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Ringsittiche - das Wichtigste auf einen Blick:
- Mindestens paarweise halten – Einzelhaltung ist tierschutzwidrig!
- Ein Ringsittich (Barnardius zonarius) ist nicht dasselbe wie ein Halsbandsittich – bitte nicht verwechseln
- CITES Anhang II – besonders geschützt, Nachweispflicht beim Kauf beachten!
- Ringsittiche werden dokumentiert ca. 18–20 Jahre alt – bei optimaler Haltung womöglich bis zu 30 Jahre
- Futter für Ringsittiche muss abwechslungsreich sein – trockenes Körnerfutter allein reicht nicht aus
- Mögliche Probleme: Lautstärke und Beißen – insbesondere bei zu kleinen Volieren und Beschäftigungsmangel
Du spielst mit dem Gedanken, dir Ringsittiche ins Haus zu holen, oder hast vielleicht schon ein Paar dieser australischen Schönheiten bei dir sitzen? Dann ist dieser Artikel für dich: Ringsittiche (Barnardius zonarius) sind faszinierende Vögel, aber sie sind – wie alle Papageien & Sittiche - keine „Stofftiere“, die man einfach in einen kleinen Käfig setzt und dann erwartet, dass sie glücklich vor sich hin zwitschern.
In meiner Beratungspraxis sehe ich Ringsittiche, die gegenüber dem Menschen und sogar dem eigenen Partner oder Schwarmmitgliedern gegenüber, aggressiv geworden sind. Glücklicherweise liegt dies weniger am Charakter des jeweiligen Vogels, sondern an Fehlern in der Haltung und im Umgang mit den Tieren, die man mit dem richtigen Wissen gut lösen kann.
Weitere Artikel zum Thema Sittiche & Papageien kaufen & adoptieren findest du hier.

Ringsittiche? Plattschweifsittiche? Oder ist das ein Kragensittich?
Oft wird gefragt: „Ist das jetzt ein Ringsittich, ein Kragensittich oder ein Plattschweifsittich?“ Manchmal werden Ringsittiche sogar mit Halsbandsittichen verwechselt.
Kurz und knapp: Ringsittiche gehören zur Gruppe der Plattschweifsittiche. Viele Regeln für Plattschweifsittiche gelten also auch für sie – zum Beispiel stammen alle Plattschweifsittiche aus Australien.
Innerhalb der Art gibt es verschiedene Unterarten, wie den bekannten Kragensittich (Barnard-Sittich) mit seinem hübschen roten Stirnband oder den klassischen Bauers Ringsittich. Um die Zuordnung der verschiedenen Unterarten (oder nicht Unterarten) streiten sich die Experten. Aber das ist für uns und unsere Vögel nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, was diese Vögel brauchen, um bei dir glücklich und gesund ihr optimales Lebensalter zu erreichen. Mehr dazu hier: 👉 Wie alt werden Papageien und Sittiche?
Das Plattschweifsittiche-Platz-Problem: Warum deine Voliere wahrscheinlich zu klein ist
Einer der häufigsten Problemauslöser, die ich in der Praxis sehe: Plattschweifsittiche, inklusive Ringsittiche, die in viel zu kleinen Volieren gehalten werden. In ihrer Heimat Australien legen diese Vögel weite Strecken zurück. Ringsittiche sind extrem gute Flieger und haben einen extremen Bewegungsbedarf
Zu kleine Käfige sind nicht nur tierschutzrelevant ( 👉 Vogelkäfig und Voliere – die optimale Unterkunft für deine Papageien & Sittiche ), sondern können dir echte Probleme in der Haltung bringen. Ringsittiche brauchen Platz. In zu kleinen Behausungen können sie ihre überschüssige Energie nicht loswerden. Das begünstigt Verhaltensstörungen wie zum Beispiel Aggressionen gegenüber dem Partner, dem Schwarm und dem Halter und kann zu schweren Verletzungen führen.
Was ist also die richtige Käfiggröße für Ringsittiche?
Ringsittiche haben eine Körpergröße von ca 37cm. Laut den Mindestanforderungen von 1995 ist die Mindestgröße von Käfigen für Sittiche bis 40 cm auf 2,0 m x 1,0 m x 1,0 m festgelegt. Das aktuellere Nikolai-Gutachten, das von immer mehr Ämtern übernommen wird, empfiehlt sogar mindestens 3,0 m x 1,5 m x 2,0 m.
Mein Experten-Tipp
Da Ringsittiche besonders aktiv sind, zu Aggressionen neigen und ihre Körpergröße nur knapp an der nächsten Käfiggröße vorbeischrappt, empfehle ich, eine Voliere für Sittiche ab einer Körpergröße von 40 cm nach dem Nikolai-Gutachten. Das heißt, mindestens 4,0 m x 2,0 m x 2,0m. Damit ist deine Voliere auch zukunftssicher, falls das für dich zuständige Amt noch nicht auf das Nikolai-Gutachten hochgestuft hat.
Selbst mit der größeren Voliere benötigen Ringsittiche täglichen ausgiebigen Freiflug und Beschäftigung, um sich körperlich und geistig richtig auszupowern und ihre überschüssige Energie loszuwerden, damit diese nicht in Verhaltensprobleme umgelenkt wird. Ein unterforderter Ringsittich sucht sich ein Ventil – und das ist meistens laut oder schmerzhaft für die Umgebung.

In der freien Wildbahn fressen Ringsittiche hauptsächlich Frisches – auch Blüten. Eine überwiegende Körnerernährung ist daher weder artgerecht noch gesund.
Ernährung: Warum "Blümchenfresser" kein Körnerfutter-Abo haben
Schauen wir uns mal an, wie ein Ringsittich in der freien Wildbahn lebt. Was frisst er da? Spoiler-Alarm: Sicherlich kein trockenes Körnerfutter (👉 Körnerfutter für Papageien & Sittiche: gut oder schlecht?) aus der Packung.
In der Natur ist der Kragensittich (und seine Verwandten) ein echter Feinschmecker: Er sucht sich Blüten, Knospen, halbreife Sämereien und Früchte. Er knabbert an Rinden und sucht sich frische Kräuter. Selbst die eine oder andere Larve ist ihm nicht zuwider.
Wenn wir das auf die Haltung zu Hause übertragen, bedeutet das: Eine reine Ernährung mit trockenem Körnerfutter oder Pellets (👉 Papageien-Pellets ja oder nein? – 13 Top Punkte ) ist bei Ringsittichen schlichtweg nicht artgerecht und führt langfristig zu Gesundheitsproblemen und verkürzter Lebenszeit.
So machst du es richtig:
- Frischkost ist das Wichtigste: Gemüse und Obst sollten den Hauptteil der Ernährung darstellen. Frische Zweige (mit Knospen!) wären toll. Aber wegen der Gefahr einer Ansteckung mit Trichomonaden und anderen gefährlichen Keimen, würde ich diese nicht empfehlen.
Schau dir mein Rezept über das Papageienmenü an, damit hast du alle wichtigen Nährstoffe gut abgedeckt. - Keimfutter: Auch hier – es wäre toll, aber Keimfutter ist leider auch allzuoft eine Keimschleuder und deshalb nicht uneingeschränkt zu empfehlen.
- Nüsse: Je nach Aktivitätsgrad deiner Vögel benötigen sie unter Umständen mehr Kalorien. Dies kannst du mit Nüssen gut abdecken, insbesondere, da Nüsse eine wesentlich bessere Nährstoffdichte als Körnerfutter haben.
- Körner nur als Beschäftigungs-Beilage: Du kannst etwas Körnerfutter als Beschäftigung für deine Vögel geben. ABER achte darauf, dass sie wirklich hochwertig sind. Am besten stellst du dir deine Körnerfuttermischung aus Reformhauszutaten selbst zusammen. Einen 👉 Körnerfutterrechner und Rezepte findest du auf der Vogelschule-Kursplattform.
Verhalten & Training: Werden Ringsittiche zahm?
Ja. Ringsittiche sind sehr neugierig und verfressen - perfekte Voraussetzung fürs Zähmen ( 👉 Papagei & Wellensittich zähmen – meine besten Tipps für dich). Wenn du es richtig angehst, zum Beispiel mit positiver Verstärkung (Clickertraining) kannst du eine tolle Beziehung aufbauen und außerdem deinen Vögeln nützliche Dinge beibringen wie zum Beispiel den Gang in die Transportbox (für den Tierarztbesuch) oder auf die Waage zur Vorsorgekontrolle. Mehr dazu findest du in meinem Artikel über Medical-Training 👉 Medical Training leicht gemacht – für Papageien & Sittiche.
Ein gut ausgelasteter Ringsittich, der seinen Kopf beim Training benutzen darf, ist ein viel ausgeglichenerer Mitbewohner, der deutlich weniger zu Problemverhalten tendiert.
Was kosten Ringsittiche?
Wenn du dich umschaust, was es kostet, einen Ringsittich zu kaufen, wirst du feststellen: Die Preise für Ringsittiche variieren je nach Quelle (Züchter, Zooladen) sowie Farbschlag und Unterart. Ich habe dir hier eine aktuelle Übersicht aus verschiedenen Verkaufsportalen zusammengestellt.
Bitte denke daran, das dies nur eine Momentaufnahme ist, die dir einen generellen Überblick verschaffen soll und keinesfalls eine Preisgarantie oder eine Richtlinie darstellt!
- Bauer's Ringsittich (Nominatform) - B. z. Zonarius - 150 € – 220 €
- Kragensittich (Gelbnacken-Ringsittich) - B. z. Semitorquatus - 180 € – 250 €
- Blasser Bauer's Ringsittich B. z. Occidentalis - 140 € – 200 €
- Barnardsittich* - Barnardius barnardi - 80 € – 130 €
Farbmutationen können auch deutlich teurer sein.
*Es ist umstritten, ob der Barnardsittich als Unterart den Ringsittichen zugeordnet werden sollte oder eine eigene Art innerhalb der Plattschweifsittiche bildet.
Aber Hand aufs Herz: Muss es wirklich ein "neuer" Vogel vom Züchter oder aus dem Zoogeschäft sein?
Warum Adoptieren die bessere Wahl ist
In meiner Praxis erlebe ich ständig, dass wunderbare Vögel ihr Zuhause verlieren, weil sich Lebensumstände ändern oder die Vorbesitzer mit der Art überfordert waren. Diese "Second-Hand-Vögel" sind oft richtig tolle Tiere, die bei einem besseren Halter regelrecht aufblühen.
Auch wenn Ringsittiche in Vermittlungsanzeigen nicht gar so häufig zu finden sind, wie Wellensittiche oder Nymphensittiche, kommen solche Abgaben doch immer wieder vor. Schau einfach in unsere 👉 Abgabeliste.
Was muss ich beim Kaufen von Ringsittichen noch beachten?
Ringsittiche (Barnardius zonarius) sind im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet. Beim Kauf solltest du daher unbedingt auf korrekte und vollständige Dokumente achten. Bitte setze dich mit dem für dich zuständigen Amt in Verbindung, um herauszufinden, wie du deine Tiere dort korrekt anmelden kannst.
Allgemeine Informationen zum Kauf von Papageien & Sittichen findest du hier: 👉 Sittiche & Papageien kaufen oder adoptieren – So machst du es richtig!

Vertrauen ist die Basis: Durch artgerechtes Training werden aus scheuen Ringsittichen neugierige Familienmitglieder – ein Kernthema in meiner Vogelschule.
Fazit: Passt ein Ringsittich zu dir?
Ringsittiche sind wunderbare Vögel für Menschen, die ihnen ausreichenden Platz und Beschäftigung zur Verfügung stellen können und wollen. Ja, sie sind hübsch und farbenfroh, aber als „Deko“ im Wohnzimmerkäfig allein schon wegen der Lautstärke absolut nicht geeignet.
Wenn du aber bereit bist, ihnen eine große Voliere oder ein Vogelzimmer zur Verfügung zu stellen, sie mit Training zu beschäftigen und eine wirkliche Beziehung zu ihnen aufzubauen, sie ausgewogen zu ernähren und auch regelmäßige Tierarztbesuche (👉 Vogelkundiger Tierarzt – So findest du den Besten!) nicht zu scheuen, dann wirst du viele Jahre lang Freude an diesen intelligenten gefiederten Familienmitgliedern haben.
Hast du Fragen zur Vergesellschaftung oder zeigt dein Ringsittich bereits auffälliges Verhalten? Dann komm gerne in meine Mitgliedschaft. Im Coaching bekommen wir das gemeinsam hin!
FAQ: Ringsittiche kaufen & halten - Die wichtigsten Fragen & Antworten
Du hast noch Fragen? Hier findest du Antworten über Ringsittiche – klar, kurz und verständlich beantwortet.
Wenn du noch tiefer einsteigen möchtest, findest du hier weitere Infos zu Futter, Haltung, Training und Gesundheitspflege.
Ringsittich und Halsbandsittich sind zwei völlig verschiedene Arten. Der Ringsittich (Barnardius zonarius) kommt aus Australien und gehört zur Gruppe der Plattschweifsittiche. Der Halsbandsittich (Psittacula krameri) stammt aus Asien und Afrika. Beide haben auffällige Hals- bzw. Nackenmarkierungen – daher die theoretische Verwechslungsgefahr. Aber Aussehen, Haltung, Charakter und Bedürfnisse unterscheiden sich deutlich!
Ja! Du brauchst mindestens zwei gegengeschlechtliche Ringsittiche! Das Tierschutzgesetz mit den dazugehörigen Gutachten schreibt eine mindestens paarweise Haltung für alle Papageien und Sittiche vor. Ein einzelner Ringsittich ist ein unglücklicher Ringsittich.
Ja. Ringsittiche sind nach CITES Anhang II besonders geschützt. Beim Kauf brauchst du entsprechende Herkunftsnachweise. Achte also akribisch darauf, dass die Dokumente vorhanden und korrekt sind
Ringsittiche sind im Wesentlichen Pflanzenfresser. In der freien Wildbahn stehen Früchte, Blüten, Knospen, halbreife Samen – und gelegentlich Insekten und Larven auf dem Speiseplan. Im Heim solltest du auf eine abwechslungsreiche, frische Kost setzen und trockenes Körnerfutter nur als Ergänzung verwenden.
Ich empfehle mindestens 4m x 2m x 2m. Diese Mindestmaße orientieren sich am Nikolai-Gutachten und sind für Deutschland gültig. Je nachdem, wo du wohnst, können alternative Gutachten für dich anwendbar sein. Grundsätzlich gilt: Größer ist immer besser. Die Gutachten geben Mindestwerte an – keine optimalen Bedingungen.
Während ein Alter von ca. 21 Jahren für Ringsittiche in zoologischen Einrichtungen als gesichert dokumentiert gilt, berichten Experten und Halter von Vögeln, ein Durchschnittsalter von 25-30 Jahre. Bei optimaler Pflege können Ringsittiche sogar mehr als 30 Jahre alt werden.
Ja! Mit der richtigen, positiven Trainingsmethode lassen sich auch Ringsittiche erfolgreich zähmen und trainieren. Du brauchst dafür nur etwas Geduld und Wissen.
Ja. Ringsittiche werden oft als leise Papageienvögel angepriesen. Aber das ist im Vergleich zu anderen Papageienarten wie Halsbandsittichen oder Aras. Aber es sind Papageien und somit - gemessen an „normalen“ Wohnungsgeräuschen - laut.
📚 Quellen & weiterführende Informationen zu Ringsittichen
- AnAge Database: Barnardius zonarius (Lebenserwartung)
- IUCN Red List: Gefährdungsstatus Ringsittich
- BMEL: Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien
- BfN: Informationen zum Artenschutz (CITES)
- TVT: Merkblätter zur Vogelhaltung
- Literatur: Forshaw, J. M.: Australische Papageien



