Dauerlegen | Vorsorge

Probleme mit der Brutstimmung

Bald ist Frühling und etliche Papageien geraten in Brutstimmung. Die Tage werden länger und das Futterangebot oft reichhaltiger, weil mehr frische Gräser, Kräuter, Obst und Gemüse als im Winter auf der Speisekarte stehen. All dies signalisiert unseren Vögeln: ideale Bedingung, um Junge großzuziehen. Eine romantische Vorstellung, doch in der Wohnungshaltung oft problematisch. Abgesehen von der grundsätzlichen Fragestellung, ob man überhaupt Jungtiere nachziehen sollte, wo doch so furchtbar viele Abgabetiere dringend ein gutes Zuhause benötigen, haben die Halter oft mit handfesten Problemen zu tun.

Brütige Hennen können zu Dauerlegern werden. Dies kann für die Gesundheit schädlich sein, ja sogar lebensbedrohliche Konsequenzen für die Henne durch Legenot oder Kloakenvorfälle beinhalten. Papageien in Brutstimmung können außerdem extrem territorial und aggressiv werden. Auch wenn Mensch und Tiere das ganze Jahr über harmonierten, kann Brutstimmung bedeuten, dass mögliche Nistplätze gegenüber den Menschen und auch anderen Haustieren oder Schwarmmitgliedern vehement verteidigt werden. Deshalb kann es wichtig sein, die Brutstimmung soweit es geht zu unterbinden oder zumindest die Zeitdauer zu verkürzen. Dafür gibt es mehrere Maßnahmen, die oft funktionieren. Ich stelle sie dir hier in der Reihenfolge, in der du sie anwenden solltest dar.


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Probleme mit der Brutstimmung

bei Papageien & Sittichen


1. Keinerlei Brutgelegenheit anbieten

Verfügbare Brutstätten können den Bruttrieb auslösen. Gibt es keine Brutstätten, werden viele Papageien gar nicht erst auf die Idee kommen Junge aufziehen zu wollen. Das ist übrigens ein wichtiger Ansatz bei der Arterhaltung freilebender Papageien. Oftmals liegen die Probleme zumindest z.T. darin, dass für die Tiere keine geeignete Brutstätten zur Verfügung stehen. Deshalb gibt es Arterhaltungsprogramme, die geeignete Brutgelegenheiten in freier Wildbahn anbringen.

Als allererstes solltet Ihr deshalb sämtliche Nistboxen abhängen und Orte, die als Brutstätten angesehen werden könnten unzugänglich machen. Solche Orte können Schubladen, unter dem Sofa oder unter Stühlen, ja sogar dunkle Ecken hinter Türen sein.

ACHTUNG: Falls Eure Papageien bereits in dem Stadium ihrer Bruttätigkeit angekommen sind, dass sie Eier legen, dürft Ihr keine Nistgelegenheiten entfernen. Der Mangel daran könnte zu einer Legenot führen.
Brutstimmung sperlingspapageien

2. Tageslichtstunden verkürzen

In den tropischen Gebieten, aus denen die meisten Papageien stammen, sind die Tage so lang wie die Nächte. Zu lange Tageslichtzeiten von mehr als zwölf Stunden kann für unsere Papageien zum gesundheitlichen aber auch zum seelischen Problem werden. Fehlverhalten können die Folge sein. Auf das Brutverhalten bezogen können nicht nur zu lange Tageslichtzeiten, sondern auch insbesondere das Längerwerden der Tage Auslöser sein.

Abhilfe schafft die sukzessive Verkürzung der Tageslichtzeit durch Rollos oder Vorhänge im Papageienzimmer. Vielleicht sollte ich in dem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass das Ziel ungestörte Nachtruhe von zwölf Stunden ist. Es bringt nicht viel, das Zimmer zu verdunkeln und dann die halbe Nacht lang den Fernseher laufen zu lassen. Wie würdet ihr Euch fühlen, wenn Ihr schlafen wollt und Euer Mitbewohner oder Partner schaut im gleichen Zimmer lautstark Fernsehen. Nicht so toll, oder?

3. Beschäftigungsmöglichkeiten stark erhöhen

Papageienzüchter, die großen Wert auf Produktivität legen, halten ihre Zuchtpaare oft in reizarmer Umgebung. Spielzeug und andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es kaum, sodass die Tiere nicht viel anderes zu tun haben als zu fressen und dem Brutgeschäft nachzugehen. Für Papageienhalter, die Bruttätigkeit vermeiden wollen, bedeutet dies im Umkehrschluss: Beschäftigung, Beschäftigung, Beschäftigung. Da brütige Papageien einen enormen Schredderbedarf haben, schließlich müssen sie als Höhlenbrüter eine Baumhöhle gestalten, ist es nicht mit ein oder zwei Spielzeugen getan. Ihr müsst die Voliere z.B. mit frischen Ästen vollpacken. Sehr gut funktioniert, Papiertüten, Kartons oder Kisten aus Sperrholz - je nach Größe des Vogels - zur Verfügung zu stellen. Der Trick hierbei ist, dass diese vermentliche Bruthöhle von den Tieren zerstört wird, bevor es zur Eiablage kommt. Als Beispiel: für ein brütiges Graupapageienpaar müsst Ihr ein bis zwei Kartons pro Tag rechnen.

4. Regenzeit simulieren

Papageien brüten oft um die Regenzeit herum. Es ist nicht geklärt, woran es genau liegt, aber das Simulieren der Regenzeit hilft bei Brütigkeit häufig. Wenn die (simulierte) Saison vorbei ist, scheinen sich die Hormone wieder zu beruhigen. Vielleicht liegt es auch einfach an der Energie und Zeit, die für die Vögel erforderlich ist, ihr Gefieder nach jeder Dusche zu pflegen. Was auch immer die Erklärung sein mag, es ist auf jeden Fall wert diese Strategie auszuprobieren. Dazu duscht Ihr Eure Vögel ungefähr drei Wochen lang drei bis fünfmal täglich gründlich ab. Achtet aber bitte darauf, dass nach dem letzten Duschen des Tages für die Tiere noch genügend Zeit zur Verfügung steht, um vor dem Schlafen gehen wieder zu trocknen. Ich möchte hier betonen, dass dieses Abduschen nichts aber auch gar nichts mit Bestrafung mit einer Wasserspritze zu tun hat. Dies lehne ich aufs Nachdrücklichste ab! Hier geht es vielmehr darum, den natürlichen Rhythmus aus dem Leben in freier Wildbahn, so gut wie es eben in der Gefangenschaft geht, nachzubilden.

5. Homöopathische Mittel

Es gibt verschiedene homöopathische Mittel, die helfen sollen, übermäßiges und deshalb gesundheitsschädliches Eierlegen zu unterbinden. Diese funktionieren mal besser mal schlechter, sind aber auf jeden Fall einen Versuch wert, bevor man als letzten Ausweg zur Gabe von Hormonen schreitet. Ihr solltet dies unbedingt mit Eurem vogelkundigen Tierarzt besprechen, der am besten beurteilen kann, wie kritisch das Eier legen für Eure Henne ist.

Für Dauerleger ist eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Kalzium, besonders wichtig. Die Eier sollen ja die Küken bis zum Schlupf ernähren. Alles was in dem Ei ist, wird dem Körper der Henne entzogen. Ihr könnt Euch also recht gut vorstellen, wie sehr dauerhaftes Eierlegen den Körper der Henne schwächen kann. Kalziummangel kann sogar zu Legenot – einem lebensgefährlichen Zustand für die Henne – beitragen. Auch die Zusatzgabe von Mineralstoffen und Vitaminen solltet Ihr mit Eurem erfahrenen vogelkundigen Tierarzt im Detail erörtern.

6. Hormongabe

Als allerletzten Ausweg bei dauerhaftem Eierlegen muss die Gabe von Hormonen gelten. Diese können leider erhebliche Nebenwirkungen haben. Andererseits können Hormone eine dauerhaft legende Henne vor dem Tode bewahren, wenn ihr Körper diese Strapaze nicht mehr bewältigen kann. Die Entscheidung darüber, ob Eure Henne Hormone bekommen soll, müsst Ihr mit Eurem erfahrenen vogelkundigen Tierarzt zusammen fällen.

7. Futterreduktion

Des Öfteren wird empfohlen, das Futter zu reduzieren, da besonders reichhaltiges Futter Brutstimmung auslösen kann. Dies ist zwar logisch nachvollziehbar, aber meines Erachtens in der Anwendung zu gefährlich. Papageien haben einen ernorm hohen Stoffwechsel. Eine eierlegende Henne hat zudem einen erhöhten Nahrungsbedarf. Durch das Federkleid ist es außerdem schwer zu beurteilen, ob das Tier Gewicht verliert. Zehn Prozent Gewichtsverlsut sind ein Warnsignal, zwanzig Prozent können lebensbedrohlich sein. Deshalb rate ich ausnahmslos davon ab, diese Methode anzuwenden.