Ann Castro – Die Vogelschule
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Mit der kleinen Grauen beim Tierarzt

10. September, 2011

Heute war es dann soweit. Ein Besuch bei meinen vogelkundigen Tierärzten war für die kleine Graupapageienhenne angeagt.

Gestern hatte ich noch zur Koordination mit der Besitzerin gesprochen. Sie würde mit der Kleinen um 9:00 bei mir sein. Obwohl der Vogel kerngesund sei und eine Untersuchung ja gar nicht nötig wäre. Ich habe ihr noch einmal erklärt, dass Papageien als Beutetiere ihre Erkrankungen so lange es irgendwie geht verbergen und dass ich noch nie einen Papagei aufgenommen habe, der nicht für irgendwas behandelt werden müsste.

9:00 kam und 9:00 ging. Dann klingelte das Telefon – sie hatten sich ganz furchtbar verfahren. Nach Wegerklärung und weil es schon so spät wahr, machten wir ab, dass ich Ihnen entgegen fahren würde. Als ich am Parkplatz ankam, standen sie dann auch schon da. Im Auto eine relativ große Transportbox mit einem sehr schmächtigen Vögelchen. Darin eine ausgefranste Decke. Ihr Füßchen hatte die Kleine hoffnungslos in den Fransen verheddert. Im Geischt war sie auch schon klatschblau vor lauter Stress und vermutlich auch wegen ihres Gesundheitszustandes. Au weia.

Ich nahm die Box erstmal in mein Auto, damit ich ihr Füßchen befreien konnte. Vorsichtig öffnete ich das Türchen und verabschiedete mich schonmal von meinen heilen Händen. Dass sie in Panik war, war klar. Dass ich gebissen werden würde eigentlich auch. Eigentlich. Es stellte sich heraus, dass sie ganz lieb war, obwohl ich furchtbar an ihrem Füßchen herumfummeln musste, um sie zu befreien. Leider wirkte sie aber sehr kippelig. Ich bekam schon Angst, dass sie mir beim Tierarzt umkippen würde. Aber zum Tierarzt musste sie. Jetzt erst recht.

Also verabschiedete ich mich schnell und wir vereinbarten die Rückgabe des Tieres nach dem Tierarztbesuch. Sie soll bis die Testergebnisse da sind weiterhin bei der alten Dame in Quarantäne wohnen. Dann hieß es losdüsen, um es noch rechtzeitig nach Rodgau zu schaffen. Ach ja – “wie heißt sie denn überhaupt?”

“Pippi”

“Pippi???”

“Ja, wie Pippi Langstrumpf”.

Öhöm… ich will ihren Namen ja verwenden. Und eigentlich hieß Pippi ja Pippilotta oder so ähnlich. Ich glaube wir haben hier och eine Umtaufung vor uns. Lotte oder Lotta oder so. Mal schaun. Aber Pippi kann ich sie einfach nicht nennen.

Bei der Tierärztin angekommen, holte ich Lottchen dann aus der Box. Sie war ganz zutraulich und kletterte sofort auf meine Schulter, schwupps das Köpfchen runter und es durfte gekrault werden. Die Untersuchungen selbst fand sie nicht so klasse und wir auch nicht. Die Kleine ist schon ziemlich schlecht drauf. Furchtbar wackelig auf den Beinen. Beim Kropf-Abstrich war der Tupfer sofort blutig, was ja eigentlich nicht passieren darf. Herz vergrößert, Arterien verkalkt und irgendwas stimmt mit ihrem Darm nicht. Ach ja – wie sollte es anders sein, Pilze hat sie natürlich auch. Blut konnten wir ihr keines abnehmen, dafür wirkte sie einfach zu instabil. Ihr Füßchen krampften auch ein paar Mal. Ganz dünn ist sie außerdem: nur 370g. Echt ein mickriges Mäuschen.

Im Moment können wir ihr nicht viel Gutes tun, da die Besitzerin nicht in der Lage ist, ihr Medikamente zu geben. Ich kann also nur hoffen, dass die Testergebnisse schnell da sind, sie hoffentlich nichts Fieses mit sich rumträgt und sie schnell bei mir einziehen kann. Hier kann sie dann medizinisch vernünftig versorgt werden. Jetzt bekommt sie erstmal Korvimin und Kalzium. Vielleicht hilft es ihr wenigstens etwas. Die arme kleine Maus.

Als ich Lottchen dann zur Besitzerin zurückbrachte, war diese auch ganz aufgelöst. Sie hätte ja gar nicht gewusst, dass es ihr so schlecht geht. Ja, dünner sei sie ihr schon vorgekommen. Tja, ich kann halt nur immer und überall predigen mit Euren Vögeln regelmäßig – mindestens einmal im Jahr – zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. So wie dieser Dame geht es ja vielen Besitzern leider noch immer. Sie denken, ihr Vogel sei kerngesund, bis er eines Tages tot von der Stange kippt. Das ist doch einfach sowas von unnötig. Ich habe dann auch erfahren, dass Lottchen bis vor zwei Wochen in einem Messingkäfig saß und das viel viele Jahre. Das könnte natürlich so einiges erklären, wenn sie eine chronische Zinkvergiftung hätte.

Nun ja, jetzt gilt es also auf die Testergebnisse warten. Drückt uns die Daumen, dass sie sauber ist und hier einziehen darf!

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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