verhaltensweise, die wir beeinflussen möchten, müssen wir die Auslöser oder Verstärker der unerwünschten Verhaltensweisen – im Idealfall beide – komplett vermeiden. In unserem Kreischbeispiel könnten wir also im Idealfall vermeiden, dass das Tier erschreckt wird und das Kreischen in jedem Fall komplett ignorieren. Wenn das Tier aber zum Beispiel kreischt, weil Wildvögel am Fenster vorbeifliegen, wird es nicht möglich sein, den Auslöser zu vermeiden. In dem Fall können wir nur mit Vermeiden jeglicher Verstärkung des Verhaltens arbeiten.

Ist das Kreischen bereits als Verhalten erlernt und gefestigt, ist der Auslöser ohnehin irrelevant geworden. Auch in dem Fall können wir nur damit arbeiten, dass sich das Zeigen dieses Verhaltens auf keinen Fall für den Vogel lohnen darf.

Ein anderes Beispiel ist Brutverhalten. In dem Fall funktioniert das Vermeiden von Verstärkungen des Verhaltens gar nicht, da wir keinerlei Kontrolle darüber haben. Das Tier brütet ja schlussendlich nicht, da wir ihm Leckerbissen oder Aufmerksamkeit dafür geben. Aber was in diesem Fall oft funktioniert, ist die Auslöser völlig zu vermeiden. Wenn Papageien & Sittiche zum Beispiel keine Bruthöhle angeboten bekommen, zeigen sie oft kein Brutverhalten.

Auf jeden Fall solltest Du versuchen, möglichst frühzeitig möglichen Problemverhalten entgegenzuwirken. Es ist immer leichter eine Verhaltensweise abzustellen, die sich erst in Ansätzen zeigt, als eine, die bereits intensiv gefestigt wurde.

ABC-Analyse in der Praxis – Das Problemtagebuch

Die Auslöser und Verstärker von Verhaltensweisen kannst Du natürlich nur dann vermeiden, nachdem Du sie identifiziert hast. Da das Umfeld, in dem Verhalten in der Praxis geschieht, meist komplex ist, kann es jedoch schwer sein, festzustellen, was genau das Verhalten ausgelöst und bis zum Problemverhalten verstärkt hat. Hier hilft es, eine ABC-Analyse mithilfe eines Problemtagebuch durchzuführen. So kannst Du die benötigten Informationen gezielt sammeln, zuordnen und auswerten. Schreibe in Dein Problemtagebuch im Detail für jede Situation, in der das Verhalten auftritt, Deine genauen Beobachtungen auf insbesondere im Hinblick auf Auslöser (A), Verhalten (B) und Konsequenz (C).

Auch wenn es mühsam erscheinen mag, alles schriftlich festzuhalten, ist es doch enorm wichtig für eine gute Analyse. Denn schriftliche Notizen helfen, objektiv zu sein und sich an alles zu erinnern. Erfahrungsgemäß passen sich Erinnerungen gerne an die eigenen Erwartungen an und man “vergisst” Einiges. Schriftliche Notizen sind hingegen – zumindest rückblickend – unbestechlich.

Ein Problemtagebuch hilft Dir auch dabei, unterschiedliche aber ähnliche Verhaltensweisen klar voneinander zu trennen. Ein Biss zum Beispiel ist nicht ein Biss, ist nicht ein Biss, wenn die Umstände jedes Mal andere waren. Außerdem helfen schriftliche Aufzeichnungen über einen längeren Zeitraum dabei, Muster in den Verhaltensweisen zu erkennen. Der gewonnene Mehrwert ist den Aufwand wirklich wert.

Hier ist ein Besipiel einiger Einträge in ein Problemtagebuch:

Datum/Uhrzeit
von – bis
Umfeld A: Was geschah unmittelbar vor dem gezeigten Verhalten? B: Genaue Beschreibung des Verhaltens C: Reaktion auf das Verhalten Wie hat der Vogel auf “C” reagiert?
29.12.2009
10:43 – 10:50
Coco saß im Käfig im Wohnzimmer. Wir (Mama, Papa, Oma (zu Besuch), Tim, Tina) waren in der Küche. Papa hat gelacht Coco schrie Mama rief “sei still”, Tina lief zu Coco, um ihm ein Leckerli zu geben, damit er still ist. (Sie hat Angst, dass Coco sonst weggegeben wird) Coco aß seinen Keks und streckte Tina sein Köpfchen zum Kraulen hin


Dieses Problemtagebuch führst Du einige Zeit, bis Du genug Vorfälle gesammelt hast, um wiederkehrende Muster zu entdecken und die Daten sinnvoll analysieren zu können. Du würdest dann zum Beispiel herausfinden, ob Coco nur dann schreit, wenn Papa lacht oder ob er schreit, unabhängig davon, wer lacht. Du würdest sehen, ob Coco nur schreit, wenn er alleine ist, während Ihr alle in einem anderen Raum seid. Du würdest bemerken, ob Coco nur schreit, wenn Besuch da ist und so weiter. Mit diesem Wissen kannst Du Dein Verhaltenstraining mit Coco für einen besseren und schnelleren Trainingserfolg dann ganz gezielt durchführen.

Viel Spaß beim Beobachten,

Deine Ann.

Ps. Falls Du Hilfe beim Umsetzen benötigst, stehe ich Dir gerne im Rahmen einer persönlichen Beratung zur Verfügung.