Sittich- & Papageien-Babys kaufen: Was ist das perfekte Alter?

Aktualisiert: 2026-08-24 ‣  Lesezeit: Minuten

"Papageien-Babys kaufen: nicht futterfest zur weiteren Handaufzucht abzugeben." "Süße, junge Papageien-Babys abzugeben." Die Marktplätze sind voll von solchen Anzeigen. Doch was steht dahinter und wieso ist dies ein Problem für Vogel und Halter?

In diesem Artikel erfährst du, was die Stufen des Erwachsenwerden fürs Papageien-Baby, vom kleinen Wellensittiche bis zum großen Ara sind, und wieso es so wichtig ist, in welchem Alter Papageien-Babys an ihr neues Zuhause abgegeben werden. Weiterlesen …

Weitere Informationen zum Sittich & Papageienkauf findest du hier: 👉 Sittiche & Papageien kaufen oder adoptieren – So machst du es richtig!

Papageien-Babys kaufen: Einleitung

Viele unerfahrene Sittich- und Papageienhalter haben Angst, dass sie ihre Papageien-Babys nicht zahm bekommen werden oder nicht in der Lage sein werden, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufzubauen. Der Irrglaube kursiert, von geschickten Verkäufern gefüttert, dass ein Papageien-Baby je jünger es ist, desto leichter zu zähmen ist.

Das ist falsch. Denn hier wird die völlige Abhängigkeit eines wehrlosen Papageien-Babys mit Zahmheit verwechselt. Wirkliche Zahmheit entsteht durch den Aufbau einer soliden, vertrauensvollen Beziehung zwischen Mensch und Vogel. Dies ist in jedem Alter möglich! Weder die viel zu junge Abgabe von Papageien-Babys noch Handaufzucht sind hierfür nötig! 

Mehr über Handaufzucht von Sittichen- & Papageien erfährst du hier: 👉 Papageien Handaufzucht: Fluch oder Segen für Sittich & Papageien Küken?

Im Gegenteil, die psychisch stabilsten Papageien sind nachweislich die Vögel, die von ihren Eltern komplett aufgezogen und möglichst lange von ihnen umsorgt wurden. 

Mehr über die Verhaltenskonsequenzen der Handaufzucht kannst du hier lesen: 👉 Handaufzucht-Verhalten: Gibt es Parallelen zu Kriegsenkeln?

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Papageien-Babys: flügge vs. futterfest vs. erwachsen

Papageien-Babys sind Nesthocker. Sie schlüpfen nackt und blind aus dem Ei und sind vollständig von den Eltern abhängig. Das Erwachsenwerden erfolgt in mehreren Stufen:Papageien-Babys sind auch nach dem ersten Flug noch von den Eltern abhängig und lernen weiterhin von ihnen. Dazu gehören Überlebensstrategien wie zum Beispiel Nahrungssuche und Feinde zu erkennen, aber auch Sozialverhalten.

Was kommt zuerst? Futterfestigkeit oder Flügge werden?

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Papageien-Baby erst nach dem flüggewerden, überhaupt damit beginnt, feste Nahrung aufzunehmen. Dabei ist es aber noch lange von der Futterfestigkeit entfernt. Abgesehen von der Fähigkeit festes Futter aufzunehmen, muss das Jungtier erst von den Eltern erlernen, welche Pflanzen und deren Bestandteile überhaupt als Nahrung geeignet sind

Wann ist ein  Papageien-Baby flügge?

Ein Papageien-Baby wird als flügge bezeichnet, wenn es die Flugfähigkeit erreicht hat und zum ersten Mal sein Nest ( Bruthöhle) verlässt. Damit ist das Junge aber noch lange nicht selbstständig, sondern wird noch einige Zeit von seinen Eltern gefüttert und betreut. 

Wann ist ein Papageien-Baby futterfest?

Ein Papageien-Baby ist komplett futterfest, wenn es selbständig feste Nahrung zu sich nehmen kann und keine zusätzlichen Fütterungen durch die Eltern mehr benötigt.

Wann ist ein Papageien-Baby erwachsen?

Wirklich erwachsen im Sinne von kompletter Selbstständigkeit ist ein Papageien-Baby erst relativ lange nach seinem flügge werden. Die Zeit unmittelbar nach dem flügge werden, ist die risikoreichste Zeit für den Jungvogel mit hohen Sterberaten. Die ersten Wochen nach dem Verlassen der Bruthöhle, verbringen die Jungvögel in einem geringen Radius um diese.

Nach und nach wird dieser Radius erweitert. In dieser Zeit bis zur völligen Selbstständigkeit wird dem Papageien-Baby alles beigebracht, was es benötigt, um ein erfolgreiches Papageienleben zu führen zum Beispiel Flugfähigkeiten, Nahrungsmittelsuche, Umgang mit Raubtieren, aber auch die Integration in den Schwarm. DIes kann Monate und sogar Jahre dauern.

Papageien-Babys: Gefahren zu früher Abgabe

Abgabe nicht-futterfester Papageien-Babys

Wenn Papageien-Babys nicht futterfest abgegeben werden, muss der Käufer sie selbst mit der Hand aufziehen. Die Verkäufer stellen diesen Prozess häufig als viel einfacher dar als er wirklich ist. Das Papageien-Baby büßt dafür mit seiner Gesundheit, mitunter sogar mit seinem Leben. Dass der Käufer in der Regel ein Laie ist, potenziert das Problem:

Einschätzung der Problematik: Ein Laie kann nicht beurteilen, ob das, was der Verkäufer ihm sagt wirklich stimmt. Er hat einfach nicht die Erfahrung, die möglichen Gefahren zu überblicken und einzuschätzen.

Praxis vs. Theorie: Eine kurze Einführung in die Handaufzucht seitens der Verkäufers fünf Minuten vor der Übergabe des Papageienkükens, ersetzt nicht, jahrelange Übung und bereitet den Käufer unzureichend auf die Realität der Handaufzucht vor.

Rigidität: Manche Laien tendieren dazu, sich rigide an die Anleitung zu halten, unabhängig von den tatsächlichen Bedürfnissen des Papageien-Babys. Ihnen fehlt die Erfahrung, die Situation richtig einzuschätzen und sie haben Angst, etwas verkehrt zu machen. 

Ein Beispiel ist den Papageien-Babys ein exaktes Volumen Brei zu exakten Zeiten zu füttern, anstatt sich am Bedarf des Kükens zu orientieren. Der resultierenden "Kampf" führt nicht nur zu enormem Stress für Küken und Halter sondern auch zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Diese sind zum Beispiel versehentliches Inhalieren des Futters und resultierender Lungenentzündung oder Ersticken am Futter.

Anleitungen ignorieren: Auch das Ignorieren der Anleitungen kann etliche gesundheitliche Probleme bis hin zum Tod des Kükens erzeugen. 

Erkennen: Wenn bei der Handaufzucht Probleme entstehen, erkennt der Laie diese oft zu spät oder schätzt die Dringlichkeit falsch ein.

Weitere Details zum Thema Handaufzucht erfährst du in meinem Artikel: 👉 Papageien Handaufzucht: Fluch oder Segen für Sittich & Papageien Küken?

Forcierte Futterfestigkeit

Die forcierte Futterfestigkeit dient dazu, ein Papageien-Baby früher als bei der natürlichen Entwicklung der Futterfestigkeit als futterfest verkaufen zu können. Kommerzielle Erwägungen, die Handaufzucht ist sehr zeitaufwändig und damit kostspielig, sind dem Verkäufer wichtiger als das Wohlergehen des Kükens.

Forcierte Futterfestigkeit wird über Futterentzug durchgeführt, in der Annahme, dass ein hungerndes Küken irgendwann festes Futter fressen wird anstatt weiter zu betteln. Die Folge sind Mangelernährung und Verhungern.

Paradoxes Fressverhalten

Häufig wird behauptet, dass die Eltern dies ebenso machen. Das ist falsch. Bei Papageien-Babys, die von den Eltern aufgezogen werden ist ein paradoxes Fressverhalten zu beobachten. Sie nehmen kein festes Futter auf, wenn sie hungrig sind. Vielmehr sind sie nur bereit, festes Futter zu erkunden, wenn sie vorher bereits durch Brei gesättigt wurden und entspannt sind.

Das Gegenstück: Futterfestigkeit im Überfluss (Abundance Weaning)

Das Gegenstück zur forcierten Futterfestigkeit ist Futterfestigkeit durch Überfluss. hierbei wird dem Papageien-Baby solange Brei angeboten, bis es diesen von sich aus verweigert. Feste Nahrung wird spielerisch entdeckt. Dies vermittelt dem Küken Futtersicherheit und die Futteraufnahme als etwas Positives, Stressfreies.

Verhaltensstörungen durch Forcierte Futterfestigkeit

Forcierte Futterfestigkeit hinterlässt psychologische Schäden und somit Fehlverhalten bei den betroffenen Papageien-Babys:

Chronisches Bettelverhalten (Chronic Begging): Papageien-Babys, deren Futterfestigkeit erzwungen wurde, tendieren ihr Leben lang zu infantilem Bettelverhalten, insbesondere bei Stress.

Futter-Konservatismus: Papageien-Babys, die unter Hungerstress entwöhnt wurden, neigen dazu, extrem konservativ gegenüber unbekannten Nahrungsmitteln zu sein. Dies erschwert eine gesunde Ernährung massiv. 

Geringe Stressresilienz: Zwangsentwöhnte Papageien-Babys zeigen ihr Leben lang erhöhte Nervosität und Überreaktion auf Stress jeder Art. Dies begünstigt Verhaltensstörungen wie Federrupfen und Stereotypien.

Mehr über Federrupfen erfährst du in meinem Artikel: 👉 Albtraum Federrupfen bei Papageien & Sittichen: Was tun?

Wie alt sollten Papageien-Babys bei der Abgabe im Idealfall sein?

Leider fast keine Freilandstudien vor, die Papageien-Babys, bis zur vollständigen Unabhängigkeit beobachtet haben. Aber es gibt ausreichend Studien, die belegen, dass die Zeit nach dem Verlassen des Nestes, die gefährlichste Zeit für den Jungvogel ist, mit der höchsten Mortalitätsrate.

Wir können sicher sein, dass dies nicht der Zeitpunkt der Unabhängigkeit für den Babypapagei ist. Vielmehr ist die Folgezeit eine Phase der intensiven Betreuung durch die Eltern, sowie des Lernens wie der Vogel in der freien Wildbahn überleben kann. Deshalb ist es überholt, zu glauben, dass flügge werden, das Alter ist, in dem das Papageien-Baby von den Eltern getrennt und verkauft werden sollte.

Sittich- & Papageien-Babys kaufen: Fazit

Die meisten Papageien-Babys werden zu jung verkauft. Der Züchter oder Verkäufer verfolgt hierbei wirtschaftliche Interessen. Der unerfahrene Käufer, hofft, dadurch einen besonders zahmen gefiederten Gefährten zu erhalten. Dies ist leider falsch. Zu jung abgegebene Sittich- & Papageienbabys neigen zu gesundheitlichen und psychischen Problemen, die zu späteren Verhaltensproblematiken führen können.

Um den psychisch und gesundheitlich stabilsten Papagei oder Sittich zu erhalten, sollte dieser nicht nur komplett von den Eltern aufgezogen werden (Naturbrut), sondern auch so lange wie möglich bei den Eltern bleiben können, bis sich die Eltern-Jungtier-Beziehung von alleine löst. 

Hat dein Vogel Angst vor dir?

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Sittich- & Papageien-Babys: häufige Fragen & Antworten

Du hast noch Fragen? Hier findest du Antworten zu ttich- & Papageien-Babys: klar, kurz und verständlich beantwortet.

Wenn du noch tiefer einsteigen möchtest, findest du hier weitere Infos zu FutterHaltung, Training und Gesundheitspflege.

Sind junge Papageien-Babys leichter zu zähmen?

Nein. Die vermeintliche Zahmheit junger Papageien-Babys ist in Wirklichkeit eine vollständige, wehrlose Abhängigkeit. Echte Zahmheit entsteht durch den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, die in jedem Alter möglich ist. 

Wann gilt ein Sittich- oder Papageien-Baby als flügge?

Ein Sittich- oder Papageien-Baby gilt als flügge, wenn es die Fähigkeit zu fliegen erlangt hat und zum ersten Mal die Bruthöhle verlässt. Dies bedeutet nicht, dass das Jungtier erwachsen ist. Vielmehr beginnt jetzt die gefährlichste Zeit im Leben des Vogels.

Was versteht man unter einem "paradoxen Fressverhalten" bei Papageien-Babys?

Papageien-Babys nehmen kein festes Futter auf, wenn sie hungrig sind. Sie erkunden feste Nahrung erst dann spielerisch, wenn sie durch vorherige Fütterung gesättigt und entspannt sind.

Welche Folgen hat eine erzwungene Futterfestigkeit?

Durch Futterentzug herbeigeführte Futterfestigkeit kann zu Mangelernährung führen sowie zu langfristigen psychischen Schäden wie chronischem Bettelverhalten, Futterkonservatismus und geringer Stressresilienz.

Wann sollten Sittich- & Papageien-Babys im Idealfall abgegeben werden?

Um gesundheitliche und psychische Probleme zu vermeiden, sollten Sittich- & Papageien-Babys so lange bei den Eltern bleiben, bis sich die Eltern-Jungtier-Beziehung von alleine löst.

Papageien-Babys: Quellen & Infos

Ich hoffe, du findest diesen Artikel interessant und hilfreich! 

Lerne viel, hab Spaß und bis bald in der Vogelschule. 

LG, Ann. ❤️ 😀

Ann Castro Sittich- & Papageien-Expertin - die Vogelschule

Über die Autorin 

Ann Castro - Sittich- & Papageienexpertin für Papageien-Training & mehr ...

In über 25 Jahren habe ich tausenden Papageien- und Sittichhaltern so wie dir geholfen, die unterschiedlichsten Probleme mit ihren Vögeln zu lösen: zum Beispiel Angst, Beißen, Schreien oder Medical Training. Vielleicht hast du ja schon eines meiner Bücher gelesen oder mich in TV & Presse gesehen.

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