Ann Castro – Die Vogelschule
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Fundvögel – rechtliche Erwägungen

Papageien und Sittiche entfliegen immer wieder. Nun geschieht glücklicherweise nicht immer nur das Unglück, dass ein eigener Vogel entfliegt. So manchem Papageienhalter sind auch schon Vögel zugeflogen – vielleicht angelockt durch die Lautgebungen der eigenen Tiere. Der eine oder andere hat auch schon mal einen Wildvogel gefunden. Welche rechtlichen Vorgaben in einem solchen Fall in unsere Erwägungen bezüglich der richtigen Vorgehensweisen einfließen sollten, erläutert Rechtsanwalt Dr. Olaf Fischer in seinem Artikel.

Papageien sind Fundsachen

Fliegt Euch ein Papagei zu oder könnt Ihr ihn aus misslicher Situation retten, dürft Ihr ihn nicht einfach behalten. Nach deutschem Recht habt Ihr einen Fund gemacht. Wenn es sich nicht um einen Wildvogel handelt, besteht aus rechtlicher Sicht kein Unterschied zwischen einer in der S-Bahn gefundenen Geldbörse und einem zugeflogenen Papagei. Es gilt das deutsche Fundrecht (§§ 965 -984 BGB). Die Regeln bzgl. Wildvögel sind in einem separaten Beitrag beschrieben.

Eigentümer ermitteln

Nach den Vorschriften des deutschen Fundrechts gehören zugelaufene oder aufgegriffene Tiere nicht automatisch dem Finder. Ihr müsst also vielmehr den Eigentümer finden und diesem unverzüglich eine Mitteilung machen. Den Eigentümer ermittelt Ihr am einfachsten, indem Ihr die Ringnummer ablest und den Sachverhalt beim zuständigen Amtstierarzt unter Angabe der Ringnummer meldet. Den Rest sollte – so die behördlichen Vorgaben – der Amtstierarzt übernehmen.

Wenn Euch das zu lange dauert oder zu umständlich ist, könnt Ihr Euch an die Organisation “Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe” (kurz ZZF genannt) wenden. Diese betreibt einen bundesweiten Vogelsuchdienst. Die Ringnummern aller entflogenen und zugeflogenen Vögel werden in einer zentralen Datenbank gespeichert. Und bei Übereinstimmung der Nummern eines als verloren bzw. gefunden gemeldeten Vogels wird der Besitzer benachrichtigt. Ist Euch der eigene Vogel entflogen, solltet Ihr die Ringnummer unbedingt bei dieser Stelle angeben. Die Kontaktdaten der ZZF-Ringstelle lauten: ZZF-Ringstelle, “Suchdienst”, Postfach 1420, 63204 Langen, E-Mail ringstelle@zzf.de, Tel. 06103/9107-24.

Hat das Tier keinen Ring, ist es möglicherweise gechipt. Mittels eines Lesegerätes, über das normalerweise Tierärzte und Tierheime verfügen, könnt Ihr die Chipnummer ermitteln. Doch Achtung, nicht jedes Lesegerät kann jeden Chip lesen. Gegebenenfalls müsst Ihr es mit verschiedenen Lesegeräten versuchen. Anhand der Ring- oder Chipnummer könnt Ihr von Eurem Amtstierarzt die Kontaktdaten des Eigentümers ermitteln lassen.

Eigentümer kontaktieren

Nachdem Ihr die Kontaktdaten somit erhalten habt, müsst ihr diese unverzüglich zur Kontaktaufnahme nutzen. Lasst Ihr Euch hier zuviel Zeit (zwei Tage sind schon grenzwertig, längeres Zuwarten ist nicht gerechtfertigt), macht Ihr Euch womöglich haft- und strafbar. Der vom Gesetzgeber eigentlich vorgesehene und viel risikolosere Weg ist die oben erwähnte Mitteilung beim Amtstierarzt. Dieser sollte das Tier sofort übernehmen und sich um die Kontaktaufnahme zu dem Eigentümer kümmern. Auch wenn Euch dies hart vorkommen mag, bedenkt, wie Ihr Euch fühlen würdet, wenn eines Eurer Tiere entflogen wäre. Vielleicht vermisst auch ein Partnertier den von Euch gefundenen Vogel.

Verwahrung des gefundenen Tieres

Solltet Ihr das Tier vorerst behalten wollen, müsste sich der Amtstierarzt nach den gesetzlichen Vorgaben nach wenigen Tagen bei Euch informieren, ob das Tier zu seinem ursprünglichen Besitzer zurückgelangte, oder es einfordern. Passiert dies, habt Ihr leider kein Recht, die Herausgabe zu verweigern. Der Amtstierarzt wird das Tier dann in einer behördlichen Tiersammelstelle bzw. in einem örtlichen Tierheim unterbringen.

Häufig ist es auch möglich, den Vogel erst einmal „in Pflege“ zu nehmen. Sprecht mit dem Amtstierarzt und dem Leiter des aufnehmenden Tierheims. Die Tierheime sind häufig überbelegt und für jede Entlastung dankbar. Vor einer solchen Entscheidung solltet Ihr jedoch unbedingt überdenken, ob Ihr dem Tier gerecht werden und ertragen könnt, dass Ihr das Tier nach Wochen oder gar Monaten der Pflege wieder herausgeben müsst, wenn der Eigentümer dies fordert. Bedenkt auch, dass Ihr mit einem Fundtier, genauso wie mit jedem anderen Papagei, Krankheiten in Euren Bestand einschleppen könnt. Eine Übernahmeuntersuchung durch einen erfahrenen vogelkundigen Tierarzt sowie eine Quarantäne sind also auch für einen Pflegevogel unabdingbar. Dies ist ein ziemlicher Aufwand für ein Tier, das möglicherweise nur kurz bei Euch verweilt.

Sechsmonatige Wartefrist

Der rechtmäßige Eigentümer des Fundtieres hat ein sechs Monate lang – beginnend mit der Anzeige des Fundes bei der zuständigen Behörde – währendes Anrecht auf die Rückgabe seines Tieres. Er muss hierzu in geeigneter Weise (Kaufvertrag, Zuchtpapiere, Zeugen) belegen, dass ihm der Vogel gehört. Nach Ablauf der Frist gilt das Tier als herrenlos. Hat der Finder (sinnvollerweise schon bei Abgabe des Tieres beim Amtstierarzt oder Tierheim) seine Kontaktdaten hinterlassen und darauf aufmerksam gemacht, dass er das Tier nach Ablauf der Frist übernehmen möchte, erwirbt er (kostenlos) das Eigentum. Die Erfahrung lehrt, dass die Rückholung in aller Regel im ersten Monat passiert. Ein Eigentümer kümmert sich meist entweder intensiv um die Wiedererlangung seines Tieres und wird dann wahrscheinlich fündig, oder die Bemühungen lassen bereits nach ein paar Tagen nach und fruchten später nicht mehr.

Der Eigentümer reagiert nicht

Erreicht Ihr den Eigentümer trotz gehöriger Bemühungen auf den üblichen Kommunikationswegen (Telefon, E-mail, Fax, Brief) nicht oder reagiert er auf Eure Kontaktaufnahmeversuche nicht in angemessener Frist (drei Wochen sollten hinreichen), habt Ihr die Pflicht, dies dem Amtstierarzt zu melden. Reagiert auch dieser innerhalb von drei Wochen nicht, steht Ihr im rechtsleeren Raum. Das Gesetz regelt eine solche Situation nicht, denn es geht davon aus, dass der Amtstierarzt seinen gesetzlichen Pflichten nachkommt. Mitunter lehrt die von den Amtstierärzten geübte Praxis jedoch anderes. Wie dem auch sei, auch in diesem Fall gilt: Ist die sechsmonatige Wartefrist abgelaufen, erwirbt der Finder das Eigentum am Tier, ohne dass es einer weiteren Anzeige bedarf.

Der Eigentümer möchte den Vogel nicht mehr

Hat der ermittelte Eigentümer dagegen auf sein Eigentum am Vogel – wirksam und beweisbar, also möglichst schriftlich (Die Aussagen von bei einem Telefonat mithörenden Dritten sind vor Gericht wegen der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses nicht verwertbar, wenn dieses Mithören nicht zuvor angekündigt worden ist) – verzichtet, steht einem Eigentumserwerb durch den Finder nichts mehr im Wege. Auch hier sollte aber gut abgewogen werden, ob Ihr dem Tier gerecht werden könnt und die nötige Zeit und die erforderlichen Möglichkeiten habt, es artgerecht zu halten. Wer bereits Vögel hat, sollte das gefundene Tier natürlich zunächst in Quarantäne halten und vor Einbringung in den Schwarm gründlich vom Tierarzt auf ansteckende Krankheiten untersuchen lassen.

Weder der Eigentümer noch der Finder wollen das Tier

Wenn der Eigentümer sein Tier nicht wieder haben möchte und auch Ihr es nicht behalten oder vermitteln könnt, dann solltet Ihr dies dem Amtstierarzt mitteilen und ihn bitten, es abzuholen oder abholen zu lassen. Der Vogel kommt dann in der Regel in eine Tierauffangstation und man wird dort versuchen, es an einen neuen Halter zu vermitteln.

Der Eigentümer möchte das Tier zurück

Natürlich müsst Ihr den Vogel an den rechtmäßigen Halter zurückgeben. Aber auf einen Punkt will ich Euch besonders hinweisen: es ist offensichtlich eine viel geübte Masche von Trickbetrügern, auf Suchanzeigen von Findern zu reagieren und sich als angebliche Besitzer auszugeben, um die Tiere in ihren Besitz zu bringen und anschließend zu verkauft. Je wertvoller das Tier, um so sorgfältiger solltet Ihr auf den Nachweis der Halterstellung achten. Gebt Ihr das Tier an den falschen Halter raus, fügt Ihr nicht nur dem Tier und dem richtigen Halter Schaden zu, Ihr macht Euch auch selbst haftbar und müsst den Wert des Tieres an den (richtigen) Halter bezahlen, wenn ihr das Tier an den Betrüger rausgegeben habt. Das können schnell einige Hundert oder tausend Euro sein, für die Ihr da zu haften habt.

Der übliche Weg, den Nachweis einer Inhaberschaft zu führen, ist die Vorlage der Papiere des Vogels, dort findet sich auch die Ring- oder die Chip-Nummer. Hat der angebliche Halter weder einen Kaufvertrag, noch eine Ringnummer, ist das extrem verdächtig. Dann sollte mindestens ein Anruf bei der zuständigen Meldebehörde erfolgen, denn zumindest die Haltung von größeren Papageien muss angezeigt werden. Die Behörde kann bestätigen, dass unter der Adresse des Halters ein Vogel der Art des gefundenen gehalten wird. Bei Wellis funktioniert das übrigens nicht, weil hier keine Meldepflicht besteht. Außerdem solltet Ihr immer den Personalausweis des Halters kopieren (Vorder- und Rückseite bitte), um später noch die Identität belegen zu können. Akzeptabel ist auch die Vorlage von Bildern, wenn das Tier dadurch eindeutig erkennbar ist. Wer sichergehen will, einen Vogel eindeutig und unzweifelhaft zu identifizieren, der sollte Großaufnahmen der Füße der Tiere verlangen, denn die Schuppen am Unterschenkel und Fuß eines Vogels sind so unverwechselbar angeordnet, wie die Linien unserer Finger. Es gibt keine zwei Tiere auf dieser Welt, die die vollständig identischen Schuppenanordnungen aufweisen.

Wenn Ihr Zweifel habt, gebt das Tier bitte nicht raus. Der zuständige Amtstierarzt ist zu informieren und dieser hat die Identität zu klären und das Risiko der falschen Identität zu tragen, sonst haftet Ihr persönlich. Achtet bitte darauf, dass gerade solche Betrüger darauf aus und darin geschult sind, die ehrlichen Finder zu manipulieren und Vertrauen zu schaffen. Vor solchen zigfach geübten Manipulationen kann sich keiner von uns schützen. Also lasst Euch nicht beschwatzen, auch im eigenen Interesse und verlangt konkrete Beweise. Kopiert diese Beweise bitte auch.

Wer übernimmt welche Kosten?

Macht der Eigentümer seinen Anspruch auf Rückgabe des Vogels innerhalb der Frist geltend, steht dem Finder der Ersatz jener Aufwendungen, die er zum Zwecke der Verwahrung und dem Erhalt des Tieres oder zur Ermittlung des Halters für erforderlich halten durfte, zu. Damit muss der Eigentümer zum Beispiel die Telefonkosten ersetzen, die notwendig waren, um ihn zu kontaktieren sowie die Tierarztkosten, soweit das Tier tatsächlich krank war. Aber aufpassen, in der Regel entscheidet der Amtstierarzt, der zu benachrichtigen ist, ob ein Tier behandelt werden muss oder nicht. Also solltet Ihr zumindest versuchen, mit ihm zu besprechen, was nötig ist. Meist sind Amtstierärzte nämlich nicht papageienkundig. Die Kosten für die Vorsorgeuntersuchungen sind demnach leider nicht erstattungspflichtig. Als Finder habt Ihr allerdings Anspruch auf einen Finderlohn. Dieser beträgt 3 Prozent vom Wert des gefundenen Tieres. Dieser ist im Streitfall zu schätzen.

Wenn Ihr das Tier behalten wollt

Habt Ihr Euch für den Behalt des Tieres entschieden, müsst Ihr Euch um die Änderung der Informationen, die über Chip- oder Ringnummer zu ermitteln sind, bemühen. Das Tier muss also auf Euch umgemeldet werden. Hier gelten die jeweiligen Regeln, die bei der Anschaffung von Ziervögeln zu beachten sind.

Author: Dr. iur. Olaf Fischer, 2009

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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