Ann Castro – Die Vogelschule
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Lymington-Foundation | Miras Geschichte

Anbei möchte ich eine E-Mail mit Euch teilen, die mich sehr berührt hat: So ein Elend – so viel Leid! Die E-Mail hat mir Linda Wittkoff von der Lymington-Foundation geschickt. Bitte entschuldigt den etwas holprigen Stil, aber ich wollte die E-Mail so wortgetreu wie möglich übersetzen.

Eure,
Ann.


Liebe Ann!

Mira ist ein Beispiel für den Umgang von brasilianischen Wilderern mit Vögeln.

Als Mira gerade gerettet worden war, besuchten wir zufällig das behördliche Auffanglager. Wir waren entsetzt über die Anzahl und den Zustand der Vögel, die von Wilderern konfisziert worden waren. Überall standen Kisten und Boxen voller nackter und verhungernder Papageienbabys. Viele davon waren Blaustirnamazonen. Man versuchte, so viele Tiere wie möglich zu retten. Aber die meisten starben. Es waren einfach zu viele für die paar Mitarbeiter, größtenteils Biologie- und Zoologiestudenten mit wenig Erfahrung bezüglich Küken, um sie alle mit der Hand aufziehen zu können.

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Wilderer und ihre Beute

Der Tierarzt, der zu dem Zeitpunkt unsere Tiere betreute, war der Cheftierarzt dieser Anlage. Deshalb habe ich eine ziemlich klare Vorstellung über die Probleme, mit denen diejenigen kämpfen, die versuchen den illegalen Handel mit Vögeln zu unterbinden sowie den Mangel an Fazilitäten und Helfern, um die Vögel zu retten und zu rehabilitieren.

Dann ist natürlich auch das Problem wohin mit den ganzen Tieren. Viele werden an reiche Sammler weitervermittelt (autorisiert durch IBAMA). Aber meiner Meinung nach liegt vielen dieser Sammler nicht wirklich was an den Tieren. Sie wollen definitiv keine Problemtiere, wie z.B. Rupfer. Und unter den autorisierten Züchtern dieses Landes kenne ich nur wenige, die diese Tiere wirklich angemessen halten, mit ausreichend Platz, Beschäftigung und einer vernünftigen Ernährung. Die meisten halten die Tiere in kleinen Käfigen, die in Reihen aufgebaut sind, sodass sie leicht mit einem Futterwagen versorgt werden können. In den Käfigen befinden sich lediglich Sitzstangen und eine Nistbox.

Die Tatsache, dass Papageien außerordentlich intelligent sind, scheint kaum jemanden zu interessieren, außer die Leute, die einen Papagei – meist illegal – als Haustier halten. Es kommt oft vor, dass ein solches Tier selbst nach Jahren in einer Familie vom IBAMA beschlagnahmt wird, nur um anschließend bei einem dieser autorisierten Züchter, Sammler oder – falls diese das Tier nicht wollen – in einer überfüllten Auffangstation zu landen. Es gibt ein paar Auswilderungsprogramme, z.B. für Blaustirnamazonen, Gelbbrustaras und Cactus Conures, aber da kann ich im Moment nicht viel zu sagen.

Miras Geschichte

Wie dem auch sei, zurück zu Mira. Sie war der einzige hellrote Ara während meiner Besichtigung des Auffanglagers und sie sah einfach pathetisch aus.

Mira war im Norden Brasiliens aus ihrem Nest geraubt und zusammen mit einem anderen hellroten Araküken in eine PVC-Röhre gesteckt worden, um sie während des Transportes zu verstecken. So sollte sie zum Verkauf mehr als 2000km weit in den Süden des Landes geschmuggelt werden. Der Wilderer wurde jedoch von der Polizei erwischt, und die beschlagnahmten Tiere wurden zur Auffangstation gebracht, wo die PVC-Röhre aufgeschnitten wurde. Nur eines der Küken lebte noch.

Mira hat diese Reise irgendwie lebend überstanden, war aber in der Röhre weiter gewachsen. Deshalb war sie an mehreren Stellen regelrecht zerdrückt und hatte sieben verschiedene Knochenbrüche. Ihre Wirbelsäule ist stark gekrümmt, die Flügel geschädigt. Ihr schlimmstes Problem sind aber ihre Beine und Füße, die zertrümmert waren und immer noch fast flach gequetscht sind. Allen Bemühungen zum trotz wollte sich Ihr Zustand einfach nicht bessern. Die Operation war nur ein Teilerfolg, sie aß fast nichts und ihre Versorgung erforderte viel Zeit, die den Helfern des Auffanglagers einfach nicht zur Verfügung stand. Deshalb waren sich die Tierärzte unschlüssig, ob sie weiter versuchen sollten, Mira zu retten. Ich bin heute davon überzeugt, dass mein Tierarzt mich nur aus einem Grund eingeladen hatte: Er hoffte, dass ich Mira mit nach Hause nehmen würde.

Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Füße noch in Bandagen und nur teilweise verheilt. Sie wog ungefähr 400g obwohl sie schon sechs Monate alt war. Mira war furchtbar schwach, schaffte es aber zumindest noch, ihre Verbände abzunagen. Das Auffanglager hatte Hunderte von Vögeln und andere Tiere, um die die Helfer sich kümmern mussten. Also wurde ich gefragt, ob ich sie nehmen könnte und die Zeit für sie hätte, die sie so dringend benötigte. Da sie so gut wie gar nicht selbstständig fraß, hatte ich die Idee, sie wie ein Nestjunges zu behandeln. Ich pürierte ihr Futter im Mixer und fütterte sie mit einer Spritze. Da sie weder laufen noch klettern konnte, machte ich ihr eine Art Nest in einem Laufgitter im Schlafzimmer. Es dauerte vier Monate bis sie festes Futter zu sich nehmen und wenigstens ein bisschen watscheln konnte.

Mira heute

Derzeit ist Mira seit etwa fünf Jahren bei mir. Sie hat in der Zeit viel gelernt, trotz ihrer Behinderungen: Sie kann zehn Meter bergab fliegen, wenn man sie in die Luft wirft. Richtig landen kann sie mit ihren verkrüppelten Beinen und Füßen nicht, aber sie landet weich in einem ausladenden Wacholder-Busch. Es ist die beste Möglichkeit, die wir gefunden haben, ihr wenigstens etwas richtige Bewegung zu ermöglichen. (Anmerkung: Gemeinsame Freunde, die Linda und Bill besucht haben, berichten, dass es eine Freude ist, Miras glücklichen Gesichtsausdruck nach jeder Flugübung zu sehen.) Sie ist in der Lage, sich an Draht festzuhalten und daran herumzuhangeln.

Am liebsten sitzt sie in ihrem Weidenkorb, der hoch auf unserer Veranda hängt. Von dort nimmt sie an allem Teil und hat am meisten Spaß, wenn wir Besuch bekommen. Sie weiß, wie sie sich am besten unter einem Wasserhahn dreht und wendet, um dort gewaschen zu werden, wo sie möchte, da sie nicht in der Lage ist ihren unteren Körper selbst zu pflegen. Sie ist sehr kommunikativ, hat gelernt ein paar Worte zu benutzen und schafft es, ihre Wünsche deutlich zu kommunizieren. Wenn ich beim Handhaben von ihr unvorsichtig bin, kneift sie auch gerne mal zu, da manche Teile ihres Körpers aufgrund der Verletzungen noch immer sehr empfindlich sind. Sie akzeptiert andere Menschen nur schwer, wenn sie nicht wirklich geübt im Umgang mit Papageien sind, und sie kann dann auch sehr fest zubeißen.

Auf der anderen Seite ist Mira unendlich zart und zuverlässig im Umgang mit unseren anderen Vögeln, mit denen sie ein Zimmer teilt. Sie muss niemals im Käfig bleiben, dessen Tür immer offen ist. Wenn sie nachmittags hineingebracht wird, bekommt sie oft Besuch von unserem Pärchen roter Loris, die auch ungestört von Miras Futter naschen dürfen.

Ihre wahre Berufung hat Mira jedoch in unserem Aufzuchtprogramm gefunden. Sie kümmert sich rührend um unsere Hyazintharaküken und hilft bei der Sozialisierung von Jungtieren, die in der Brutmaschine geschlüpft sind. Sie werden im Alter von ungefähr sechzig Tagen zu Mira gesetzt, und obwohl sie noch eine lange Zeit weiter von Hand gefüttert werden müssen, werden sie ohne jeglichen Stress futterfest, indem sie Mira beim Essen nachahmen. Sie ist immer sehr liebvoll mit den Küken, bringt ihnen die gegenseitige Federpflege bei und zeigt ihnen, wie man spielt. Solche Küken sind viel besser adjustiert, und natürlich spart es mir auch viel Arbeit.

Heute wiegt Mira etwa 840g und sieht auf den ersten Blick aus wie ein normaler hellroter Ara, zumindest, solange man sie nicht von unten anschaut. Aus der Sicht sind ihre Verletzungen noch immer offensichtlich. Ein Problem ist jedoch ihre Figur. Wir müssen wirklich aufpassen, dass sie nicht zu dick wird. Dafür ist ihr Gefieder einwandfrei. Falls wir aber aus irgendeinem Grund ihr tägliches Sportprogramm verpassen, ist sie allerdings den ganzen nächsten Tag zickig drauf.

Anbei schicke ich Dir auch ein paar Bilder. Denk bitte daran, dass die ersten Bilder erst gemacht wurden, als sie schon zwei bis drei Monate bei uns war. Ich denke, Du kannst Dir sicherlich vorstellen, wie sie vorher aussah.

Linda

Übersetzung: Ann Castro

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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