Unterflügelsyndrom: Finos Geschichte

Unterflügelsyndrome kommen bei den verschiedensten Papageien vor. Die Heilung ist schwierig und oft sind alle Bemühungen erfolglos. In ihrem Bericht schildert Lena uns, wie Ihr Hahns Zwergara Fino erfolgreich behandelt wurde.

So fing es an

Fino kam mir schon den ganzen Tag so hektisch vor. Er putzte sich ununterbrochen mit nervösen Bewegungen und flog auffällig viel und schnell durch die Wohnung. Dabei habe ich mir noch nichts Schlimmes gedacht, sondern ging davon aus, dass sich der Kleine einfach mal auspowern müsse, weil er zuviel Energie hat.

Als ich dann am nächsten Morgen ins Vogelzimmer ging, war mir sofort klar, dass etwas nicht stimmte. Fino saß zusammengekauert auf einer Stange, begrüßte mich nicht wie jeden Morgen mit „Hallo“ und stürzte sich auch nicht wie gewohnt auf das Obst und Gemüse. Als er sich dann anfing zu putzen, sah ich, dass sich unter dem ganzen rechten Flügel eine große frische Blutkruste befand.

Finos Wunde
Foto: Lena Schenk
Also habe ich mir Fino schnell mit einem Handtuch geschnappt und unter den Flügel geschaut. Meine Hoffnung war ja, dass „nur“ ein Blutkiel abgebrochen war. Leider erblickte ich eine tiefe Wunde in der Größe einer Zwei-Euro-Münze unter dem Flügel um den Ellbogen herum. Da die Transportbox immer griffbereit im Vogelzimmer steht (in solchen Momenten ist das wirklich wertvoll, weil man nicht unnötig Zeit verliert), setzte ich Fino hinein, gab ihm noch schnell Notfalltropfen zur Beruhigung und war auch schon unterwegs zum Tierarzt. Diesen rief ich von unterwegs aus an und kündigte uns als Notfall an.

Beim Tierarzt

Der Tierarzt reinigte und versorgte die Wunde, legte Fino einen Halskragen an, da die Befürchtung bestand, dass er sich selber so zugerichtet hatte, und gab mir Medikamente mit.
Jetzt hieß es, dreimal täglich Wunde reinigen, Salbe auftragen, Antibiotikum. Pilz- und Schmerzmittel verabreichen. Aber Fino war ein geduldiger Patient, der die Prozedur tapfer über sich ergehen ließ. Nach einigen weiteren Kontrollbesuchen beim Tierarzt war nach ca. 4-5 Wochen alles schön verheilt und Fino wieder der Alte …

Ein schwerer Rückfall

… bis ich nach etwa einem Monat nach der Genesung wieder einen schlimmen Verdacht hatte, der sich leider bestätigte. Diesmal war es der linke Flügel und die Wunde war noch größer und wesentlich tiefer als zuvor.
Das Prozedere ging wieder von vorne los, da die Wunde aber so tief war, heilte sie nicht, sondern es bildeten sich Nekrosen. Alle zwei Tage fuhr ich die 70 km zum Tierarzt, der mich schon darauf einstellte, dass es möglich wäre, dass Fino seinen Flügel verliert.

Ich war am Boden zerstört und musste mich jedes Mal zusammenreißen, bevor ich Finos Wunde versorgte, um nicht loszuheulen, was für seine Genesung sicher nicht förderlich gewesen wäre.

Es wird nicht besser

Nach der Operation
Foto: Lena Schenk
Aber es wurde nicht besser, und auch eine Salbe, die Nekrosen enzymatisch entfernt, brachte nicht den Durchbruch. Also entschieden der Tierarzt und ich uns für eine OP, in der das ganze abgestorbene Gewebe entfernt werden sollte. Nach drei Minuten war alles erledigt, und Finochen hatte die kurze Narkose gut überstanden. Nun sah die Wunde für mich als Laien noch schlimmer aus – noch größer und frisch, aber mein Tierarzt war zufrieden mit dem Ergebnis.

In der Krankenbox

Fino in der Krankenbox
Foto: Lena Schenk
Nun hieß es: der Flügel darf einige Tage nicht bewegt werden, damit die Wunde nicht immer wieder aufreißt und eine Chance hat zu heilen. Eine Hauttransplantation, mit der mein Tierarzt in derartigen Fällen schon oft Erfolg hatte, kam aufgrund der Lage der Wunde direkt am Ellbogen leider nicht in Betracht. Also musste Fino fünf Tage in der Transportbox leben, was für ihn und mich schlimme Tage waren. Am Anfang randalierte er so sehr, dass ich richtige Angst um die frische Wunde hatte. Aber die Box war klein genug, sodass er die Flügel nicht ausbreiten konnte. Tagsüber stand Fino auf meinem Schreibtisch, und ich versuchte ihn so gut es geht zu beschäftigen. Nachts stand die Box mit im Bett und Fino verstand es meisterlich mich auf Trab zu halten. Fiep, ich will trinken, fiep, ich will gekrault werden.

Die Heilung

Fast geheilt
Foto: Lena Schenk
Aber die ganze Aktion brachte den Durchbruch. Nach sechs Tagen entließ ich Fino aus der Box zu seinen Mädels, und obwohl er direkt flog, bildete sich nur ein kleiner Riss in der Wunde, die aber zum Glück hielt.

Die Wunde heilte langsam, aber beständig, und es bildeten sich keine Nekrosen mehr. Nach einigen Wochen war kaum noch etwas zu sehen, und ich war froh, dass ich Fino nicht mehr dreimal täglich einfangen musste, obwohl er zum Schluss gar nicht mehr flüchtete, sondern einfach sitzen blieb. Den Halskragen ließ ich in Rücksprache mit meinem Tierarzt zur Sicherheit an, bis auch fast alle Federn nachgewachsen waren, damit Fino nicht wieder auf dumme Gedanken kommen konnte. Das Ganze ist jetzt fast ein Jahr her, und bislang gab es keine Rückfälle mehr. Ich war einige Male kurz davor aufzugeben, bin aber sehr froh, dass ich diese schlimme Zeit durchgestanden habe. Fino sprüht nur so vor Lebensfreude und bringt mich täglich zum Lachen.

Autorin: Lena Schenk

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Über die Autorin 

Ann Castro - Expertin für Papageien & Sittiche

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