Ann Castro – Die Vogelschule
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Lebensmittelmotten bei Papageien & Sittichen WP

Lebensmittelmotten

Lebensmittelmotten sind ein leidiges Thema für Papageien- & Sittichhalter. Körner & Nüsse ziehen die Schädlinge magisch an. Was kannst du dagegen tun?

Meine erste Begegnung mit Lebensmittelmotten war vor vielen Jahren in meiner Münchener WG. Charlotte, Verena und ich saßen noch ein wenig verschlafen beim Sonntagmorgenkaffee und bemerkten auf einmal ... grünliche Würmchen an der Decke? Wir trauten unseren Augen nicht. Die ganze Küche war voll davon.

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Lebensmittelmotten überall

Der Apothekenbesuch am Montag brachte Klarheit: Lebensmittelmotten! Die freundliche Apothekerin erklärte uns, dass wir sofort unsere gesamten Vorräte überprüfen müssten. Wir sollten alles Befallene wegwerfen und den Rest in gut verschließenden Behältern unterbringen. Was für eine Arbeit – was für eine Verschwendung! Aber durch rigorose Durchführung der Anweisungen haben wir das Problem in den Griff bekommen.

Bei Papageien- & Sittichhaltern ist dies leider nicht ganz so leicht, da es fast unvermeidbar ist, dass Körner, Nüsse & Co. irgendwo herumfliegen, egal, wie penibel man putzt. Die Futterschalen sind natürlich immer offen und unsere gefiederten Lieblinge haben auch ein unvergleichliches Talent dafür Futterreste in die hintersten Ecken zu schnicken. Deshalb sind wir Vogelhalter besonders gefährdet, ein Problem mit diesen Plagegeistern zu bekommen.

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Was sind Lebensmittelmotten?

Es gibt fünf Arten von Lebensmittelmotten, von denen drei hauptsächlich in der Wohnung auftreten. Diese sind Dörrobst-, Mehl- und Getreidemotten. Mit Abstand am häufigsten sieht man die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella).

Aussehen

Diese drei Lebensmittelmottenarten sehen einander recht ähnlich und erinnern an Nachtfalter mit ihrer braun-grau-beigen Färbung. Die Flügel sind dabei nicht einfarbig, sondern weisen markante Muster auf. Von der Größe her sind sie mit ungefähr einem Zentimeter deutlich kleiner als die meisten Nachtfalter. Außerdem treten sie auffällig gehäuft auf, während man Nachtfalter eher vereinzelt sieht. Die Larven sind weißlich-beige, manchmal auch ein bisschen ins grünliche verfärbt. Auch sie werden ungefähr einen Zentimeter groß.

Lebensmittelmotten P-2
Lebensmittelmotten Pasta

Ernährung

Motten und Larven fühlen sich pudelwohl in stärkehaltigen Lebensmitteln, wie Reis, Nudeln, Nüssen, Körnerfutter, aber auch in Schokolade. Dort finden sie mehr als genug Nahrung und vermehren sich rasant. Dabei fressen die erwachsenen Motten gar nicht. Ihre Hauptaufgabe ist die Vermehrung. Ihre Lebenszeit beträgt auch nur zwei bis drei Wochen.

Vermehrung

Nach der Verpaarung sucht das Weibchen einen geeigneten Ort, um ihre bis zu zweihundert Eier abzulegen. Dabei hilft ihr ausgezeichneter Geruchssinn. Motten können Artgenossen und Nahrungsstoffe über Kilometer weit riechen. Die Eiablage erfolgt dann direkt in die Lebensmittel oder in unmittelbarer Nähe dazu. 

Verpackung ist keine Barriere für Lebensmittelmotten 

Häufig werden die klebrigen Eier außen auf die Verpackung von Lebensmitteln abgelegt. Die gefräßigen Larven fressen sich nach dem Schlupf einfach durch die Verpackung durch, um an die Lebensmittel zu kommen. Plastik und Pappe sind für sie kein Hindernis.

Je nach Umgebungstemperatur beginnen die Larven sich nach vierzig bis fünfundsiebzig Tagen zu verpuppen. Bevorzugt sind dafür Ecken in Schubladen und Schränken aber auch dort, wo die Wand an die Zimmerdecke stößt. Man kann dann manchmal die Larven die Wände hoch kriechen sehen. Die neuen Falter schlüpfen nur zehn Tage nach der Verpuppung und der Zyklus geht von neuem los.

Wieso sind Lebensmittelmotten schädlich?

Ein Befall durch Lebensmittelmotten ist nicht nur unappetitlich, sondern sogar gesundheitsgefährdend. Die Flügelteile der Motten können Hautreizungen oder Allergien verursachen. Die Larven zerfressen und koten in die befallenen Lebensmittel. In diesem Kot können Milben und verschiedene Pilze wachsen. Außerdem können Lebensmittelmotten und deren Larven Mikroorganismen übertragen, die unsere Lebensmittel vorzeitig verderben lassen oder sogar Krankheiten verursachen.

Der Verzehr von befallenen Lebensmitteln kann zu allergischen Reaktionen, Schleimhautreizungen und Darmerkrankungen führen. Deshalb dürfen solche Lebensmittel nicht mehr verzehrt werden. Der Tipp, befallene Lebensmittel einzufrieren, tötet zwar Motten und Maden ab, sodass sie sich nicht weiter vermehren können, aber es macht die Lebensmittel nicht genussfähig. Wegwerfen musst du die Sachen also leider trotzdem.

Woher kommen Lebensmittelmotten?

Oft schleppt man sich Lebensmittelmotten mit stärkehaltigen Lebensmitteln direkt vom Händler ins Haus ein. Handelsübliche Verpackungsfolien oder gar Pappschachteln bilden keine wirksame Barriere, sodass die Tierchen sich bereits in noch geschlossenen Verpackungen tummeln. Auch von draußen gelangen Lebensmittelmotten ins Haus. Bei entsprechendem Nahrungsangebot oder anderen Verlockungen, wie zum Beispiel Pheromonfallen, können Lebensmittelmotten auch durch offene und ungesicherte Fenster ins Haus gelangen.

Wie vermeide ich Lebensmittelmotten?

Das Lebensmittelmottenproblem vermeidest du natürlich am besten dadurch, dass du sie gar nicht erst in dein Zuhause holst. Dazu sollte wirklich jede Packung, die stärkehaltige Nahrungsmittel enthält, von dir kontrolliert werden. In Klarsichttüten verpackte Produkte können recht gut überprüft werden. Du kannst durch die Verpackung sehen, ob die Nahrungsmittel frei rieseln oder klumpen. Manchmal kannst du sogar schon die Motten oder Larven in der Tüte sehen.

Wenn die Nahrungsmittel an der Verpackung „kleben“ oder wenn spinnwebenartige Gebilde in der Packung zu sehen sind, dann ist diese von Lebensmittelmotten befallen. Deshalb solltest du sie sofort ungeöffnet in deiner Mülltonne außerhalb der Wohnung entsorgen.

Pappschachteln sind schwieriger zu kontrollieren. Am besten öffnest du diese sofort nach dem Kauf und füllst den Inhalt in fest schließende Einmachgläser oder ähnliches um. Oft sitzen die Motten und Larven am Boden einer solchen Schachtel. Deshalb ist es keine gute Idee, die Schachtel nur zu öffnen und oben reinzuschauen. Du musst den Inhalt unbedingt umfüllen, um sehen zu können, was weiter unten in der Packung los ist.

Eine weitere Möglichkeit, sich Lebensmittelmotten ins Haus zu holen sind offene Fenster. Hier hilft nur der Schutz durch Insektengitter.

Probleme mit Lebensmittelmotten treten besonders häufig auf, wenn Lebensmittel zu lange oder nicht richtig gelagert werden. Am besten ist es, nur kleine Mengen Lebensmittel einzukaufen und diese in gut verschließbaren Behältern zu lagern.

Wie werde ich Lebensmittelmotten wieder los?

Wenn du dir trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Lebensmittelmotten eingefangen hast, musst du sie natürlich wieder loswerden, damit sie dir nicht deine ganzen Vorräte zerstören. Als Papageien- & Sittichhalter kannst du natürlich keine Insektizide anwenden. Zu groß ist die Gefahr für Eure Vögel.

Pheromonfallen

Pheromonfallen sind leider auch nicht sehr zweckdienlich. Sie dienen allein der Kontrolle und sind kein effektives Bekämpfungsmittel. Es werden nur Männchen gefangen, die Weibchen legen weiterhin Eier ab. Zwar kommt es durch das Wegfangen der paarungsbereiten Männchen zu einer Reduktion der Mottenpopulation, ausmerzen kannst du sie so jedoch leider nicht. Außerdem kannst du, wenn du Pech hast, durch die Pheromone sogar Motten von draußen in dein Zuhause locken.

Befallene Vorräte entsorgen - frische Vorräte schützen

Die allererste Maßnahme, wenn du bemerkst, dass du Lebensmittelmotten im Haus hast, ist alle Vorräte zu kontrollieren. Schmeiße rigoros alles Befallene weg und zwar in deine Mülltonne draußen und nicht etwa in deinen Küchenmülleimer. In dem könnten sie sich nämlich unproblematisch weiter vermehren. Die nicht befallenen Lebensmittel musst du ausnahmslos in dicht schließenden Behältern unterbringen. Gut dafür sind Einmachgläser oder Tupper-Dosen. Blechdosen schließen leider oft nicht dicht genug und auch unter lose aufliegende Deckel können die Biester problemlos durchklettern.

Grundreinigung

Ist alles gut verpackt, geht es an die Grundreinigung Eurer Küche. Ihr müsst sämtliche Vorratsschränke gründlich reinigen. Bedenkt dabei, dass Lebensmittelmotten und -maden in kleinste Ritzen krabbeln können und dass oft auch hinter Küchenschränken kuschelige und nährreiche Plätze für sie vorzufinden sind. Jeder, der einmal mit Küche umgezogen ist, weiß, dass sich hinter Küchenschränken trotz aller Sorgfalt und Sauberkeit ein Haufen Dreck ansammelt. ​

Ritzen und die kleinen Löcher, in die die Halter für die Regalbretter eingesteckt werden können, lassen sich leider sehr schlecht auswaschen. Angeblich soll es helfen, diese mit Heißluft mittels eines Föhns zu bearbeiten. Das ist zumindest einen Versuch wert. Ein Trick von der Oma ist es, Schalen mit Olivenöl auszustellen. Die Motten sollen darin „baden“ und verenden. Das hat bei mir zuhause allerdings überhaupt nicht funktioniert.

Schlupfwespen

Falls all diese Maßnahmen nicht ausreichend waren, um des Problems Herr zu werden, gibt es noch die Geheimwaffe Schlupfwespen. Sie sind winzig, kleiner als einen halben Millimeter, sodass man sie selbst gar nicht bemerkt. Sie vermehren sich, indem sie ihre Eier in die Lebensmittelmotteneier ablegen: Diese werden von den Schlupfwespenlarven aufgefressen und so abgetötet. Sind irgendwann alle Motten vernichtet, verschwinden die Schlupfwespen, da sie keine Nahrung mehr finden und werden nicht etwa selber zur Plage. Netter Nebeneffekt: Sie wirken auch auf Kleidermotten.

Achtung: Da es immer die verschiedenen Lebenszyklen (Ei, Larve, Motte) parallel gibt, musst du die Behandlung mit Schlupfwespen mindestens drei mal im Abstand von zwei Wochen durchführen. Nur so kannst du sicher sein, dass du alle – auch Nachzügler – erwischt hast. Viele Internetversender (in Österreich: klick) berücksichtigen dies und schicken dir die, leider nicht ganz billigen, Schlupfwespen im Dreierabo. Wie du siehst, ist es ganz schön aufwendig, Lebensmittelmotten wieder loszuwerden. Deshalb solltest du lieber im Vorfeld besonders gut aufpassen. Das spart dir einige Scherereien im Nachhinein.

Ich hoffe, du findest diesen Artikel interessant und hilfreich!

Lerne viel, hab' Spaß und genieße dein Leben mit deinen Gefiederten. 

Ann "Motten, ugh!"  Castro. ❤️😀

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

Ann Castro

Die Autorin

Hast du ein Problem mit ängstlichen, beißenden oder schreienden Papageien & Sittichen?
Seit 2001 helfe ich Haltern ein besseres Leben mit ihren Papageien & Sittichen zu führen. Ich kann auch dir helfen!
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