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Kriegsenkel sind die Kinder von Kindern, die den Krieg erlebt haben. Handaufzuchten sind Papageien, Sittiche und andere Vögel, die den Elterntieren weggenommen und vom Menschen aufgezogen wurden. Doch was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Weiterlesen ...

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In dieser Folge

  • Warum haben die Elterntiere solch einen Einfluss auf das Verhalten unserer Papageien & Sittiche?
  • Was haben Kinder- und Papageienseelchen gemeinsam?
  • Wieso Kriegsländer eine Kultur der Härte haben
  • Ist dein Problemvogel ein Opfer?

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Kriegsenkel, Kriegskinder und die Nachkriegsgenerationen

Mein Interesse an Kriegkindern, Kriegsenkeln und den NAchkriegsgeneration entstand ganz unverfänglich, über ein Buch, das mir von einer lieben Freundin empfohlen wurde. 

Das Buch ist von Sabine Bode und heißt „Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation“. Im Großen und Ganzen geht es in dem Buch um die seelischen Probleme der Kinder (Kriegsenkel) von den Menschen, die im Krieg Kinder (Kriegskinder) waren. Also Menschen, die Entsetzliches erlebt und gesehen haben. Deren Kindheit von Angst, Unsicherheit und Entbehrungen geprägt war. 

Das dies nicht spurlos an einem Kinderseelchen vorbei geht, liegt auf der Hand. Das dies allerdings auch Spuren in deren Kindern hinterlässt, ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Aber es gibt erstaunliche Häufungen bestimmter Probleme, die auf einen Zusammenhang hinweisen. Existenzängste zum Beispiel. Oder die Unfähigkeit zu emotionaler Nähe. Ein gewisse Härte. 

Kriegsenkel können eigenen Gefühlen oft nicht trauen

„Du hast überlebt, sei froh und hör auf zu jammern“. Solche Kommentare der Eltern hinterlassen Spuren. Weil die eigenen Gefühle von den Eltern, den Bezugspersonen, als unwichtig und oft auch unrichtig abgetan werden. Diese Enkelkinder des Kriegs haben also gelernt, dass sie ihren Gefühlen nicht trauen können. Die Spuren davon offenbaren sich oft in diffusen Ängsten, übermäßiger Leistungsbereitschaft mit nur mäßigem Erfolg und in Beziehungsproblemen.

Wie du vielleicht weißt, bin ich Kanadierin. Aber ich bin größtenteils in Deutschland aufgewachsen, bevor ich zum Studium wieder zurück nach Kanada ging. Was mir im Hin- und Her zwischen beiden Ländern immer sehr auffiel ist der Unterschied im Lebensgefühl zwischen Deutschland und Kanada. In Kanada ist eine Leichtigkeit, die es in Deutschland meiner Erfahrung nach einfach nicht gibt. In Deutschland wird diese Leichtigkeit oft ein bisschen verächtlich als oberflächliche Freundlichkeit abgewertet. Mir persönlich ist oberflächliche Freundlichkeit tausendmal lieber als oberflächliche Unfreundlichkeit, aber sei‘s drum. 

Als ich von Kanada wieder nach Deutschland zog, fiel mir auf, wie hart Deutsche häufig miteinander umgehen. „Selber Schuld“ und „Stell dich nicht so an“. Wer von uns hat solche Sprüche nicht schon mal gehört? In Situationen, in denen es einfach schön gewesen wäre, in den Arm genommen und getröstet zu werden. 

Auswirkungen auf das Verhalten unserer handaufgezogenen Papageien und Sittiche

Ich habe da auch ein ganzes Sortiment an Anekdoten, die teils witzig, teils nicht so witzig sind. Und versteh mich bitte nicht falsch. Dieser Podcast ist nicht als Deutsch-Bashing gemeint. Es geht mir hier um das Verständnis einer sehr unterschiedlichen Kultur und deren mögliche Auswirkungen auf das Verhalten unserer Papageien und Sittiche. 

Eine solche Anekdote ist zum Beispiel Folgendes:  In Deutschland bin ich als Jugendliche auf der Kirmes aus einer Raupe gefallen. Die Schuld lag bei mir. Um cool zu sein, hatte ich mich hingestellt statt gesetzt. Keine Ahnung, was genau geschehen ist. Ich weiß nur, dass ich auf dem Boden außerhalb der Raupe, aus der ich wohl rausgeschleudert wurde, wieder aufgewacht bin.

Benommen saß ich da. Alle haben mich nur blöd angestarrt. Keiner hat versucht, zu helfen. Ich hatte Schwierigkeiten selbst wieder hochzukommen und streckte meine Hand aus, in der Hoffnung, das mir jemand aufhelfen würde. Hat aber keiner. Stattdessen wurde mir gesagt, ich wär‘s selber Schuld. Ja, war ich auch. Aber das ist doch kein Grund nicht zu helfen oder?

Deutschland ist anders als Kanada

Im Vergleich dazu, bin ich in Kanada mit Stöckelschuhen eine Rolltreppe runtergefallen. Auch nicht gerade eine Glanzleistung. Aber da sind sofort mehrere Leute zur Hilfe geeilt, die gefragt haben, ob alles in Ordnung sei. Die mir ein Glas Wasser holten. Mir wieder auf die Beine halfen. Und mich sogar ein Stück begleiteten, um sicherzugehen, dass ich wirklich ok sei. Ähnliche Situation: Eigene Blödheit - Unfall. Ganz andere Reaktion der Umstehenden. Solche Anekdoten kann ich abendfüllend erzählen. Es ist eine wirklich andere Kultur. 

Diese Härte haben viele von uns auch verinnerlicht und wenden sie gegen uns selbst an. 

Und es macht ja auch Sinn. Wenn man Hungersnot, Massenvergewaltigungen, -erschießungen, Vertreibungen überstanden hat. Daneben verblasst alles andere. Jedes Problem ist im Vergleich dazu eine Bagatelle. Und man fühlt sich völlig berechtigt zu sagen: „Nun stell dich mal nicht so an und reiß dich zusammen“, oder?

Unverständliches Verhalten unserer handaufgezogenen Papageien & Sittiche

Und je mehr ich darüber nachdachte und nachforschte, desto mehr fing ich an, Parallelen zum Verhalten unserer handaufgezogenen Papageien und Sittiche zu sehen. Und das möchte ich heute ganz gerne thematisieren, weil es vielleicht das eine oder andere für uns unverständliche Verhalten unserer Papageien & Sittiche ein wenig verständlicher machen kann. Und vielleicht auch weil es andere Handlungsmöglichkeiten für uns aufweist, die unserer Beziehung förderlich sein könnten. Denn so gut wie alle Papageien- und Sittichhalter, mit denen ich rede, wünschen sich eine bessere Beziehung zu ihren Vögeln. 

Was haben also die Kriegsenkelprobleme mit dem Verhalten unserer handaufgezogenen Papageien & Sittiche zu tun? 

Fangen wir mit der Betrachtung der Eltern unserer Papageien und Sittiche an. Waren es Wildfänge, dann können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass diese schwer traumatisiert waren. Wenn du solche Bilder mal gesehen hast, wie mit diesen armen Kreaturen umgegangen wurde. Die kriegst du nie wieder aus dem Kopf. Wenn du solche Bilder noch nicht gesehen hast, kannst du sie einfach googeln. Aber Vorsicht, wenn du nicht gerade ein Herz aus Stein hast, dann wird es dir das Herz brechen und du wirst dich schämen, ein Mensch zu sein. Diese Bilder kannst du nicht ungesehen machen. Überlege es dir also gut. 

Also bei Wildfängen haben wir es mit traumatisierten Elterntieren zu tun. Aber selbst wenn bereits die Eltern Nachzuchten sind, ist nicht alles Sonnenschein. Viele Zuchtpaare werden alles andere als optimal gehalten. Glücklich und entspannt sind die wenigsten von ihnen. Das überträgt sich - so meine These - auch auf ihre Nachkommen. Sei es physiologisch durch erhöhte Stresshormone, die an die Jungen weitergegeben werden oder durch beeinträchtigtes Verhalten.

Dazu kommt, dass es leider auch extrem viele Handaufzuchten gibt. Also Küken die nur kurze Zeit bei den Eltern bleiben konnten. Das nennt man dann Teilhandaufzucht. Oder Küken, die sogar ihre Eltern nie gekannt haben, weil sie in Maschinen ausgebrütet wurden sind. 

Unfähigkeit zu emotionaler Nähe durch Handaufzucht

Bei Teilhandaufzuchten wurde beobachtet, dass sich die Elterntiere gewissermaßen damit arrangieren. Wenn zum Beispiel Elterntieren, nach drei Wochen immer die Jungen weggenommen wurden und diesen Elterntieren die Jungen ausnahmsweise gelassen wurden, hörten sie trotzdem nach drei Wochen auf, diese zu versorgen. Emotionale Nähe und Fürsorge sieht anders aus. 

Die Jungtiere, die den Eltern frühzeitig entnommen werden, erleben natürlich noch ein zusätzliches Trauma. Sie kommen von der ständigen Umsorgung der Eltern in Plastikschalen. Wenn sie Glück haben mit anderen Jungtieren zusammen. Wenn sie Pech haben, sogar ganz allein. Das ist eine Isolationshaft von Kleinkindern. Unvorstellbar grausam. Dass das einen Knacks in der Seele verursacht - darüber braucht man glaube ich gar nicht zu diskutieren. Es ist brutal, was man diesen Babies antut. 

Marketing. Lügen. Betrug am Käufer

Auch wie diese Babies versorgt werden. Ich weiß es wird of suggeriert, dass solche Tiere liebevoll von Menschen gekuschelt und gehuddelt werden. Die Realität ist eine Andere. Da wird ein Schlauch den Kropf heruntergerammt und eine genau abgemessene Menge Futterbrei hineingedrückt. Geht schnell und ohne Sauerei. So schön. So effizient. So profitabel. Der Rest ist Marketing. Lügen. Betrug am Käufer.

Wie geht es nun diesen Küken? Körperliche Bedürfnisse werden mehr oder minder erfüllt. Man will ja nicht, dass die Ware zu Schaden kommt. Das heißt, das Vögelchen wird warm gehalten und bekommt genug zu fressen. Die emotionale Bedürfnisse hingegen bleiben völlig auf der Strecke. 

Schwieriges Verhalten unserer Handaufzuchten ist vorprogrammiert

Handaufzuchten lernen kein normales Verhalten. Selbst wenn mehrere Küken zusammen aufgezogen werden, können sie nicht voneinander lernen, was die Eltern ihnen beibringen würden. Zum Beispiel Beißhemmung. Oder vernünftige Federpflege. Es gibt auch körperliche Defizite. Zum Beispiel, dass solche Küken ein auffallend schlechteres Immunsystem haben. Ob das jetzt am Dauerstress oder an der mangelenden Weitergabe der Immunabwehr oder einer Kombination davon liegt, ist ungeklärt. Bekannt ist nur die Auswirkung.

Aber heute geht es um das Verhalten unserer Papageien & Sittiche, das durch solche Traumata entsteht. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Intelligenzeinschätzung unserer Vögel - wissenschaftlich nachgewiesen - immer weiter angehoben wird. Vor 20 Jahren hieß es, Papageien hätten die Intelligenz eines zwei bis dreijährigen Kindes. Vor ungefähr zehn Jahren wurde die Spanne auf drei bis fünfjährige Kinder angehoben. Und seit einiger Zeit gibt es Belege dafür, dass die Intelligenz der eines siebenjährigen Kindes gleichkommt.

Traumatisierung beeinträchtigt das Verhalten unserer Handaufzuchten

Wenn also ein Kriegskind im Alter von 3-7 Jahren aufgrund von Traumatisierung Verhaltensstörungen zeigt.  Wieso sollte es dann abwegig sein, dass dies genauso auch auf das Verhalten unserer Papageien und Sittiche zutrifft?
Und wenn ein solches Kind, diese Störungen an seine Kinder weitergeben kann - warum nicht auch ein Papagei oder Sittich?

Wenn ein Mensch Verlassensängste hat, dann kann sich das als Unfähigkeit zu Nähe äußern. Die emotionale Distanz wird unter anderem durch aggressives oder schroffes Verhalten aufrecht erhalten.  

Kann aggressives Verhalten durch Ängste entstehen?

Was wäre also, wenn die Verlassensängste, das mangelnde Geborgenheitsgefühl, sich in aggressivem Verhalten unserer Papageien & Sittiche äußert? Liegt es dann nicht auf der Hand, dass die häufige Vorgehensweise, „Ihm zeigen, wer der Chef ist“ völlig fehl am Platz ist. Dass stattdessen dem Tier gezeigt werden muss, dass es nicht allein ist. Dass es geborgen ist. Dass man Verständnis für es aufbringt.

Wenn du so einen Papagei oder Sittich hast, macht es also weitaus mehr Sinn extra verständnisvoll zu sein. Das verunsicherte Tier sollte auf keinen Fall weiter verunsichert werden. Es braucht nicht Härte, sondern Wärme. Geborgenheit. Sicherheit. Aber auch klare Regeln. Du musst für einen solchen Papagei oder Sittich der Fels in der Brandung sein.

Empfohlene Ressourcen

Clickertraining für Papageien & Sittiche (PDF)

Das Anfängerbuch zur Einführung in das Clickertraining. Enthält Trainingspläne für die Grundübungen, die jeder Vogel können sollte, sowie Infos zur Haltung und zum Zähmen scheuer Vögel. (PDF)


Grundkurs Beziehung & Training (online)

Der schnellste Weg, eine vertrauensvolle, angstfreie Beziehung, die auf tiefstem Verständnis zwischen dir und deinen Vögeln basiert, aufzubauen und Grundgehorsam zu erlernen. 

Ererbte Traumata spielen oft eine Rolle

Hierbei spielen unsere eigenen ererbten Traumata und unsere daraus resultierenden Verhaltensprobleme möglicherweise eine wichtige Rolle. Welchen Einfluss haben diese auf unsere Beziehung mit unseren Tieren und unseren Mitmenschen? Inwieweit sind wir in der Lage, Wärme statt Härte zu zeigen? Machen wir dies automatisch oder müssen wir uns bewusst daran erinnern? Auch das wirft Fragen auf.

Sind meine Überlegungen, die ich dir gerade erläutert habe, rein hypothetisch? Ich glaube nicht. Die Vorgeschichte der Eltern und ganz besonders die Aufzuchtform geht nicht schadlos an den zarten Kinderseelen unserer Papageien & Sittiche vorbei . Das sehe ich jeden Tag in meiner Verhaltens-Praxis. Es ist auffallend, wie häufig Papageien & Sittiche mit Verhaltensstörungen aus Handaufzuchten stammen. 

Naturbruten ruhen in sich

Ich habe derzeit in meiner Beratung und in meinem Schwarm nicht einen einzigen Vogel aus einer Naturbrut, der verhaltensauffällig ist. Das sollte einem doch zu Denken geben.

Die Naturbruten, die ich in meinem Schwarm kennenlernen konnte rupfen nicht, beißen nicht, kreischen nicht und sind auch sonst eher entspannt. Wenn es ein Mensch wäre, würde man über ihn sagen, „Der ruht in sich“. Das ist doch auffallend oder?

Das Verhalten unserer Papageien & Sittiche ist kompliziert

Zugegeben, das Verhalten unserer Papageien & Sittiche ist kompliziert. Beißen handaufgezogene Papageien & Sittiche, weil sie keine Bisshemmung durch die Eltern erlernten? Oder beißen sie, weil sie zutiefst verunsichert sind? Weil sie Schwierigkeiten haben Nähe aufzubauen? Zu Vertrauen?

Wie ist es mit Verlustängsten, die zunächst durch Kontaktrufe und später durch Dauerschreien Äußerung finden? Die erlebte Traumatisierung unserer Papageien und Sittiche ist nur ein Teil des Puzzles. Aber ich glaube, es ist ein wichtiger Teil, der es wert ist genauer untersucht zu werden.

Einige werden mir jetzt vielleicht eine zu große Vermenschlichung unserer Tiere vorwerfen. Ich kontere, dass wir unsere Augen nicht vor dem Offensichtlichen verschließen sollten. 

Gefühle a' la Carte?

Die Psyche ist die Psyche. Und wenn ich mir als Papageien- oder Sittichhalter eine innige, liebevolle Beziehung zu meinem Tier wünsche. Also erwarte, dass das Tier mir gegenüber freundschaftliche Gefühle entwickeln kann. Dann muss ich ihm auch die Fähigkeit zugestehen, traumatisiert zu sein. Sich verlassen und verunsichert zu fühlen. Mit allen Konsequenzen. 

Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass Papageien in Gefangenschaft andere Verhaltensweisen zeigen als in der freien Wildbahn. Zum Beispiel diese extreme Aggressionsbereitschaft. Ja, viel davon hat sicherlich mit den Haltungsbedingungen zu tun. Viel davon hängt auch sicherlich mit den Haltern zusammen, die nicht wissen, wie Verhalten geformt wird und die deshalb unabsichtlich unerwünschte Verhaltensweisen verstärken. Aber was ist, wenn ein guter Teil dieser Verhaltensprobleme durch direkte oder vererbte Traumata entstehen. Das sind alles Gedankenspiele. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es meines Wissens nicht.

Aber was wäre, wenn du es schaffen würdest, deinen Problemvogel als Opfer anstatt als Täter zu sehen. Wie wäre es, wenn du statt Härte Verständnis zeigen könntest? Wenn du ihm statt Strenge, Geborgenheit und Wärme vermitteln könntest? Wie könnte eure Beziehung sich dann entwickeln?

Ich wünsche dir von ganzem Herzen Glück & Erfolg beim Aufbau einer tollen, liebevollen Beziehung mit deinen Papageien oder Sittichen!

Ich hoffe, du findest diesen Artikel interessant und hilfreich! Falls du Fragen oder Kommentare hast, kannst du sie unten in die Kommentarsektion schreiben.

Wenn du Hilfe möchtest, dann heiße ich dich gerne in einem meiner Kurse willkommen. Informationen dazu findest du hier: Kurse & Coaching

Lerne viel, hab' Spaß und genieße dein Leben mit deinen Papageien & Sittichen. 

LG,

Ann. 

Über die Autorin 

Ann Castro - Expertin für Papageien & Sittiche

Viele Sittich- & Papageien-Halter leiden unter schlechten Beziehungen mit ihren Vögeln. In meinen Kursen & Coachings lernst du, Probleme ab- und Vertrauen aufzubauen. So kannst du schon bald ein glückliches und entspanntes Leben mit deinen Vögeln genießen. 


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  • Ich denke, man kann den Umgang miteinander nicht so sehr verallgemeinern und auf Nationen beziehen. Jede Familie ist anders, jede Klasse ist anders, jeder Mensch macht also ganz individuelle Erfahrungen mit anderen Menschen und bekommt ganz individuelle Werte vermittelt (die sich oft, aber nicht komplett, mit denen der Mitmenschen decken).
    Ich bin alt xD und habe eine interessante Dynamik beobachtet: Vor der flächendeckenden Einführung von Internet und sozialen Netzwerken im Allg. war man im Alltag mit Fremden eher distanziert. Oft ergab sich kein Smalltalk. An der Haltestelle etwa oder in der Supermarktschlange stand jeder still für sich.
    Nach Einführung von social Media begannen die Leute, die sich online alle duzten, plötzlich viel offener zu werden.
    Was stimmt: In Deutschland reagieren wir oft extrem auf Ge- und Verbote. Als Handys im Bus noch verboten waren, gab es immer mehrere Fahrgäste, die zischelten und „Handy aus!!!“ riefen, wenn jemand sein Handy rausholte. Sobald das Verbot aufgehoben wurde, hatten diese Menschen offenbar persönlich kein Problem mehr mit telefonierenden Fahrgästen.

    Ein wichtiger Punkt, den wir mMn alle mitnehmen sollten, ist ein positives Menschenbild zu haben, davon auszugehen, dass alle anderen Menschen erst mal freundlich sind und man ihnen auch Hilfe anbieten darf und Gelassenheit zu üben. Wenn man positiv auf Menschen zugeht, spiegeln sie das oft und sind dankbar für ein Lächeln, ein freundliches Wort etc.
    Leider erlebe ich in den letzten Jahren online verstärkt wieder die Freude am Verunsichern und Beleidigen anderer. Einige sehen das offenbar als Sport. Das wirkt sich teilweise offline aus. Man vertraut anderen Menschen nicht mehr so sehr, sie könnten einen ja pranken.
    Nur wer den Kopf frei hat, sich selbst angenommen und ungestresst fühlt – auch ungestresst durch Foren, etwa Clickererfolge oder Ähnliches vorzuweisen – kann auch gelassen mit seinen Tieren umgehen. Und in diesem Bereich wird noch sehr oft sehr viel Stress vermittelt, der Fokus ist sehr oft eher auf „das machst du falsch!!“ als „das machst du gut, weiter so!“ So etwas sollten wir auch üben.

    Wenn jeder sich Mühe gibt, in seinem Alltag andere positiv zu beeinflussen, einfach nur höflich, rücksichtsvoll, freundlich zu sein, auch online, dann dürfte sich das verbreiten.
    Das schließt bei der Beratung oder in Foren auch die potenzielle Unsicherheit eines Halters mit ein!
    Oft höre ich in Hundesendungen: „Das liegt an Ihnen, bei mir macht er das nicht!“ Und die erste Reaktion des Haltes, die ihn vermutlich stark beeinflusst, auch wenn die Aussage relativiert wurde, dürfte sein: „Oh! Dann muss ich den Hund abgeben, er mag mich einfach nicht, ich bin kein guter Halter!“ – also Verunsicherung. Viel besser wäre es doch, sofort zu sagen, „man kann dies und jenes tun, damit der Hund auch bei Ihnen demnächst mehr Freude hat oder besser hört etc.!“

    Bzgl. „du bist selbst Schuld!“: Ich denke, das kommt einfach von Menschen, die erfahren haben, dass sie ausgeschlossen werden oder große Probleme bekommen, wenn sie Schuld eingestehen und dass es immer „einen Schuldigen“ gibt. Also dass bspw. der Betreiber des Rollercoasters Probleme bekommt, wenn er Schuld eingesteht oder man Hausverbot bekommt und man deshalb erst mal sagt, „du bist selbst Schuld“, um die Schuld vom Vorfeld von sich zu weisen. Ja, das geht zurück auf Eltern, die immer erst geschaut haben, wen sie bestrafen können und erst dann gefragt haben, ob jemand verletzt wurde oder sich erschrocken hat, weil er etwa etwas versehentlich fallen ließ.
    Oft ist es aber auch die völlige Hilflosigkeit und Überforderung in dieser Situation. Als ich in der 10. Klasse war, kippte ein Mitschüler im Unterricht einfach um. Unsere Biolehrerin wusste, was zu tun war. Wir anderen saßen einfach stumm da, völlig überfordert und schockiert, unfähig, überhaupt etwas zu tun.

    Man sollte mMn mit Kindern und anderen Erwachsene üben, nach Motiven zu fragen, zu diskutieren, warum tut und sagt der dies und jenes. Immer wieder. Bis es normal wird, sich in andere hineinzuversetzen, Situationen neu zu bewerten, immer wieder zu diskutieren, Sichtweisen zu wechseln. Kann man das bei Menschen und HAT MAN DAS SELBST ERFAHREN, kann man es auch viel natürlicher auf Tiere übertragen!
    Das geht aber mMn nur, wenn möglichst viele Menschen diese Haltung einnehmen und sich im Alltag bewusst machen, wann sie warum wen eventuell verletzen könnten und sich so „einstellen“, dass ihnen das auch weh tut und sie das dringend vermeiden möchten.
    Das ist halt im Zeitalter von Pranks und Trollen, die es lustig finden, andere zu provozieren und zu verletzen, schwierig.
    Es wird Frauen vorgeworfen, dass sie sich zu oft entschuldigen.
    Ich finde, wir sollten das Entschuldigen wieder kultivieren, weil es uns bewusst macht, wo wir andere eventuell unabsichtlich verletzen.

    Leider wird die ganze Sache auch von TV-Sendungen torpediert, die immer mehr darauf setzen, dass der Zuschauer unempathisch über bestimmte Menschen und Aspekte lacht. Ich konnte das mehrfach beobachten: Zuschauer nehmen schnell die Haltung des Kommentators ein, finden immer mehr Fehler bei den Kandidaten und kommentieren ähnliche „Fehler“ auch im Alltag, während ich teilweise davor sitze und fast körperliche Schmerzen bekomme, weil ganz normales Alltagsverhalten vom Moderator lächerlich gemacht wird. Dies könnte man z.B. als Eltern mit seinen Kindern kommentieren, fragen, wie sich die Kandidaten fühlen, ob der Moderator eine Meinung oder Fakten äußert, ob man das auch freundlicher hätte anbringen können.

    Wir sollten im Alltag viel sensibler für solche „Geistesverschmutzer“ werden, die uns einreden, es wäre kompetent und überlegen, möglichst viele „Fehler“ bei Mitmenschen zu finden und diese möglichst „kreativ“ auch diesen Menschen vorzuwerfen.
    Das fängt schon an mit „hast du zugenommen, du hast aber auch wieder mehr Falten, ach, du müsstest mal deine Haare färben, die sind grau, Mensch, das weißt du nicht?!“ usw. Viele sage so etwas unbewusst nebenbei und merken nicht, dass sie einige damit stark verunsichern.

    Bei Tieren denke ich grundsätzlich, dass nur ein informierter, entspannter, gelassener Halter, der sich nicht „wehren“ muss, auch gegen Forengurus, einem aggressiven Tier angemessen begegnen kann. Und es ist schon ein großer Unterschied, ob man glaubt, „das Tier hasst mich“ oder „ich mache etwas falsch, ich bin ein schlechter Mensch/ Halter“ oder „das Tier ist aggressiv, es gibt dafür aber einen Grund, den ich finden kann und Strategien, wie ich damit umgehen kann, es ist eben nicht „meine Schuld“.
    Wenn man den Schuldfaktor rausnimmt UND Wissen vermittelt, hat der Halter oft die Kapazität, mit der Aggressivität umzugehen, die ihm vorher durch eigene Unsicherheit, Angst, Überforderung und Schuldzuweisung fehlte.
    So viel wäre einfacher, wenn wir lernen würden, uns selbst zu entspannen und auch unproduktive Gefühle wie Schuldgefühle und Selbstvorwürfe zu minimieren und uns erst mal selbst aufzubauen. Dann schaffen wir das auch eher mit anderen, Menschen und Tieren.

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