Ann Castro – Die Vogelschule
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Das Immunsystem

Papageien in Gefangenschaft leben in einem Umfeld, das ihnen in der Regel nicht gerecht werden kann. Fast keiner ist in der Lage, seinen gefiederten Mitbewohnern tropische Verhältnisse anzubieten. Wer hat schon im Haus eine Luftfeuchtigkeit von über neunzig Prozent, intensive Lichtverhältnisse wie in den Tropen und die Möglichkeit seinen Tieren kilometerweiten Freiflug anzubieten. Auch ist die Ernährung zwangsläufig sehr weit entfernt von der natürlichen Ernährung unserer Tiere in freier Wildbahn. All dies führt zu einem Immunsystem, das tendenziell bereits geschwächt ist. Dementsprechend häufig sind Papageien in Gefangenschaft auch krank, auch wenn die Halter oft nicht wissen, dass ihre Tiere krank sind, da Papageien als Beutetiere ihre Erkrankungen solange verstecken, wie es irgend geht.

Was also tun?

Je eher eine Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto höher die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Heilung. Deshalb solltet Ihr Eure Tiere mindestens jährlich von einem erfahrenen vogelkundigen Tierarzt untersuchen lassen. Noch besser als Heilung ist natürlich eine Erkrankung von vorneherein zu verhindern. Hierbei hilft neben einer Reduzierung des Keimdrucks die Stärkung des Immunsystems. Ein intaktes Immunsystem wird viele Krankheitserreger erfolgreich abwehren, sodass das Lebewesen gar nicht erst krank wird. Erkrankt das Tier doch, kann ein gutes Immunsystem den Krankheitsverlauf verkürzen und die Krankheitssymptome schwächen, sodass das Tier während seiner Erkrankung nicht so sehr mitgenommen wird.

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken. Sie können grob in drei Gruppen unterteilt werden: Ernährung, Haltung und spezielle Maßnahmen

Ernährung

Eine vielseitige Ernährung trägt zu einem guten Immunsystem bei.
Foto: Ann Castro

Ein wesentlicher Faktor für ein starkes Immunsystem ist eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung, die den Besonderheiten des Papageienkörpers angepasst ist. So benötigen Papageienvögel z.B. Wesentlich mehr Vitamin A als der Mensch. Vitamin C hingegen benötigen Papageien nicht, da Vögel dieses Vitamin im eigenen Körper herstellen können.

Generell gilt, dass die Tiere so abwechslungsreich und ausgewogen wie möglich ernährt werden sollten. Wir wissen viel zu wenig über die natürliche Ernährung einzelner Arten, geschweige denn die der Geschlechter oder unterschiedlichen Altersstufen, um eine Ernährung darauf basieren zu können. Das bisschen was wir über die Ernährung in freier Wildbahn wissen, kann nur schwer in den eigenen vier Wänden umgesetzt werden, da wir kaum Zugang zu den Nahrungsmitteln der natürlichen Lebensräume unserer Papageien haben. Also sollten wir so viel wie möglich anbieten, um es unseren Papageien so zu ermöglichen, sich die Nährstoffe auszusuchen, die sie benötigen.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass eine Ernährung mit Pellets sehr einseitig ist und den Tieren nicht erlaubt, eine Auswahl zu treffen. Lediglich einer reinen Körnerernährung gegenüber ist sie vorzuziehen, da Pellets durch die zugesetzten Vitamine nährstoffreicher als Körner sind. Allerdings sind die hinzugefügten Vitamine oft synthetisch und können etliche andere Probleme mit sich bringen.

Informierte und liebevolle Papageienbesitzer werden sich lieber die Mühe machen, ihre Tiere mit natürlichen Vitaminen und anderen Nährstoffen zu versorgen. Nicht zuletzt bietet Nahrung unseren Vögeln auch Beschäftigung und Abwechselung. Eine Hilfe dabei seine Tiere ausgewogen zu ernähren kann z.B. unser Papageienmenü sein.

Haltung

Schlaf

Regelmäßiger und ausreichender Schlaf kann sehr zur Erhaltung eines starken Immunsystems beitragen. Unsere Tiere kommen aus den Tropen, wo mehr oder weniger Tag-Nacht-Gleiche vorherrscht. Das bedeutet, dass unsere Tiere zwölf Stunden ungestörte Nachtruhe erhalten sollten, d.h. wirkliche Ruhe, ohne dass der Fernseher im gleichen Zimmer läuft

UV-Licht

Auch UV-Licht stärkt das Immunsystem. Dies geschieht u.a. dadurch, dass es dem Körper erlaubt das benötigte Vitamin D selbst herzustellen. Dabei findet eine chemische Reaktion statt. Eine im Körper vorhandene Vitamin-D-Vorstufe wird durch UV-Licht in Vitamin D umgewandelt. Die Stärkung des Immunsystems beruht vermutlich darauf, dass das Vitamin D dann bestimmte Abwehrzellen dazu anregt ein antibakteriell wirkendes Mittel zu produzieren.
Gerade für Papageien, die aus Gebieten mit intensiver Sonneneinstrahlung kommen, ist es unerläßlich, dass sie UV-Licht angeboten bekommen. Es ist noch nicht erklärt, ob das in unseren Breitengraden zur Verfügung stehende natürlich UV-Licht wirklich ausreicht, um den Bedarf zu decken bei Tieren, die in Außenvolieren gehalten werden. Ich benutze für meine Tiere vorsichtshalber zusätzliches UV-Licht, da eine UV-Lampe immer noch günstiger ist als Krankheit, Leid und tierärztliche Behandlungen.

Stressreduktion

Chronischer Stress sollte unbedingt vermieden werden. Das bedeutet nicht, dass Ihr Eure Vögel in Watte packt. Das würde nur dazu führen, dass er völlig ängstlich wird und noch extremer auf Stress reagiert. Vielmehr solltet Ihr Dauerstress reduzieren. Das bedeutet z.B. Dass Eure Vögel Rückzugsmöglichkeiten haben sollten. Sie sollten nicht im Durchgangsverkehr Eurer Wohnung stehen, sondern in einer geschützten Ecke, sodass sie zwar am Geschehen teilnehmen, sich aber auch zurückziehen könne.

Dauerstressreduktion bedeutet auch, dass Eure Tiere nicht pausenlos mit Radio oder Fernsehen beschallt werden. Oder, dass Raubtiere (Hund und Katze) sich nicht ständig in ihrer Nähe aufhalten und sie wie Beute fixieren können. Eure Vögel sollten auch nicht andauernden Annäherungsversuchen insbesondere durch Fremde ausgesetzt sein. Überlegt Euch einfach, womit Ihr Probleme hättet, wenn es Euch beträfe. Meist ist es so, dass dies auch für Eure Tiere problematisch ist. Oder würdet Ihr gerne in einem Gästeklogroßen Zwinger leben und ständig angelangt werden? Wohl kaum. 😉

Intensive Bewegung

Intensive Bewegung hat eine doppelte positive Wirkung auf das Immunsystem. Zum einen wird durch Bewegung Stress abgebaut, da unsere Vögel so z.B. ihren Fluchtinstinkt ausleben können.Überschüssige Energie und Aggressionen können ebenfalls durch Bewegung abgebaut werden. Das Ergebnis sind ausgepowerte, entspannte Tiere. Zum anderen werden Abwehrzellen durch intensive Bewegung angeregt. Das liegt daran, dass bei sportlicher Bewegung kleine Gewebsverletzungen und Muskelreizungen entstehen, auf welche die Abwehrzellen ansprechen. Sie werden also sozusagen mittrainiert.

Spezielle Maßnahmen

Clickertraining

Wie schlimm Stress für ein Tier ist, hängt auch damit zusammen, wie es den Stress bewältigt. Ein selbstbewusstes Tier, das Abwechslung und Herausforderungen gewöhnt ist, wird ganz anders damit umgehen als ein Tier, das nichts kennt und vor allem geschützt wird. Ich habe festgestellt, dass Tiere durch Clickertraining um einges selbstbewusster und Neuem gegenüber aufgeschlossener werden. Deswegen würde ich Clickertraining unbedingt auch als eine Methode zur Stressbewältigung für unsere Tiere ansehen.

Heilkräuter

Es gibt verschiedene Heilkräuter, die zum einen das Immunsystem stärken und zum anderen stressreduzierend wirken. Aus diesen könnt Ihr für Eure Vögel Tees zubereiten, um sie zu unterstützen. Nachfolgend findet Ihr eine Übersicht darüber, welche Kräuter bei der Stressreduktion helfen und welche das Immunsystem stärken. Stresstees wendet Ihr am besten nach Bedarf an, während Ihr Tees zur Stärkung des Immunsystems am besten kurweise gebt. Also z.B. zwei bis vier Wochen lang gefolgt von einer Pause von ein bis zwei Monaten:

Stressreduktion Stärkung des Immunsystems
Baldrian Lapachorinde
Hopfen Ginseng
Johanniskraut Echinazin
Lavendel Hagebutten
Melisse Holunderblüten
Passionsblume

Vorbereitung auf stressige Situationen

Wenn Ihr wisst, dass Euren Tieren eine stressige Situation, wie z.B. Umzug, Tierarztbesuch oder neues Schwarmmitglied bevorsteht, könnt Ihr bereits einige Tage vorher beginnen, es gegen Stress zu behandeln. Hierzu könnt Ihr z.B. zwei Tropfen Rescue-Tropfen ins Trinkwasser geben oder sprüht das Tier zwei Mal täglich – morgens und abends – mit Rescue-Spray ein. Ihr könnt Eurem Tier anstatt der Bachblüten auch Beruhigungstee geben. Diese Behandlung führt Ihr gegebenenfalls auch einige Tage nach dem Event durch, wenn der Stress andauert, wie es z.B. bei einem Umzug oder neuem Schwarmmitglied der Fall ist. Dies ist auch wichtig für die einem Tierarztbesuch folgenden Behandlungen, die Ihr bei Euren Tieren durchführen müsst.

Was für Euch stressig ist, ist es auch meistens für Eure Tiere.

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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